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Austausch und Offenheit „bewegen die Gesellschaft ein Stück in eine bessere Richtung“, sagte Laudator Andreas Bretting (Mitte) bei der Ausstellungseröffnung am Samstag. 

„Kunstforum Weilheim“ stellt aus

Bewegt und bewegend

28 Mitglieder des „Kunstforum Weilheim“ stellen  im Stadtmuseum ihre Werke aus. Sie  zeigen verschiedenste Aspekte zum Thema „Bewegung“.

Weilheim – Stillstand, egal ob geistiger oder geschäftlicher, ist gefürchtet. Auf Reisen wird mancher schier verrückt, wenn nichts mehr vorangeht. Aber wenn sich alles zu schnell bewegt, man nur noch unterwegs ist, macht das auch Angst, und der Mensch sehnt sich nach Ruhe, nach einem Ort, an dem alles so bleibt, wie man es gewohnt ist. „Bewegung ist eine Grundkoordinate des menschlichen Daseins“, so formulierte es der Journalist Andreas Bretting am Samstag als Eröffnungsredner bei der Gemeinschaftsausstellung des „Kunstforums Weilheim“ im Stadtmuseum. Deren Motto ist „Bewegung“. Wie anregend und vielfältig dieses Thema ist, davon zeugen 53 Arbeiten von 28 Künstlern.

Dabei war die bildende Kunst jahrhundertelang eigentlich eher ein Garant für Stillstand. Malerei und Bildhauerei machten es möglich, einen Augenblick (scheinbar) einzufrieren. Oscar Wilde hat das im Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“ thematisiert, und Goethes Faust ist dem Teufel verfallen, sobald er zum Augenblick sagt: „verweile“. Noch die Impressionisten hatten das Festhalten eines bestimmten Augenblicks, einer besonderen Lichtstimmung im Sinn, und zugleich sind ihre Bilder oft sehr bewegt, weil man die Bewegung des Malers vor Augen hat. In dieser Ausstellung erinnert daran Michael Kreuters Bild „Funkenflug“, das so vor einem Fenster platziert ist, dass Licht durch die Farbschichten hindurchschimmert.

 Die bewegte Natur (in Form von Wellen und Wirbeln) oder der bewegte Mensch (Tänzer, Sportler) sind Motive, denen man in dieser Schau mehrfach begegnet. Doch auch die abstrakte Bewegung – Spuren der Pinselbewegung auf der Leinwand – wird gezeigt, etwa von Karin Karrenbauer. Viele Künstler versuchen dem Thema mit traditionellen Mitteln der Malerei nahezukommen. Etwas Besonderes ist die Arbeit von Max Mirlach, der in einem „kinetischen Wandobjekt“ die Leinwand selbst in Bewegung versetzt. Wojciech Bielawski wiederum setzt auf bewegte Bilder und zeigt Videokunst auf einem Bildschirm. 

 Auch Frank Fischer nutzt in einer Art Doppelkunstwerk die Möglichkeiten des Videofilms. Sein Acrylbild, das Bretting passend ein „Wimmelbild“ nannte, hat er abgefilmt und dann kräftig an den Farbreglern gedreht. Zu Klaviermusik bewegt sich das Auge der Kamera über die Leinwand, und der Betrachter wird Zeuge der Veränderungen. Reinhard Giebelhausen schließlich hat ein Pümpelballett geschaffen, das die Ausstellungsmacher zwischen Putten, Christus- und Heiligenfiguren platziert haben. Andreas Bretting, der die zahlreichen Gäste mit seiner hintergründigen Formulierkunst und atemberaubenden Assoziationen begeisterte, konnte darin sogar so etwas wie ein Klopfen am Himmel entdecken.   Susanne Kohler, Vorsitzende des „Kunstforums“, erklärte, dass für diese Ausstellung auf die Auswahl durch eine Jury verzichtet wurde. Deshalb erstreckt sie sich nun über drei Etagen des Museums, was in den oberen Bereichen spannende Gegenüberstellungen von alter und zeitgenössischer Kunst ergibt – nicht nur, wenn Pümpel tanzen. Und es hat sich gelohnt, so viele Werke zu zeigen. Die Vielfalt ist auch Zeichen für eine höchst lebendige Kunstszene. „Das ,Kunstforum’ bewegt etwas in dieser Stadt“, wie es Kulturreferentin Ragnhild Thieler formulierte. Und Bretting konstatierte: „Austausch und Offenheit“, wie sie hier sichtbar würden, „bewegen die Gesellschaft ein Stück in eine bessere Richtung“. Wenn Künstlern das gelingt, ist viel erreicht.

Zu sehen

bis 2. April: Di-Sa 10-17, So 14-17 h.

Heribert Riesenhuber

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