Martin Sielmann aus Garmisch hatte die Nase vorn.
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Martin Sielmann aus Garmisch hatte die Nase vorn und kandidiert für die FDP bei den Bundestagswahlen 2021.

Garmischer soll in den Bundestag

Martin Sielmann tritt für die FDP an – Morten Faust unterliegt denkbar knapp

  • vonRafael Sala
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Die FDP nominierte ihren Bundestagskandidaten für die Wahl im kommenden Jahr und am Schluss wurde es richtig spannend zwischen Martin Sielmann und Morten Faust: Selbst Wahlleiter Martin Zeil wirkte baff, erklärte, so etwas selten erlebt zu haben. 16:16 lautete das Ergebnis nach der Auszählung.

Bernried – Ein zweiter Wahlvorgang musste her. Der stellte dann Eindeutigkeit her, am Schluss hieß es 16:15. Das reichte für Martin Sielmann, der bis vor kurzem noch Martin Schröter hieß, um die Kandidatur für sich zu entscheiden und damit als FDP-Bewerber ins Rennen zu gehen. 32 Stimmberechtigte waren ins Hotel Seeblick in Bernried gekommen, um darüber zu entscheiden.

Beiden Bewerbern wurde reichlich Gelegenheit eingeräumt, sich zu ihren Zielen zu äußern. Klima, Energie- und Sozialpolitik, Natur, Zuwanderung, Industrie- und Autopolitik: Kaum ein Punkt blieb ausgespart. Für den ein oder anderen mag es zu viel des Guten gewesen zu sein, Zeil witzelte mit Blick auf eine Nachfrage aus dem Publikum gar, dass es es sich um einen Wahlabend handle, Anfragen personenbezogen sein und lange Debatten unterbleiben sollten.

Dabei hing die aktuelle Lage der Liberalen wie ein Damoklesschwert über der Veranstaltung. Umfragewerte, die in den Keller rauschen – die Liberalen haben es nicht leicht. Daraus machten weder Sielmann, Gemeinde- und Kreisrat in Garmisch-Partenkirchen, noch der 52-jährige Morten Faust aus Weilheim, der bei den Kommunalwahlen als Landrat kandidiert hatte einen Hehl. „Vor vier Jahren standen wir besser da, das muss man einfach so festhalten“, seufzte Faust. „Die Umfragewerte sind schlecht“, ergänzte er. Doch gerade deswegen gelte es – auch darin war sich das Duo einig –, für liberale Werte die Flagge hochzuhalten, hinter ihnen zu stehen und nicht in populistische Gewässer abzugleiten, wie es bei so vielen anderen Parteien zu beobachten sei.

Mehrmals betonte Faust, dass Deutschland mit seiner Demokratie und seiner gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ordnung „das Beste ist, was wir je hatten“. Es gelte, sich für eben diese Republik stark zu machen und für sie zu kämpfen. „Wir leben in einer fantastischen Demokratie der freien Entfaltung. Wenn Leute jetzt Angst haben, ihre Meinung zu äußern und sich zurückziehen, dann werden die Räume enger“, sagte der Weilheimer mit Blick auf die im Zuge der Pandemie immer rigider werdenden Bestimmungen.

Sielmann betonte die „stabilisierende Funktion“ der Liberalen und richtete eine Kampfansage an Rot-Rot-Grün. „Die Herausforderung für uns wird sein, eine solche Koalition zu verhindern.“ Diese werde versuchen, an den Fundamenten der liberalen Marktordnung zu rütteln – mit Folgen, die sich niemand wünschen könne. Man müsse den Menschen zuhörern, sich mit ihrem Problemen beschäftigen, ihnen das Gefühl geben, ernst genommen zu werden, forderte er: „Wir müssen Kümmerer sein.“ Daran hapere es gegenwärtig.

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