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Zurück im alten Job: Andreas Krahl von den Grünen.

Er hat sich freiwillig gemeldet

Statt Landtag: Politiker schiebt während Corona-Krise Pflege-Nachtschichten in Intensivstation

  • Sebastian Horsch
    VonSebastian Horsch
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Bevor er in den bayerischen Landtag einzog, war Andreas Krahl Pfleger im Unfallklinikum Murnau. In der Corona-Krise schiebt er nun wieder Nachtschichten auf der Intensivstation.

  • Die Corona-Krise verlangt dem Gesundheitssystem und seinen Mitarbeitern alles ab.
  • Ein Politiker des bayerischen Landtags hat nun seine Unterstützung angeboten.
  • Andreas Krahl arbeitet vor seiner Tätigkeit im Landtag als Intensivpfleger. 
  • Jetzt ist er wegen der Corona-Krise zu seinem alten Beruf zurückgekehrt.

Weilheim - Andreas Krahl ist noch nicht lange wach. „Guten Morgen. Wäre jetzt erreichbar“ schreibt der Landtagsabgeordnete der Grünen um 11.50 Uhr per Whatsapp. Viel geschlafen hat er nicht. Weniger als sechs Stunden ist es her, dass seine Schicht im Kreisklinikum Weilheim zu Ende ging. „Die zweite Nacht ist immer die schlimmste“, sagt Krahl. Denn der 30-Jährige arbeitet seit Freitag wieder in seinem alten Beruf als Intensivpfleger.

Corona-Krise: Politiker will Intensivstation unterstützen - als Pfleger

Als die Corona-Krise auf Bayern zurollte, hat Krahl mehreren Kliniken in seinem Wahlkreis Weilheim-Schongau seine Hilfe angeboten. Vier Jahre hat er vor seinem Einzug in den Landtag Ende 2018 als Intensivpfleger im Unfallklinikum Murnau gearbeitet. „Und gerade kommt in meinen Augen das Problem zu kurz, dass wir zwar viele Intensivbetten schaffen, aber zu wenig Leute haben, die das Equipment bedienen können.“ Viele Pflegekräfte haben in ihrem Alltag vor der Krise nämlich nie ein Beatmungsgerät bedient. Krahl hingegen schon oft. „Deshalb habe ich gesagt: Wenn ihr Bedarf habt, hier meine Unterlagen.“ Als Abgeordneter hat Krahl in den Osterferien Luft. Ohnehin sei „jetzt die Stunde der Exekutive, weniger der Legislative“, sagt er.

Letzten Donnerstag rief ihn dann die Pflegedienstleitung aus Weilheim an. „Kannst du am Freitag Nachtdienst machen?“ lautete die Frage. Am nächsten Abend trat Krahl seine erste von nun zunächst fünf Schichten an. „Es war super“, sagt Krahl. „Ich kann mein Wissen und meine Erfahrung voll einsetzen.“ Mit einer anderen Pflegekraft und einer Schülerin arbeitet er auf einer kleinen Station, die zur Intensivstation umgebaut wurde. Dort liegt auch ein Beatmungspatient mit Corona-Verdacht. „Ich habe schnell in die alte Routine zurückgefunden“, sagt Krahl. Ihm sei gleich wieder aufgefallen, was für ein positiver Team-Gedanke in der Pflege herrsche. „Das ist in der Politik ja nicht immer so. Da geht es oft mehr um Ellbogen und darum, wer den größeren Trumpf hat.“

Einsatz während Corona-Krise: Situation auf Intensivstation „am Limit, aber noch beherrschbar“

Circa von 21 Uhr bis 6.30 Uhr arbeitet Krahl nun jede Nacht. Die Stimmung in der Klinik sei noch immer gut, aber angespannt. „Alle fragen sich, wo die Reise hingeht.“ Die derzeitige Situation sei „am Limit, aber noch beherrschbar“ – jedenfalls wenn sie so bleibt. Seine Vermutung, dass es gerade an Personal mangelt, dass die auf einer Intensivstation benötigten Geräte bedienen kann, habe sich bestätigt. Und wie fast überall, gäbe es auch in Weilheim einen Mangel an Schutzkleidung. „Es fehlen vor allem Masken und Schutzkittel“, sagt Krahl. Desinfektionsmittel stelle die Hausapotheke der Klinik mittlerweile selber her.

Als Pfleger in Corona-Krise tätig: Politiker will Lohn spenden

Dass Pflegekräfte in Bayern nun einen Bonus von einmalig 500 Euro bekommen sollen, findet Krahl richtig. Das werde auch von seinen Kollegen in der Pflege „sehr positiv aufgenommen“. Der Grünen-Politiker betont aber, dass die Staatsregierung damit einer Forderung seiner Partei nachgekommen sei. Zudem müsse die Maßnahme ausgeweitet werden. Jeder der sich im Kampf gegen das Virus in Gefahr bringe, habe Anspruch auf einen solchen Bonus. „Also auch der Rettungsdienst und im Krankenhaus zum Beispiel auch Reinigungskräfte, Atemtherapeuten und Ärzte“, sagt Krahl.

Er selbst erhält für seine Einsätze eine Pauschale von 450 Euro. „Mir war aber vor allem wichtig, dass ich versichert bin“, sagt Krahl. Er denkt nun darüber nach, das Geld zu spenden. 

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