Eigentümer lehnen DB-Pläne ab

Weiter Streit um Bahnhofsumbau

Bernried - Der Bahnhofsumbau in Bernried kommt nicht weiter. Die Eigentümer lehnen die DB-Pläne zur Neugestaltung nach wie vor ab.

Der geplante Bahnsteigausbau am Bernrieder Bahnhof ist ein Thema, das die Gemüter im Klosterdorf erregt. Das Planfeststellungsverfahren dauert nicht nur vielen Fahrgästen, sondern auch dem Gemeinderat schon viel zu lange. Immer wieder haken die Mandatsträger beim zuständigen Eisenbahnbundesamt nach. Nun kam heraus, dass die „DB Station&Service AG“ als Bauherrin die nötigen wasserrechtlichen Gutachten nicht anfertigen hat lassen. „Das ist ein Versäumnis des Vorhabensträgers und nicht die Schuld des Eisenbahnbundesamts“, so Bürgermeister Josef Steigenberger über die Verzögerungen. Aber wie geht es nun weiter? In einem Brief an Bernrieds Vize-Bürgermeister und Parteifreund Robert Schiebel (CSU) äußerte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt die Erwartung, „dass mit Abschluss des Planfeststellungsverfahrens in 2016 ein barrierefreier Ausbau des Bahnhofs Bernried unmittelbar realisiert werden kann“. Das klingt optimistisch – womöglich aber zu optimistisch: Die Umsetzung des Projekts hängt nämlich auch davon ab, ob sich die Besitzer des Bahnhofsgebäudes mit dem behindertengerechten Bahnsteigumbau arrangieren können. Und danach sieht es nicht aus – zumindest, was die von der DB vorgelegte Planvariante betrifft.

Vor fünf Jahren hat Jürgen Kindervater zusammen mit seinem Sohn den Bahnhof gekauft und das Gebäude aufwendig saniert. Im Erdgeschoss zog eine gläserne Schokoladenmanufaktur ein. Für die architektonische Gestaltung erhielten die Investoren allseits Lob: „Wir haben sogar ein Schreiben von Horst Seehofer bekommen“, erzählt Kindervater. Doch die Freude am sanierten Bahnhof war bei ihm schnell verflogen – nämlich, als die Bahn ihre Pläne für den Bahnsteigumbau auf den Tisch legte.

Durch die Plateauerhöhung würde vor dem Bahnhofsgebäude ein Graben entstehen. Für Kindervater nicht hinnehmbar: „Der Grundgedanke der gläsernen Manufaktur wäre dann zerstört. Die Leute sollen ja reinschauen können.“ Genauso sieht es der Denkmalschutz. Dessen Vorschlag, den Bahnsteig in Richtung Süden zu verlegen, lehnt die Bahn jedoch aus Kostengründen ab. In Bernried wartet man derweil sehnsüchtig auf das Ende des Verfahrens, in dessen Rahmen die unterschiedlichen Interessen gegeneinander abgewogen werden. Sollten dabei die Pläne der Bahn bestätigt werden, wird sich der Investor wohl juristisch zur Wehr setzen: „Dann müssen wir wahrscheinlich die nächsten Schritte einleiten“, so Kindervater. Ein „unmittelbarer“ Baubeginn, wie von Dobrindt bei Vorliegen des Feststellungsbeschlusses in Aussicht gestellt, wäre dann wohl eher unwahrscheinlich – und davor hat man in Bernried Angst. „Ich habe absolut Verständnis für seine Position“, räumt Bürgermeister Josef Steigenberger zwar ein. Doch in der jüngsten Gemeinderatssitzung erklärte der Rathauschef auch, dass er versuchen werde, Kindervater von einer juristischen Auseinandersetzung abzuhalten. Der wiederum beruft sich auf sein Klagerecht („Gott sei Dank leben wir in einem Rechtsstaat“) und will sich nicht in die Buhmann-Rolle drängen lassen. Kindervater betont, dass er gegen einen Bahnsteigausbau generell nichts einzuwenden habe: „Ich bin sogar sehr dafür – und man hätte ihn auch schon längst haben können.“ Doch die Bahn sei zu keinem Kompromiss bereit gewesen: „Das ist die Arroganz der Macht“, ärgert sich Kindervater. Als „eigentlichen Skandal“ bezeichnet er es, dass die Bahn ihn bei den Verkaufsverhandlungen für das Bahnhofsgebäude nicht darüber informiert habe, dass auf der Bahnstrecke neue Zuggarnituren eingesetzt werden. „Hätte ich davon gewusst, hätte ich die Bauplanung anders gemacht oder den Bahnhof gar nicht erst gekauft“, so Kindervater: „Aber die Bahn war froh, dass sie einen Deppen gefunden hat.“

Bernhard Jepsen

Rubriklistenbild: © DPA

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