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Standen bei der Bürgerversammlung in Polling zum Thema „Hochwasserschutz“ Rede und Antwort: (hinten v.l.) Bernhard Müller, Felicitas Betz und Georg Kokai.

Bürgerversammlung in Polling

Hochwasserschutz: Bürger haben viele Fragen

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Viele Bürger hatten sich zu den Plänen für den Hochwasserschutz in Polling und seinem Ortsteil Oderding bereits vor der Bürgerversammlung konkrete Gedanken gemacht. Das wurde an den Wortmeldungen bei der Veranstaltung deutlich.  Die meisten Hochwasserschutz-Maßnahmen aus einem Planentwurf sollen erst ab frühestens 2022 umgesetzt werden.

Polling – Beim Hochwasserschutz im Gemeindebereich, um den sich die Bürgerversammlung einzig und allein drehte, handelt es sich um ein brisantes Thema – schließlich war Polling vor gut einem Jahr von einem schweren Hochwasser heimgesucht worden, das hohe Sachschäden verursacht hatte. Doch diskutiert wurde am Mittwochabend nicht emotional, sondern in durchweg ruhiger und sachlicher Manier.

Geduldig Rede und Antwort standen auf der Bühne Georg Kokai vom Ingenieurbüro, dessen Planungsentwürfe vorgestellt wurden, Bernhard Müller vom Wasserwirtschaftsamt und Bürgermeisterin Felicitas Betz. Zunächst wurde der Hochwasserschutz für Polling erörtert, bei dem die reinen Baukosten rund zwölf Millionen Euro betragen. Danach ging es um den Schutz für Oderding.

Fünf große Maßnahmen enthält der vom Wasserwirtschaftsamt gebilligte Entwurf für das „Integrale Hochwasserschutzkonzept Tiefenbach, Polling“, die Kokai den Besuchern vorstellte: drei Rückhaltebecken (am Rettenbach, an der Obermühlstraße und am Jakobsee), die Ertüchtigung des Russengrabens und die Errichtung einer Hochwasser-Mauer eines Hochwasserdammes oder -deiches auf einer Länge von etwa 700 Metern. Dazu kommen kleinere Projekte sowie Schutzmaßnahmen in Etting. Dort soll laut Kokai in den kommenden sechs Wochen der Ettinger Bach geräumt werden.

Was Kokai präsentierte, war zu einem großen Teil schon öffentlich bekannt. Anders war das mit dem Zeitplan, den Müller vorstellte. Als dieser erklärte, dass die meisten der Baumaßnahmen aus dem Konzept – „wenn alles gut läuft“ – erst Mitte 2022 beginnen könnten, war das Missfallen der Zuhörer für einen Moment deutlich hörbar.

„Dieses lange Verfahren ist ein Bürokratie-Monster, mit dem wir umgehen müssen“, klagte Bürgermeisterin Betz. Dass es Jahre dauert, bis das  Hochwasserschutzkonzept komplett umgesetzt ist, steht schon länger fest – vor etwa einem Jahr war aber noch von einer Zeitspanne von vier bis fünf Jahren die Rede.

Ein Baubeginn vor 2022 ist laut Müller am Russengraben möglich. Wie Kokai auf Nachfrage erklärte, können Einzelmaßnahmen aus dem Gesamtprojekt herausgenommen und vorzeitig angepackt werden. Beim Russengraben mache das Sinn, bei den Rückhaltebecken aber nicht, da es sich bei ihnen um komplexere Projekte handle.

Zu den Fragen aus dem Publikum gehörte auch die, ob es von Vorteil wäre, Bachufer vorübergehend zu erhöhen, um Überflutungen zu verhindern, bis dann die Schutzmaßnahmen greifen. „Das wäre schon ein Gewässerausbau“, so Kokai, und der sei „planfeststellungspflichtig“ und daher nicht so einfach möglich. Zudem dürfe eine Schutzmaßnahme zugunsten der einen nicht zu Nachteilen für andere führen. Betz ergänzte, man müsse sich bei einer Ufer-Erhöhung fragen: „Was passiert im Dorfkern?“ Die Antwort gab sie dann auch gleich selbst. Es sei damit zu rechnen, dass das Wasser ins Rathaus genauso hineinlaufe wie ins Kloster, so die Bürgermeisterin.

Dass Hochwasserschutz-Maßnahmen am Jakobsee zu mehr Hangwasser und damit zu feuchteren Kellern etwa an der Prälat-Töpsl-Straße führen, fürchtete einer der Zuhörer. „Selbstverständlich muss man diese Aspekte mitberücksichtigen“, so Kokai. Bei solchen Themen würden geotechnische Experten eingeschaltet, und ein derartiges Büro sei in Polling auch schon aktiv.

In Sachen „Hochwasserschutz für Oderding“ wurde den Besuchern jene Variante vorgestellt, bei der das Dorf – im Rahmen des Konzepts für den Weilheimer Süden – einen besseren Hochwasserschutz bekommt als zunächst vorgesehen. Es handelt sich dabei um Pläne für die Tieferlegung der Ammer mit Abbruch des Wehrs in Oderding und mit dem Bau von drei Sohlgleiten (wir berichteten).

Ob es etwas bringen würde, in den geplanten Damm am Bahngleis Röhren einzusetzen, durch die dann Wasser abfließen kann, wollte ein Besucher zu dem Konzept wissen. Laut Kokai, dessen Büro auch in dem Fall plante, würde eine solche Maßnahme „keine nennenswerte Verbesserung“ bringen. Die jetzt vorgeschlagenen Schritte reichten aus, um zum Ziel zu kommen.

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