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Das Team der Rechtsanwaltskanzlei Büttner.

Privater Handel mit Kryptowährungen

Die Einstufung von Kryptowährungen als sog. privates Geld hat zur Folge, dass der private Handel mit Kryptowährungen steuer-rechtlich zu den sog. privaten Veräußerungsgeschäften (§ 23 EStG) zählt.

Dies betrifft nicht nur den Tausch von Euro in eine Kryptowährung und wieder zurück, sondern jede Transaktion (Trade), d.h. auch den Tausch von Kryptowährungen untereinander.

Spekulationsfrist von einem Jahr

Für Veräußerungsgeschäfte gilt eine einjährige Spekulationsfrist, nach deren Ablauf der Gewinn aus einem solchen Geschäft steuerfrei ist. Dies bedeutet, dass die jeweiligen Coins einer Kryptowährung für mindestens die Dauer von einem Jahr unverändert im eigenen Wallet gehalten worden sein müssen, bevor ein Veräußerungsgewinn steuerfrei wird.

Eine der vielen ungeklärten Fragen in diesem Bereich ist, ob diese Spekulationsfrist Wallet übergreifend zu sehen ist, schließlich kann jeder Investor beliebig viele Wallets anlegen. Da eine Kryptowährung (z.B. ein Bitcoin) während der Behaltensdauer jedoch eindeutig einem Wallet zugeordnet ist, spricht dies eher dafür, dass die Behaltensdauer bezogen auf das jeweilige Wallet festzustellen ist.

Außerdem ist zu berücksichtigen, dass nach Ablauf der einjährigen Behaltensdauer nicht nur die Gewinne steuerfrei werden, sondern die Verluste – umgekehrt – steuerlich unbeachtlich werden. Während der einjährigen Behaltensdauer hingegen können Verluste steuerlich verrechnet werden, wenn auch nur mit anderen Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften.

Wie so oft im Steuerrecht gibt es keinen Grundsatz ohne Ausnahme. Dies gilt auch mit Blick auf die einjährige Behaltensdauer. Dann nämlich, wenn man innerhalb des ersten Behaltensjahres Zinsen aus einer Kryptowährung erhalten sollte, verlängert sich die Spekulationsfrist von einem Jahr auf 10 Jahre. Diese Zinsen unterliegen zudem der Abgeltungssteuer (zzgl. Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer).

Eine weitere wichtige Frage betrifft die konkrete Berechnung der Behaltensdauer: Werden Coins einer Kryptowährung (z.B. Bitcoins) sukzessive erworben und ist zum Zeitpunkt des Verkaufs für einen Teil dieser Bitcoins die einjährige Behaltensdauer bereits erreicht, teilweise aber noch nicht, dann gilt die sog. Fifo-Methode (First-in-first-out). Hiernach wird angenommen, dass die zuerst angeschafften Bitcoins auch zuerst wieder verkauft werden.

Beispiel

Der Anleger A tätigt folgende Bitcoin-Einkäufe:

Am 01.01.2017 kaufte er 0,57 Bitcoins zu insgesamt € 536.

Am 30.06.2017 kaufte er weitere 0,842 Bitcoins zu insgesamt € 1.810.

Am 18.04.2018 verkauft A dann 1,0 Bitcoin zu einem Betrag von € 6.555.

Nach der Fifo-Methode müssen zuerst die 0,57 Bitcoins aus dem Erwerb vom 01.01.2017 verkauft werden. Dieser Verkauf ist aufgrund des Erreichens der Behaltensfrist von einem Jahr steuerfrei.

Aus dem Erwerb vom 30.06.2017 werden dann noch 0,43 Bitcoins verkauft. Dieser Verkauf ist steuerpflichtig, da die Behaltensfrist von einem Jahr noch nicht erreicht ist. Da der Gewinn aus diesem Verkauf € 1.895 beträgt (siehe Anm.) greift auch die Freigrenze von € 600 (s.u.) nicht. Der Gewinn ist daher in voller Höhe mit dem persönlichen Einkommensteuertarif des A (zzgl. Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer) zu versteuern.

(Anm.: Der Gewinn berechnet sich aus der Differenz von Verkaufserlös und Anschaffungskosten. Die anteiligen Anschaffungskosten [für 0,43 Bitcoins am 30.06.2017] betrugen im Beispiel € 924. Der anteilige Verkaufserlös [für 0,43 Bitcoins am 18.04.2018] beträgt im Beispiel € 2.819.)

Freigrenze von € 600,00

Sofern ein Veräußerungsgewinn aus dem privaten Handel mit Kryptowährungen entstanden sein sollte, gilt eine Freigrenze von bis zu € 600,00. Diese Freigrenze bezieht sich auf alle privaten Veräußerungsgeschäfte eines Kalenderjahres. Freigrenze bedeutet dabei - im Unterschied zu einem sog. Freibetrag - dass die Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften vollständig steuerfrei sind, wenn die Freigrenze nicht überschritten wird. Wird die Freigrenze jedoch überschritten – sei es auch nur mit einem Cent – dann ist nicht nur der übersteigende Betrag steuerpflichtig, sondern die gesamten privaten Veräußerungsgewinne.

Handel mit derivativen Finanzinstrumenten

Der Handel mit derivativen Finanzinstrumenten, wie z.B. CFDs oder Optionen auf steigende oder fallende Kurse von Kryptowährungen stellt demgegenüber kein privates Veräußerungsgeschäft dar. Hierbei handelt es sich vielmehr um sog. Termingeschäfte, die der Abgeltungssteuer (zzgl. Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer) unterliegen. Problematisch ist in diesen Fällen aber häufig, dass die sog. Social-Trading-Plattformen im Ausland ansässig sind und keine Abgeltungssteuer einbehalten und an das deutsche Finanzamt abführen. Dies hat zur Folge, dass der Anleger selbst die Gewinne bzw. Verluste ermitteln und in seiner Steuererklärung gegenüber dem Finanzamt mitteilen muss.

Fortsetzung folgt...

Oben stehender Artikel wurde nach bestem Wissen recherchiert. Dennoch kann für die Richtig- & Vollständigkeit keine Haftung übernommen werden. Auch ersetzt der Artikel nicht die Einholung eines fachlichen Rats im Einzelfall.

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