Prominenter Leerstand in Weilheims Mitte: Der ehemalige „Stöppel“ an der Ecke Pöltnerstraße/Kirchplatz. Das Traditionsgeschäft schloss Ende September 2020 seine Pforten, weil die Inhaber keinen Nachfolger finden konnten.
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Prominenter Leerstand in Weilheims Mitte: Der ehemalige „Stöppel“ an der Ecke Pöltnerstraße/Kirchplatz. Das Traditionsgeschäft schloss Ende September 2020 seine Pforten, weil die Inhaber keinen Nachfolger finden konnten.

Nach der Schließung des Traditionsgeschäfts

Das „Stöppel“-Haus in Weilheim als Kita?

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Es gibt Überlegungen, das leer stehende „Stöppel“-Gebäude am Weilheimer Kirchplatz für eine Kindertagesstätte zu nutzen. Der Träger „A:KitZ!“ wäre bereit, dort eine neue Einrichtung zu eröffnen – und zwar eine „Mini-Kita“. Ob es klappt, ist letztlich eine Frage des Geldes.

Weilheim – Eine Kita in der Einkaufsstraße, mitten in der Innenstadt: Was für größere Städte völlig normal ist, lässt in Weilheim noch aufhorchen – zumal es in diesem Fall um ein höchst markantes Gebäude geht, das zentraler kaum liegen könnte: um das Ladenlokal des im September 2020 geschlossenen Traditionsgeschäfts „Stöppel“, das seit einem halben Jahr leer steht. Der Münchner Träger „A:KitZ!“ könnte sich vorstellen, dort eine neue Kita einzurichten.

Die Idee sei im Gespräch mit der Stadtverwaltung entstanden, erklärte „A:KitZ!“-Geschäftsführer Markus Angerer auf Anfrage unserer Zeitung. Von sich aus suche man „nicht unbedingt“ nach einem weiteren Standort in Weilheim, so Angerer weiter. Doch das „Stöppel“-Gebäude läge für den Träger im wahrsten Sinne des Wortes nahe, betreibt dieser doch bereits 150 Meter weiter eine Einrichtung: Vergangenen Herbst hat „A:KitZ!“ in den ehemaligen Räumen der „Techniker Krankenkasse“ im zweiten Stock des Geschäftshauses Pöltnerstraße 25 eine Großtagespflege mit insgesamt 20 Plätzen in zwei Gruppen gestartet. Trotz der schwierigen Corona-Bedingungen habe sich die Arbeit dort „fantastisch“ eingespielt, sagt der Geschäftsführer und lobt explizit auch die Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Jugendamt. Der Standort in der Altstadt habe sich rundum bewährt.

Das „Stöppel“-Haus an der Ecke Pöltnerstraße/Kirchplatz wäre für den Träger „eine tolle Ergänzung“, man würde dort im Erdgeschoss eine so genannte Mini-Kita einrichten. Diese ganz neue Betreuungsform wird in Bayern zum Herbst regulär eingeführt, sie kann laut Staatsregierung „als flexibles Instrument zusätzlich entstehende Bedarfe abfedern“. In der Mini-Kita werden maximal zwölf Kinder gleichzeitig betreut. Das neue Weilheimer Projekt sei aber noch „sehr unsicher“, räumt Angerer ein, weil die Fläche im „Stöppel“-Gebäude etwas größer als nötig und deshalb teurer wäre: „Die Frage ist letztlich: Wie groß ist das Defizit?“ Dieses betrifft – wie bei sämtlichen Betreuungseinrichtungen – auch die Stadt.

Im Weilheimer Haushalt ist für die mögliche Mini-Kita bereits ein Investitionskostenzuschuss eingeplant

Im Haushalt 2021 hat Weilheims Stadtrat für die mögliche Mini-Kita einen Investitionskostenzuschuss in Höhe von 130000 Euro eingeplant; wobei es vom Land voraussichtlich 70000 Euro Förderung gäbe, wie es hieß. Investitionskosten sind freilich nur eine Seite der Medaille. Vor allem der laufende Betrieb der sich mehrenden Kitas ist für die Stadt eine Riesen-Herausforderung, wie Kämmerer Christoph Scharf in der heurigen Haushaltssitzung vorrechnete: Das Defizit für deren laufenden Betrieb stieg seit 2018 von 3,4 auf 5 Millionen Euro, also um 46 Prozent.

Wie stark sich der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen in der ganzen Region erhöht, zeigt das Beispiel „A:KitZ!“ (Abkürzung für „Aktion: Kinder tragen Zukunft!“) eindrücklich: Vor einem Jahr hatte dieser Träger acht Großtagespflege-Standorte in und um München sowie einen Waldkindergarten. Heute sind es laut Geschäftsführer Angerer bereits insgesamt 20 Einrichtungen: gut die Hälfte davon in München, ansonsten in den Landkreisen Starnberg und Fürstenfeldbruck –und eben in Weilheim.

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