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Quartiersmanagerin Verena Pahlke hilft vor allem Senioren - „Mein Anrufbeantworter ist nie leer“

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Von: Stephanie Uehlein

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Verena Pahlke ist die einzige Quartiersmanagerin im Landkreis. Das Bild zeigt sie mit Heinz Bisswanger, der im Theresia-Petsch-Haus in Bernried wohnt.
Verena Pahlke ist die einzige Quartiersmanagerin im Landkreis. Das Bild zeigt sie mit Heinz Bisswanger, der im Theresia-Petsch-Haus in Bernried wohnt. © Ralf Ruder

Menschen in finanzieller Not, die aus Scham keinen Antrag auf Sozialhilfe oder Wohngeld stellen, Telefonate von 30 bis 45 Minuten, bei denen die sorgengeplagten Gesprächspartner „aufgefangen“ werden müssen: Verena Pahlke hat bei ihrer Arbeit in Bernried schon viel erlebt. Als Quartiersmanagerin hilft sie vor allem Senioren – ein gefördertes Konzept, das im Landkreis bisher sonst nicht genutzt wird.

Bernried – Wenn Pahlke von ihrer Tätigkeit erzählt, wird klar: Senioren brauchen bei vielen Angelegenheiten Unterstützung – sei es bei der Suche nach einer Putzhilfe, bei der Beantragung eines Pflegegrads oder bei der Bewältigung eines persönlichen Tiefs in Corona-Zeiten. Der Bedarf an Beratung und Betreuung nehme zu, sagt die Quartiersmanagerin, die ihre Stelle im Mai 2020 angetreten hat. Die Nachfrage nach ihren Dienstleistungen sei groß. „Mein Anrufbeantworter ist nie leer“, berichtet Pahlke und ergänzt: „Ich finde es schön, dass das Angebot so genutzt wird.“

Freistaat zahlt 20 Wochenarbeitsstunden

Das Quartierskonzept in Bernried soll es Menschen ermöglichen, im Ort alt zu werden, wie Pahlke erklärt. Ehe es 2020 eingeführt wurde, hatten die Gemeinde und der Verein „Soziales Netz Bernried“ beim Bayerischen Sozialministerium eine Förderung dafür beantragt. Der Freistaat erklärte sich bereit, die Kosten von 20 Wochenarbeitsstunden für das Quartierskonzept zu tragen – in Form einer Anschubfinanzierung für vier Jahre und unter der Bedingung, dass die Stelle auch danach erhalten bleibt.

Der Bedarf ist so hoch, dass Pahlke aktuell eine Stelle mit 30 Stunden pro Woche hat. „Die reichen kaum“, sagt sie. Ein Drittel ihrer Stelle wird derzeit von der Gemeinde finanziert. Beantragt werden soll, dass die Förderung durch den Freistaat nach Ablauf der Vierjahresfrist verlängert wird.

Kümmern um die Sorgen und Nöte der Bewohner

Zu Pahlkes Aufgaben gehört unter anderem die Betreuung von 36 barrierefreien Wohnungen: von 24 im Theresia-Petsch-Haus in der Straße „Am Grundweiher“, betrieben von der Theresia-Petsch-Stiftung sowie von zwölf auf dem „Schmiedegelände“ (privater Betreiber) neben dem Hotel „Seeblick“. Die Quartiersmanagerin – sie ist examinierte Pflegefachkraft und hat Sozialmanagement studiert – kümmert sich um die Sorgen und Nöte der Bewohner genauso wie um die Belegung der Wohnungen.

Wie beim ambulanten Pflegedienst arbeitet Pahlke auch in Sachen „Tagespflege“ mit der „Ambulanten Krankenpflege Tutzing“ unter der Geschäftsführung von Armin Heil zusammen. Dieser Verein ist, wie sie betont, „ein starker Partner“, ohne den die Hilfen in Bernried in der jetzigen Form nicht möglich wären. Er rief auch die Theresia-Petsch-Stiftung ins Leben.

Rentnernin hatte kaum Geld für Lebensmittel

Pahlkes Büro ist im Theresia-Petsch-Haus. Doch wer ihre Unterstützung haben möchte, muss nicht unbedingt dorthin kommen. Denn die Quartiersmanagerin macht sehr viele Hausbesuche, wie sie sagt. Zu manchen Senioren kommt sie wöchentlich – um zum Beispiel Menschen, die blind oder fast blind sind – bei Alltagsaufgaben zu helfen.

30 Wochenstunden „reichen kaum“

Bei Hausbesuchen bekommt Pahlke auch manches vom Leben der Betreuten mit. So erfuhr sie bei einer solchen Gelegenheit, dass eine Frau unter großer finanzieller Not litt und daher dringend unterstützt werden musste: Die Seniorin hatte kaum Lebensmittel zur Verfügung, eine Dose Spaghetti mit Tomatensoße musste bei ihr für drei Tage reichen. Pahlke sagt: In ihren fast zwei Jahren als Quartiersmanagerin habe sie es schon dreimal erlebt, dass Bedürftige aus Scham keine Sozialhilfe oder kein Wohngeld beantragt hatten. Monatlich führt sie etwa 30 bis 45 Beratungsgespräche. Bislang hatte sie in ihrer Funktion als Quartiersmanagerin Kontakt zu ungefähr 150 Rat- und Hilfesuchenden.

Ist das Quartierskonzept für andere Gemeinden empfehlenswert? „Auf jeden Fall“, sagt Pahlke, auch wenn Quartiersmanager eine Position sei, die jeder anders ausfülle. Wichtig sei, dass der jeweilige Ansprechpartner mobil ist. Daher sollte ihm laut Pahlke eigentlich immer ein Auto zur Verfügung stehen.

Kontakt: Per Telefon (08158/9056937) können mit Verena Pahlke Gesprächstermine vereinbart werden.

Lesen Sie auch: Hilfsaktionen für Kriegsopfer aus der Ukraine im Überblick

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