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Auch an Heiligabend ist im Hause Stadler viel Leben, schließlich feiern sie zu zwölft.

ZU WEIHNACHTEN

Alle Jahre wieder: Was gehört zum Fest der Liebe unbedingt dazu? 

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Advents- und Weihnachtszeit sind geprägt von Ritualen. Auch der Heilige Abend verläuft bei vielen auf immer die gleiche Weise. Gibt es etwas, das zum Fest der Liebe unbedingt dazugehört? Kathrin Hauser hat bei einem Pfarrer, bei einer Großfamilie, in einem Dorf und in einem Kloster nachgefragt.

Bei Familie Stadler ist einiges geboten

Obersöchering – Wenn Familie Stadler in Obersöchering Heiligabend feiert, ist einiges los: Melanie und Tobias Stadler haben zehn Kinder, das elfte ist unterwegs. „Im Vorfeld ist es schon immer ein wenig anstrengend“, sagt die Mutter der Familie. Bis für Fabian (19), Emily (15), Felina (13), Elena (12), Jona (11), Samuel (10), Lucia (8), Charlie (4), Emilian (2) und Luna (1) die Geschenke besorgt seien, gebe es eben viel zu organisieren. „Bei uns gibt es nicht die riesen Supergeschenke, aber was möglich gemacht werden kann, machen wir.“ Und obwohl sich bei Stadlers viele Kinder um den Christbaum scharen, türmen sich nicht hohe Geschenkeberge dort. „Ein bis zwei Geschenke pro Kind sind ausreichend“, sagt Melanie Stadler. Das würde sie aber auch so sehen, wenn sie nicht so viele Kinder hätten, sagt sie. 

Auch an Heiligabend ist im Hause Stadler viel Leben, schließlich feiern sie zu zwölft.

„Wichtig, dass wir alle beieinander sind“

Die Vorbereitung aufs Weihnachtsfest beginnt im Hause Stadler bereits am Tag vor Heiligabend: „Am 23. Dezember wird die Tür zum Wohnzimmer zugesperrt, damit das Christkind in Ruhe den Baum herrichten und die Geschenke bringen kann.“ Am 24. geht ihr Mann dann mit allen Kindern in die Kindermesse und sie bereitet solange das Abendessen vor: Kartoffelsalat und Würstchen gibt es. Nach dem Essen wird gebetet, gesungen und musiziert. Dann klingelt das Glöckchen und alle gehen ins Wohnzimmer. „Nachdem alle Geschenke ausgepackt sind, sieht es da aus wie auf dem Schlachtfeld“, sagt Melanie Stadler. Anschließend ziehen sich einige Kinder in ihre Zimmer zurück, um ihre Geschenke in Ruhe auszuprobieren. 

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Und inzwischen ist es bei Stadlers auch Tradition, dass nach dem Fest immer einige Kinder unter dem Christbaum schlafen. „Mir ist an Heiligabend ganz, ganz wichtig, dass wir alle beieinander sind“, sagt Melanie Stadler. Manchmal kämen auch noch die Großeltern dazu. „Es ist schön, wenn wir alle zusammen sind, das gehört für mich unbedingt zum Fest dazu.“ Trotz der Anstrengung vor dem Weihnachtsfest und der vielen Kinder, die es zu versorgen und beschenken gilt, sie genieße das Weihnachtsfest, weil sie alle zusammen seien: „Ich habe Freude an Heiligabend“, sagt die Mutter

Pfarrer Julian Lademann muss an Heiligabend arbeiten.

„Jedem und jeder die Hand geben“

Penzberg – Für andere ist das eher ungewöhnlich, für Julian Lademann gehört die Arbeit zum Heiligen Abend unbedingt dazu. Er ist seit April 2017 evangelischer Pfarrer in Penzberg und der Heilige Abend ist für alle Pfarrer und Priester immer ein besonderrer und ein besonders wichtiger Arbeitstag, weil so viele die Gottesdienste besuchen wie sonst das ganze Jahr über nicht. Weil Julian Lademann in der Penzberger Gemeinde von zwei Kolleginnen unterstützt wird, ist der kommende Dienstag nicht mit allzu großem Stress verbunden: „Ich habe zwei Gottesdienste an Heiligabend“, sagt er. Etwas, was er dabei auf keinen Fall missen möchte, ist ein Brauch, der in den meisten evangelischen Kirchen am Heiligen Abend gepflegt wird: „Ich finde es total schön, dass wir evangelischen Pfarrer nach dem Gottesdienst jedem und jeder die Hand geben“, sagt der Pfarrer: „Das ist für mich so ein kleines Geschenk und ein Highlight. Man kommt kurz ins Gespräch und sieht sich mal.“ 

Julian Lademann feiert sein drittes Weihnachten als Pfarrer in Penzberg

Er feiere heuer sein drittes Weihnachtsfest mit der Penzberger Gemeinde und freue sich jetzt schon darauf, sagt Julian Lademann. Wenn der Pfarrer an Heiligabend dann irgendwann Feierabend hat, dann begeht er das Fest mit seiner jüngeren Schwester, die zu ihm nach Penzberg kommt und ihn bekocht. „Da habe ich wirklich Glück“, sagt er. Und anschließend freut sich der gebürtige Weilheimer auf Besuch aus seiner Heimatstadt, die ja nicht allzuweit von seiner jetzigen Wirkungsstätte entfernt liegt. In den vergangenen beiden Jahren seien auch schon einige seiner alten Freunde und Bekannten aus Weilheim zum Gottesdienst nach Penzberg gefahren und hätten im Anschluss kräftig gefeiert, dass Jesus Geburtstag hat. „Da ging Jesus’ Geburtstagsfest dann richtig los“, sagt Julian Lademann: „Darauf freue ich mich auch.

Warm eingepackt geben die Musiker der Knappschaftskapelle an Heiligabend ein kleines Konzert.

Weihnachtliche Weisen am Friedhof 

Hohenpeißenberg – Der Hohenpeißenberger Friedhof ist an Heiligabend zwischen 14 und 14.30 Uhr ein besonderer Treffpunkt: Dort spielt die Knappschafts- und Trachtenkapelle Hohenpeißenberg eine halbe Stunde lang weihnachtliche Lieder und Weisen – und viele kommen. Um die 200 Menschen zieht es dazu jedes Jahr am frühen Nachmittag des 24. Dezember auf den Hohen Peißenberg, wo der gemeindliche Friedhof ist. 

Knappschaftskapelle spielt auf dem Hohen Peißenberg

Sie kommen, um zuzuhören, vor Beginn des Festes noch einmal zur Ruhe zu kommen, Bekannte und Freunde zu treffen – und, um sich frohe Weihnachten zu wünschen. „Es ist schön, weil man sich einerseits an die Toten erinnert und sich andererseits mit den Lebenden trifft“, sagt Bürgermeister Thomas Dorsch, für den dieses kleine Weihnachtskonzert, bei dem viele auch an den Gräbern ihrer Verstorbenen Kerzen anzünden, zu Heiligabend gehört. Im Anschluss läuten die Glocken der Wallfahrtskirche Weihnachten ein, die Zuhörer gehen auseinander und das Weihnachtsfest kann beginnen.

Kursteilnehmer und Ordensschwestern feiern gemeinsam „Weihnachten im Kloster“.

Über Weihnachten ins Kloster

Bernried – Den Ursprung hatte das Kursangebot „Weihnachten im Kloster“ vor mehr als 30 Jahren. „Es hat damals zahlreiche Anfragen von Menschen gegeben, die Weihnachten nicht alleine sein und in einer christlichen Atmosphäre feiern wollten“, sagt Schwester Mechthild Hommel, die den Kurs des Bildungshauses „St. Martin“ zusammen mit zwei ihrer Mitschwestern von den Missions-Benediktinerinnen im Kloster Bernried begleitet. Alle, die damals angefragt hätten, seien auch aufgenommen worden, erzählt die Schwester. Damals hatten die Benediktinerinnen vor allem die Menschen aus dem Dorf und der näheren Umgebung im Blick, doch mit der Zeit habe sich der Kreis derer, die über Weihnachten Zuflucht bei den Missions-Benediktinerinnen gesucht hätten, erweitert. „Vor zwölf Jahren haben wir dann gesagt, wir gestalten das als Kursangebot“, sagt Schwester Mechthild Hommel. Inzwischen gehört „Weihnachten im Kloster“ fest zum Programm des Bernrieder Bildungshauses. 

Missions-Benediktinerinnen bieten Kurs in ihrer Gemeinschaft an

Um Heiligabend und die beiden Feiertage im Kloster am Starnberger See zu verbringen, reisen Kursteilnehmer aus ganz Deutschland an – in erster Linie aber aus dem Großraum München, wie die Ordensschwester berichtet. Nach wie vor seien es vor allem Menschen, die Weihnachten nicht alleine feiern wollten, die die Feiertage in christlicher Umgebung begehen und das Fest und seine Hintergründe neu kennenlernen möchten. Die Teilnehmer nehmen an den klösterlichen Gebeten teil und sind auch an Heiligabend in die Klostergemeinschaft integriert. Es gibt ein festliches Abendessen mit allen Kursteilnehmern und den Ordensschwestern, dann wird die Weihnachtsgeschichte gelesen und es werden ein paar Lieder gesungen. Jeder der Teilnehmer bekommt ein kleines Geschenk und selbstgebackene Plätzchen. „Das wichtigste ist, dass wir Zeit miteinander verbringen“, sagt Schwester Mechthild Hommel. 

Herzensangelegenheit, Menschen vor dem Alleinsein zu bewahren 

Für sie, die sie seit vielen Jahren dieses Kursangebot begleitet, hat sich die Art, Heiligabend und Weihnachten zu verbringen, dadurch geändert. „Die Tage sind auf diese Art und Weise sehr voll“, sagt die Schwester. Aber die Freude darüber, dass bei „Weihnachten im Kloster“ Menschen zusammenkommen, die sich sich über die Begegnung freuen, wiege Vieles auf. „Das tut mir gut. Sonst könnte ich das auch nicht machen.“ Zudem sei es ihr eine Herzensangelegenheit, Menschen vor dem Alleinsein zu bewahren. Bei alldem ist es ihr wichtig, „Zeit zu finden, darüber zu reden, was es heute bedeutet, an einen Gott zu glauben, der Mensch geworden ist.“ Die Auseinandersetzung mit der und das Gespräch über diese Frage gehören für Schwester Mechthild Hommel unbedingt zu Weihnachten

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