In Peking bekam Jürgen Richter von Ma Kai, Mitglied des chinesischen Politbüros, Orden und Urkunde verliehen.

Urlaub auf dem Bauernhof in Tibet

China ehrt einen Weilheimer

Weilheim - Was können Bauern aus Tadschikistan und Landwirte aus Bayern voneinander lernen? Jede Menge! Ein Weilheimer hat sie zusammengebracht und dafür eine hohe chinesische Auszeichnung erhalten.

Urlaub auf dem Bauernhof: Das gibt es im österreichischen Achental, das gibt es aber auch in Tibet. Deshalb haben sich die Tibeter mal angeschaut, wie die Österreicher das so handhaben mit dem Bauernhof-Tourismus. „Sie konnten viele Ideen übernehmen und ihr Konzept verbessern“, erzählt Jürgen Richter (57) aus Weilheim.

Richter war mit dafür verantwortlich, dass Asiaten und Alpenbewohner zusammenkommen: Er leitete ein Bergentwicklungsprogramm der giz (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit), bei dem asiatische Gegenden mit der Alpenregion kooperieren. Dafür hat er jetzt als einer von 50 ausländischen Experten in China den „Foreign Friendship“-Preis erhalten. „Von 370 000 ausländischen Experten in China werden nur 50 mit diesem Preis geehrt“, sagt Richter.

Das Bergentwicklungsprogramm lief von 2006 bis 2012 im Grenzgebiet zwischen den chinesischen Provinzen Tibet und Xinjiang, Nepal, Pakistan und dem Tadschikistan. Die höchsten Gebirge der Erde treffen dort zusammen - Himalaya, Karakorum und Hindukusch. Gleichzeitig ist es eine schwierige Region, teilweise von Bürgerkriegen, Unruhen, Armut und Hunger geprägt. Langfristig am bedrohlichsten für die dort lebenden Menschen ist aber der Klimawandel, der die riesigen Gletscher zum Abschmelzen bringt, aus denen sich die zehn größten Flüsse Asiens speisen. „Die Trinkwasserversorgung von über einer Milliarde Menschen hängt davon ab“, schildert Richter eindringlich. Nur durch „nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsformen“ könne die Bevölkerung ihre Lebensgrundlagen erhalten.

Da setzte das Projekt des 57-Jährigen bei der giz an. Die Idee: Junge, aufstrebende Führungskräfte aus Ministerien, Nicht-Regierungsorganisationen und anderen Institutionen in China, Tibet, Tadschikistan, Pakistan und Nepal kamen für ein Jahr nach Bayern. Dort lernten sie, wie die Alpenländer über ihre Ländergrenzen hinweg zusammenarbeiten, erfuhren, wie sie Touristen anziehen, studierten Umweltpolitik und Weidewirtschaft. Auch Praktika gehörten zum Bayern-Jahr dazu: Die Asiaten hospitierten in Landwirtschaftsämtern und Forstverwaltungen, Planungsbüros und Nicht-Regierungsorganisationen. Konferenzen, Workshops und ein Alumni-Programm rundeten das Programm ab.

„Eine hoch erfolgreiche Sache“ sei das Projekt zwischen Alpen und Asien gewesen, sagt Richter, der auch schon mehrere Jahre in der Entwicklungshilfe auf den Philippinen und in Togo arbeitete. Direkte Flugverbindungen zwischen den Provinzen seien nun im Gespräch, Tibeter und Nepalesen diskutierten plötzlich über jahrhundertealte Weiderechte. „Dort oben in den Bergen sind durch den Austausch der Erfahrungen und Ideen viele Blüten aufgegangen“, sagt Jürgen Richter stolz. Und das macht ihn noch stolzer als der Preis der Chinesen.

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