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Start in Weilheim bei „Echter-Mode“: Kaufmanns-Lehrling Korbinian Kaufinger (l.) mit Personalleiter Andreas Weber.
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Start in Böbing bei „Franz Mayr Edelstahl- und Metallverarbeitung“: Metallbauer-Lehrling Kevin Mientjes (r.) mit Ausbilder Tobias Bußjäger.

Zum ausbildungsstart

„Bewerberlücke“ beunruhigt Firmenchefs

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Für viele Jugendliche im Landkreis wird es am heutigen Montag ernst: Sie fangen mit ihrer Ausbildung an. Allerdings bleibt eine hohe Zahl an Lehrstellen unbesetzt. Damit setzt sich ein Trend fort.

Landkreis– Für Korbinian Kaufinger wird es ein besonderer Tag: Der 16-jährige Peißenberger startet bei „Echter-Mode“ in Weilheim seine Ausbildung. Kaufmann im Einzelhandel will er werden. „Da ich selber immer schon modeinteressiert und gern modisch gekleidet bin, habe ich mich für die Textilbranche entschieden.“ Zwölf Azubis zählt das Unternehmen, darunter drei neue Lehrlinge. Auch für Kevin Mientjes wird es spannend: Der 17-jährige Rottenbucher beginnt in Böbing in seine Lehrzeit – bei „Franz Mayr Edelstahl- und Metallverarbeitung“ als Metallbauer, Fachrichtung Konstruktionstechnik. Auf den Geschmack war er durch sein dreiwöchiges Praktikum in dem Betrieb gekommen. „Mir gefällt die Arbeit.“ Das mittelständische Unternehmen mit 82 Mitarbeitern zählt zwölf Lehrlinge, fünf Azubis beginnen heuer.

Chef Franz Mayr gehört damit zu den glücklichen Unternehmern im Landkreis. Denn nicht jede Firma hat ihre Ausbildungsplätze besetzen können. Das belegen die neuesten Zahlen der Weilheimer Agentur für Arbeit: Seit Oktober 2017 wurden der Behörde im Landkreis 1038 offene Lehrstellen gemeldet, 304 davon sind noch frei. Die Bewerber haben die Wahl: Von 820 Jugendlichen, die in diesem Zeitraum eine Lehrstelle suchten, sind nur 69 ohne Ausbildungsplatz. Bereits im Juli hatte die Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern vor einer „Bewerberlücke“ auf Rekordniveau gewarnt.

Angesichts der brummenden Konjunktur werden viele Lehrstellen geschaffen, auch, um Fachkräfte heranzuziehen. „Aber der dringend benötigte Nachwuchs ist jedes Jahr schwerer zu bekommen“, wurde Klaus Bauer, Vorsitzender des hiesigen IHK-Regionalausschusses Weilheim-Schongau, von seiner Kammer zitiert. „Eigentlich sollten jetzt keine Fragen mehr offen sein“, sagt Bauer einen Monat später. „Wer eine Lehrstelle oder einen Auszubildenden sucht, weiß, dass ich mich frühzeitig darum kümmern muss.“ Bauer, Geschäftsführer des gleichnamigen Weilheimer Maschinenbauers, kennt dies aus eigener Praxis: 250 Mitarbeiter zählt das Unternehmen, 37 Auszubildende gibt es, elf neue Azubis fangen jetzt an. Die Ausbildungsquote in der Belegschaft war mit 15 Prozent noch nie so hoch, sagt Bauer.

Dennoch: „Wir haben Firmen, die noch suchen“, weiß Irina Möhres, Berufsberaterin in der Arbeitsagentur. Das betrifft alle Branchen, Schwerpunkte sind die Gastronomie und der Lebensmittelbereich – wegen unattraktiver Arbeitszeiten und niedriger Entlohnung. Mit ein Grund für den Bewerbermangel: Immer mehr Jugendliche besuchen lieber eine weiterführende Schule. Möhres: „Die Tendenz ist steigend.“ Bei der Handwerkskammer für München und Oberbayern sieht man dies mit Sorge. „Zu viele junge Leute drängen an die Hochschulen“, sagt Pressesprecher Jens Christopher Ulrich. In der Branche freut man sich trotzdem über den Nachwuchs. Für das neue Ausbildungsjahr wurden im Landkreis bisher 224 Lehrverträge unterschrieben, zum Vorjahreszeitpunkt waren es 246 Vertragsabschlüsse gewesen. „Das Interesse junger Menschen am Handwerk ist ungebrochen“, wird Kreishandwerksmeister Stefan Zirngibl in einer Mitteilung zitiert. Eitel Sonnenschein herrscht dennoch nicht. „Der Nachwuchs- und Fachkräftemangel ist die größte Wachstumsbremse im Handwerk“, mahnt Zirngibl. Jetzt noch bewerben lohnt sich, heißt es deshalb unisono bei den Kammern und der Arbeitsagentur. Obwohl vor allem bei vielen größeren Unternehmen die Lehrstellenplanungen bereits für 2019 abgeschlossen sind. Aber gerade Firmen, die nicht genügend Azubis gefunden haben, sind für jeden Bewerber dankbar, der die passenden Voraussetzungen mitbringt, ist IHK-Mann Klaus Bauer überzeugt. „Im Oktober wird es wieder Bewegung geben, wenn eine Lehrstelle nicht passt.“

Auch Agenturberaterin Irina Möhres sieht Erfolgschancen: „Wenn man engagiert rangeht, ist was möglich.“ So wie bei dem jungen Mann, der kürzlich bei ihr im Büro saß. Der Jugendliche wollte nach der mittleren Reife weiter zur Schule, informierte sich dann aber doch über Ausbildungsmöglichkeiten. Er kam auf Gärtner, bewarb sich und erhielt die Zusage für einen Ausbildungsplatz.

Lehrstellenberatung

bei der Agentur für Arbeit Weilheim: Tel. 0800/4555500 (kostenfrei), E-Mail weilheim.berufsberatung@arbeitsgentur.de oder weilheim.biz@arbeitsagentur.de.

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