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„Ich verneige mich vor diesem Mann“ , so würdigte Ex-Ministerpräsident Stoiber (am Pult) am Dienstag Lothar-Günther Buchheim. Am Gespräch nahmen (v.l.) Kurt Faltlhauser, Günter Rohrbach, Carla Schulz-Hoffmann, Klaus Doldinger, Hans Brög und Michael Skasa teil. 

Zum 100. Geburtstag von Lothar-Günther Buchheim

Buchheim: Ein Egomane – und ein Glücksfall

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100 Jahre wäre Lothar-Günther Buchheim in diesem Jahr alt geworden.  Edmund Stoiber  und weitere Prominente plauderten im Buchheim-Museum über ihn.

Bernried– Der Mann, der am Dienstag vor hunderten Besuchern im Buchheim-Museum gefeiert wurde, war ein höchst widersprüchlicher Mensch: Er war ein Geizhals, ein Egomane, wohl auch ein Steuerbetrüger, oft aufbrausend und stets unberechenbar. Aber auch ein Ästhet, „der ungeheuer belesen, feinsinnig und gesprächsbereit war und, ja, auch liebenswert sein konnte“, wie Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber sagte: „Er war eine der wirklichen Persönlichkeiten, die sich mir tief eingeprägt haben.“

Die Rede war – natürlich – von Lothar-Günther Buchheim (1918-2007), dem Maler, Autor, Kunstsammler und Museumsgründer, dessen Geburtstag sich am Dienstag zum hundertsten Mal jährte. „Sein“ Museum in Bernried – gebaut vom Freistaat Bayern, getragen von der Buchheim-Stiftung – feierte diesen Tag mit „freiem Eintritt für alle ab 15 Uhr“ und mit illustren Rednern im rappelvollen Vortragssaal. Allen voran Edmund Stoiber, der das Museum, das viele Weltstädte gern gehabt hätten, „mehr oder weniger im Alleingang“ für Bayern sicherte, wie sein einstiger Finanzminister Kurt Faltlhauser als Moderator betonte.

Stoiber (76), heute noch Vorsitzender des Stiftungsrats der Buchheim-Stiftung („ich musste Buchheim zusagen, dass ich das auf Lebenszeit mache“), ließ in seinem Festvortrag die lange und komplizierte Vorgeschichte des Museums Revue passieren. Er verwies auch auf Wutausbrüche Buchheims, die viel Porzellan zerschlugen – etwa, als er seine Kritiker bei einer Versammlung vor dem Bürgerentscheid über den geplanten Museumsstandort Feldafing als „Schilf- und Gullyratten“ beschimpfte. Dass der Entscheid dann verloren ging und das Museum (auch dank des gewitzten Einsatzes des damaligen Bürgermeisters Walter Eberl) 2001 in Bernried eröffnet wurde, nannte Stoiber einen „Glücksfall durch demokratische Basisentscheidung“. Die zuletzt stark gestiegenen Besucherzahlen – 2017 kamen 125 181 Menschen ins Buchheim-Museum – würdigte der ehemalige Ministerpräsident so: „Da würde sich manches Museum, das geografisch günstiger liegt, die Finger abschlecken.“

Wenig überraschend, aber durchaus unterhaltsam war, was die hochkarätig besetzte Runde der Buchheim-Kenner im anschließenden Podiumsgespräch plauderte. Ob Filmproduzent Günter Rohrbach, der als Chef der „Bavaria Film“ in den 1980er Jahren die Verfilmung des Weltbestsellers „Das Boot“ verantwortete, oder Publizist Michael Skasa, der als Sohn eines Schriftstellers schon im Jugendalter Bekanntschaft mit Buchheim machte: Vom Geiz des so erfolgreichen Autors und Kunstsammlers – der, wie später herauskam, 22 Millionen Euro in der Schweiz gebunkert hatte – konnten sie alle erzählen.

Und auch von seinem legendären Zorn: Carla Schulz-Hoffmann, bis 2011 stellvertretende Generaldirektorin der Bayerischen Staatsgemäldesammlung, musste sich von Buchheim per Fax als „wirklich allerdümmste Person auf der Welt“ beleidigen lassen. Doch nachdem sie ihm deutlich Paroli geboten habe, habe sich ein respektvoller Umgang ergeben. „Wir haben viel gestritten, auch öffentlich, aber haben uns nicht zerstritten“, betonte Günter Rohrbach (89). Und der Duisburger Kunstprofessor Hans Brög (82) würdigte Buchheims wissenschaftliche Bücher: Sie seien „bis zum heutigen Tag großartig“. Weniger Worte machte Komponist und Jazzstar Klaus Doldinger (81): Er spielte mit dem Saxofon die Titelmelodie von „Das Boot“, die auch ihm einen Welterfolg bescherte.

Ehe es zu harmonisch enden konnte, meldete sich Nikolaus Buchheim, der Neffe des Gefeierten, zu Wort: Er fand „ausgesprochen peinlich“, dass Buchheims Sohn Yves – der soeben eine aufsehenerregende Biografie veröffentlicht hat („Künstler, Sammler, Despot: Das Leben meines Vaters“) – nicht eingeladen wurde. Im übrigen sei es gewiss „nicht Buchheims Wille“ gewesen, dass die Sammlung Gerlinger in das Museum kommt.

Das Schlusswort nahm sich Bernrieds Altbürgermeister Walter Eberl: „Mein Herz ist auch zersplittert in die Für und Wider“, bekannte er mit Blick auf Buchheims schwierige Persönlichkeit – „aber eins sag’ ich Ihnen: Der Zweck heiligt die Mittel.“

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