Buchheim-Museum

Als Kind ist jeder ein Künstler

Bernried - das Buchheim-Museum in Bernried zeigt Kinder- und Jugendzeichnungen berühmter Zeitgenossen. Darunter von  Jonathan  Meese und Norbert Bisky

 Für die einen ist es belangloses Gekritzel gewesen, für die anderen die große Inspiration und der echte Ausdruck: Kunst von Kindern. Als Paul Klee seine Kinderzeichnungen wieder fand, schätzte er sie als „das bis jetzt Bedeutendste“, das er geschaffen hatte. Und Pablo Picasso philosophierte angesichts zeichnender Jugendlicher: „Als ich so alt war wie diese Kinder, konnte ich zeichnen wie Raffael. Es hat viele Jahre gedauert, bis ich zeichnen konnte wie diese Kinder.“ Sein Resümee: „Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben.“ Dieser Satz steht nun quasi als Motto über der kleinen Ausstellung „Paperworlds. Kinder- und Jugendzeichnungen zeitgenössischer Künstler“, die seit gestern im Buchheim-Museum zu sehen ist.

Die Berliner Kuratorinnen Valeska Hageney und Sylvia Volz haben sich mit ihrer Schau bei Museen beworben, die ohnehin viel mit Kinderwelten zu tun haben. Das sind insbesondere die Häuser, die sich mit Expressionismus beschäftigen. Denn gerade um 1900 entdeckte man das Kindliche in der Kunst als Zugang zum wahren Ich und zur Kreativität. Ein Prozess, der in einer Reform der Kunstpädagogik gipfelte – und in Sammlungen von Kinderkunst, die unter anderem die „Blauen Reiter“ auch im Sinne ihres Postulats der Gleichwertigkeit aller Ausdrucksformen anlegten.

19 zeitgenössische Künstler haben nun für „Paperworlds“ in ihren Schubladen – und vor allem denen der Eltern – gekramt und rund 60 ihrer Kinder- und Jugendzeichnungen beigesteuert. Unter den Themen „Portraits“, „Stadt Land Fluss“ sowie „Krieg und Frieden“ sind die Werke im Grafikkabinett gebündelt. Das wichtigste dabei ist die Altersangabe, die zeigt, dass sich sehr früh eine gewisse Gabe herauskristallisierte – neben den Lebenswelten der Kinder in West- und Ostdeutschland. Wenn Norbert Bisky mit elf Jahren treffsicher Landschaften skizziert oder Michael Kunze im gleichen Alter schon detaillierte „Perry Rhodan“-Geschichten entwirft, wenn Andy Hope als Jugendlicher die Welt der düsteren Comics favorisiert und Tal R heftige Gewaltszenen ausformuliert, dann sind deutlich die Anfänge ihrer späteren Entwicklung zu sehen.

Michael Sailstorfer fing im Atelier des Vaters schon als Sechsjähriger mit Objektkunst an. Ralf Ziervogel entwarf mit zwölf „Rambo“-Plakate, weil er den Film nicht sehen durfte. Und der spätere Skandalkünstler Jonathan Meese zeigt schon früh seine Präzision, allerdings für idyllischere Träume. Schade ist nur, dass man nicht sehen kann, was aus den einstigen Kindern geworden ist.

Zu sehen

bis 18. Oktober; Katalog: 29.90 Euro.

Freia Oliv

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