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Mittlerweile hängen zwei Rettungsringe am Ammerwehr.

Er hatte Mann aus Ammerwehr gerettet

Rechnung für Lebensretter: BRK erklärt, wie es dazu kam

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Im Protokoll galt Klemens Schatz als Geretteter - dabei war er einer der Lebensretter am Ammerwehr in Peißenberg. Die Rechnung für den Einsatz zog das BRK jetzt zurück. Und erklärt sich.

Leonhard Stärk, Landesgeschäftsführer des BRK in Bayern.

Peißenberg– Die Rechnung an Klemens Schatz, der im Juli mit zwei anderen Männern einem 61-Jährigen am Ammerwehr in Peißenberg das Leben gerettet hat, hat große Wellen geschlagen. Mittlerweile hat das Bayerische Rote Kreuz (BRK) klargestellt, dass die Rechnung storniert wird – weder Schatz noch seine private Krankenversicherung müssen demnach für die Wasserrettung zahlen. „Herr Schatz als echter Lebensretter darf unter keinen Umständen den Eindruck gewinnen, er würde für seinen Einsatz bestraft und zur Kasse gebeten“, betont Leonhard Stärk, Landesgeschäftsführer des BRK, gegenüber der Heimatzeitung. „Wir sind ihm dankbar, dass er geholfen hat.“

Dass Schatz trotzdem erst eine Rechnung bekommen hat, erklärt Stärk folgendermaßen: Im Protokoll, das Rettungskräfte vor Ort ausgefüllt hatten, wurde vermerkt, dass auch der 57-Jährige gerettet werden musste. Dieses ging automatisch an die Zentrale Abrechnungsstelle für den Rettungsdienst Bayern (ZAST). „Das Abrechnungssystem kennt nur Datensätze, keine Geschichte dahinter“ – die Rechnung ging raus.

Die sei nach den „Regeln und Vorgaben in der Wasserrettung“ berechtigt, erklärt Stärk. Denn als die Rettungskräfte eintrafen, waren alle vier Männer noch im Wasser – sie bekamen von der Feuerwehr ein Seil zugeworfen und wurden anschließend vom BRK versorgt. Damit sei es für jeden „ein Einsatzfall“, auch für Schatz, sagt Stärk, der trotzdem die Rechnung stornieren lässt – um ein Zeichen zu setzen. „Ersthelfer sind der Schlüssel zum Überleben vieler Patienten“ – niemand solle im Notfall zögern, weil er Angst vor den finanziellen Konsequenzen hat.

Die Rechnungen an die anderen beiden Lebensretter, die mit Schatz ins Wasser gestiegen waren, werden nun geprüft. Die Männer sind gesetzlich versichert, hatten von den 1100 Euro, die als Pauschale für die Wasserrettung veranschlagt wurden, nichts mitbekommen. Ob ihre Kassen zahlen müssen, ist noch unklar. „Wir müssen uns den Einzelfall anschauen.“

Doch selbst, wenn Kosten anfallen, müssen die nicht zwingend die Kassen der Lebensretter tragen. „Die Versicherungen klären das untereinander“, erklärt Stärk. Ist klar, wer an der Gefahrensituation Schuld war, kann das Geld auch von deren oder dessen Krankenversicherung geholt werden. „Das ist gut organisiert“, sagt Stärk.

Dass das nicht jeder Laie durchschauen kann, ist ihm klar. „Das Abrechnungssystem ist kompliziert“, gibt er zu. Künftig soll den Rechnungen daher ein Infoblatt mit Erklärungen beigelegt werden. Zum anderen „muss die ZAST Rechnungen sensibler prüfen“, sagt Stärk. „Das sind unsere Lehren aus diesem Fall.“

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