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Die kleine Stadt in „fruchtbarem Thale“: Weilheim im Jahre 1798 auf einem Stich von Lucas Troger.

Blick in den "Reise-Atlas von Baiern" von 1798

In Weilheim floss das Bier in Strömen

Weilheim - Weilheim war früher eine Bierstadt: Im „Reise-Atlas von Baiern“ sind 1798 in der Stadt 13 Brauereien erwähnt.   

Der 1798 erschienene „Reise-Atlas von Baiern“ des Adrian von Riedl fördert immer wieder Erstaunliches zu Tage. Auch und gerade in Bezug auf die Stadt Weilheim „die in Oberbaiern, im Rentamte München, Bisthume Augsburg, unter dem 20º 43´ der Länge und dem 47º 52´ nördlicher Breite, nicht unweit vom Ammer Fluße, in einem angenehmen Thale liegt“.

Zunächst einmal berichtete der Herr „General-Chaussée-Director“ über „Ursprung und Schicksale“ Weilheims und gab den damals herrschenden Wissensstand wieder. Demnach war unsere Vaterstadt um das Jahr 750 noch ein Dorf, erhob sich aber „ungefähr um das Jahr 934 zu einer Stadt, bekam ihre eigenen Herren, die sich Grafen v. Weilham schrieben.“ Hart wurde Weilheim durch „unglückliche Feuersbrünste und verheerende Kriege“ mitgenommen, „schon 1414 brannte sie beynahe ganz weg, und kaum daß wieder mehrere Gebäude standen, so widerfuhr ihr 1434 am Sonntage vor St. Andreas das nähmliche Unglück.“

Aber auch im 18. Jahrhundert wütete der rote Hahn: „Im Jahre 1753 verzehrten die wüthenden Flammen 22 Häuser ganz und 4 halb, dann 18 Scheuern, 16 Ställe und 2 Kellergebäude; 16 Gärten wurden ganz verwüstet.

Für die Obervorstadt war das Jahr 1744 sehr verderblich, 92 Häuser, 10 Scheuern und das Churfürstl. weiße Brauhaus wurden eingeäschert, und das Jahr 1793 für die Vorstadt St. Pölten, wo ein Blitz in das Haus eines Bürgers fiel, zündete, und 25 Häuser mit sammt dem Pfarrthurme ein Raub seines Feuers wurden.“

Von Riedl schrieb weiter über die Bedrückungen im Dreißigjährigen Krieg, in dem Weilheim „durch zwey Plünderungen, Brandschatzungen und andere Unfuge nach einer genauen Berechnung einen Schaden von 158.530 Gulden“ erlitt.

Es war dies eine unvorstellbar hohe Summe, wie ein Blick auf die Einnahmen und Ausgaben des Heilig-Geist-Spitals drei Jahre nach Kriegsende zeigt. Demnach nahm im Jahr 1651 die Spitalstiftung 4.352 Gulden ein und gab 1.977 Gulden wieder aus. Aber auch der spanische und der österreichische Erbfolgekrieg gingen an der Stadt nicht spurlos vorüber, musste man doch jedes Mal, um eine Brandschatzung zu verhindern, tief in das stets leere Stadtsäckel greifen.

Dass Weilheim „nach allen diesen beträchtlichen Erschütterungen bald wieder einen blühenden Wohlstand“ erlangte, schrieb von Riedl der vorteilhaften „Lage in dem fruchtbaren Thale am Ammerfluße“, den „großmüthigen Unterstützungen der Landesherrschaft“, ihrer eigenen Tätigkeit und nicht zuletzt dem „Durchzug der Chaussée von München und Augsburg in das Tyrol“ zu. Unter der Rubrik „Thore und Vorstädte“ erwähnte er, dass in Weilheim „293 Häuser, ein hübscher Platz und 3 Thore; das St. Pölthenthor, das Ober- und das Schmidthor, außerhalb 2 Vorstädte; die Obere Stadt und St. Pölten“ zu finden seien.

Zur damaligen Zeit zählte Weilheim „gegen 1800 Einwohner, die sich von der Viehzucht, dem Feldbaue, dem Bierbrauen und den übrigen bürgerlichen Gewerben nähren.“ Dass von Riedel das Bierbrauen als eigenen, rentablen Geschäftszweig erwähnte, liegt auf der Hand, gab es doch damals immerhin 13 Brauereien. Es entfiel somit auf 138 Einwohner eine Brauerei – heute gibt es nur noch eine Brauerei für knapp 22.000 Einwohner...

-Dr. Joachim Heberlein-

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