+
Fröhliche Gesichter beim Spatenstich: (v.l.) Robert Schiebel, Josef Steigenberger, Ilse Aigner und Andreas Rudolf. 

Spatenstich am Bahnhof Bernried

Bald komplett barrierefrei

Der Bahnsteig am Bernrieder Bahnhof wird endlich barrierefrei ausgebaut. Gestern fand der offizielle Spatenstich für das 1,6 Millionen Euro teure Projekt statt – und zwar mit einem prominenten Gast: Staatsministerin Ilse Aigner gab sich im Klosterdorf die Ehre.

Bernried – Symbolische Spatenstiche sind oft Wohlfühltermine, bei denen Realitäten verklärt und holprig verlaufende Planverfahren milde weggelächelt werden. Das war gestern am Bernrieder Bahnhof nicht anders. Andreas Rudolf, der neue Leiter des Regionalbereichs Süd bei der „DB Station&Service AG“ rühmte den Bahnsteigausbau als „barrierefreien Lückenschluss“ auf der Bahnstrecke Tutzing-Kochel. Und Ilse Aigner, Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr, verwies stolz auf das vom Bund und Freistaat Bayern aufgelegte Zukunftsinvestitionsprogramm. Mit dem ZIP habe der örtliche Bundestagsabgeordnet Alexander Dobrindt in seiner Zeit als Bundesverkehrsminister den finanziellen Grundstein für das Bernrieder Projekt gelegt.

Das Klosterdorf, betonte Aigner, sei mit der Klinik Höhenried und dem Buchheim-Museum „etwas Besonderes“, die infrastrukturelle Aufwertung des touristisch bedeutsamen Bahnhalts deshalb auch „dringend notwendig“: „Die Strecke Tutzing-Kochel ist privilegiert. Sie wird bald zu 100 Prozent barrierefrei sein“, erklärte Aigner: „Unser Bahnland ,Bayern’ barrierefrei zu machen, ist ein ambitioniertes Ziel und eine Daueraufgabe.“ Im Fall von Bernried war es in der Tat eine Daueraufgabe. Bereits 2014 wurde das Eisenbahnbundesamt mit der Abwicklung eines Planfeststellungsverfahrens betraut. Selbiges wurde nötig, da sich die Bahn mit dem Eigentümer des Bahnhofsgebäudes nicht auf eine Planung einigen konnte. Im Erdgeschoss befindet sich bekanntlich eine gläserne Schokoladenmanufaktur, deren Eigentümer im Zuge der Bahnsteigerhöhung eine „Grabensituation“ befürchtet.

Das Planfeststellungsverfahren kam derweil nicht richtig in die Gänge – obwohl der Bernrieder Gemeinderat und Vize-Rathauschef Robert Schiebel immer wieder beim Eisenbahnbundesamt nachhakten. Unter anderem fehlten wasserrechtliche Untersuchungen. Das Verfahren wurde letztlich obsolet, als sich der Eigentümer mit der Bahn außertourlich auf eine Gestaltungsvariante geeinigt hatte. Die „Schlucht-Optik“ vor der Manufaktur soll nun mit Treppenabsätzen abgeschwächt werden. Auch Bürgermeister Josef Steigenberger wollte beim Spatenstich „die Vergangenheit nicht mehr bemühen“: „Heute ist ein toller Tag. Es war schon eine kleine Wunde für Bernried, dass wir die einzige Gemeinde Richtung Kochel ohne einen behindertengerechten Bahnsteig waren.“ Letztlich hätten im Dorf aber alle an einem Strang gezogen und sich immer wieder für den Bahnsteigausbau eingesetzt. Damit meinte Steigenberger vor allem auch Elfriede Irlbeck, die beim Thema nie locker ließ: „Den ersten Leserbrief habe ich im Juni 2013 geschrieben – mit dem Titel ,Bernried schaut mit dem Ofenrohr durchs Gebirge‘. Und jetzt können wir mit der Bahn ins Gebirge fahren“, freute sich die gebehinderte Seniorin beim Spatenstich.

Im Zuge des Umbaus wird der 215 Meter lange Bahnsteig auf 155 Meter verkürzt und von 25 auf 76 Zentimeter erhöht. Es wird ein Blindenleitsystem installiert und am südlichen Ende wird neben dem mit einer Rampe ausgestatten Hauptzugang ein weiterer barrierefreier Zugang zum Bahnsteig geschaffen. Weiterhin ist als Ersatz für den gemeindlichen Pavillon eine gläserne „Wetterschutzanlage“ geplant. Die Arbeiten sollen rund um die Uhr laufen. „Ich hoffe, dass die Bauarbeiter durch die Leckereien der gläsernen Schokoladenmanufaktur nicht abgelenkt werden“, scherzte Aigner.

Während der Hauptbauphase kommt es bei der Kochelseebahn von 30. Juli bis 11. August zu einer Vollsperrung. Für die Fahrgäste wird ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Die Sperrung wäre ohnehin notwendig geworden, weil die Bahnstrecke an die elektronische Stellwerkstechnik angeschlossen wird. Die Frage, ob in dem Zeitfenster bereits auch der Bahnübergang an der Weilheimer Straße in Bernried modernisiert und technisch aufgerüstet wird, konnte ein Bahnsprecher gestern nicht beantworten. Mit der Fertigstellung des Bahnsteigausbaus samt Ausstattung rechnet die Bahn bis Oktober.

Bernhard Jepsen

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Beim „StadtLesen“ herrschte Spannung - trotz Straßenlärms
Beim Penzberger „StadtLesen“ entführte Krimiautorin Inge Löhnig auf dem Stadtplatz in eine Welt voller Niedertracht und Rache.
Beim „StadtLesen“ herrschte Spannung - trotz Straßenlärms
Am Fußballplatz: Unbekannter belästigt mehrere Kinder - Polizei sucht Zeugen
Ein „verdächtiger Vorfall“, wie sie es selbst bezeichnet, beschäftigt derzeit die Kriminalpolizei Weilheim: Ein Unbekannter hat auf einem Fußballplatz engen körperlichen …
Am Fußballplatz: Unbekannter belästigt mehrere Kinder - Polizei sucht Zeugen
Betriebssanitäter werden „Helfer vor Ort“
Vier „Helfer vor Ort-Stationen“ gibt es bereits im Landkreis. Der frisch eingerichtete Standort in Peißenberg ist jetzt Nummer fünf. Zum ersten Mal gibt es …
Betriebssanitäter werden „Helfer vor Ort“
Er hat die ganze Welt im Mischpult
In Köln wurde er in den 80er Jahren eher zufällig zum Discjockey, in München erfand er in den 90ern die erste Ü-30-Party der Stadt. Heute bringt DJ Rupen selbst erklärte …
Er hat die ganze Welt im Mischpult

Kommentare