Überraschungsständchen zum Einstand: Die Stadt- und Bergknappenkapelle spielte für Bürgermeister Stefan Korpan und den neuen Stadtrat.
+
Überraschungsständchen zum Einstand: Die Stadt- und Bergknappenkapelle spielte für Bürgermeister Stefan Korpan (links) und den neuen Stadtrat – coronabedingt erst im Vorfeld der Juli-Sitzung.

Interview mit Penzbergs Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) über seine ersten 100 Tage

„Das war schon ein emotionaler Moment“

  • vonWolfgang Schörner
    schließen

Penzberg – Seit 1. Mai 2020 ist Stefan Korpan (CSU) Bürgermeister in Penzberg. Am Samstag ist der 36-Jährige 100 Tage im Amt. Eine erste Zäsur. Redakteur Wolfgang Schörner sprach mit ihm, kurz vor seinem Urlaub, über Übung im neuen Amt, seinen Stil, 24-Stunden-Dienst und Prioritäten angesichts der vieler Baustellen in Penzberg.

Herr Korpan, üben Sie noch oder können Sie es schon?

(lacht) Beides. Ich würde es nicht üben nennen, sondern lernen. Man lernt in seinem ganzen Leben hinzu. Ich glaube: Auch in sechs Jahren, falls ich wiedergewählt werde, würde ich weiter neue Sachen hinzulernen.

Übungssache ist auch das Fass-Anzapfen. Da sind Sie nach der Volksfest-Absage herumgekommen.

Es ist schade, dass wir das Volksfest heuer absagen mussten. Ich selbst gehe gerne aufs Volksfest und bin überzeugt, dass es wieder eines geben wird. Aber, wie wir es im Stadtrat gesagt haben: Es ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt. Vielerorts werden die Maßnahmen gegen das Coronavirus wieder hochgefahren. Anfang September kommen viele Menschen aus dem Urlaub zurück, es ist Schulbeginn. Die Gefahr ist zu groß. Auch die Größenordnung, in der das Alternativ-Volksfest beantragt war, kann ich zu diesem Zeitpunkt nicht verantworten.

Sie sind jetzt seit 100 Tagen im Amt. Wie geht es Ihnen dabei?

Gut. In meinem vorherigen Beruf....

...als Polizeibeamter...

...hatte ich Schichtdienst, Wochenenddienst, Nachtschichten und Tagdienst – da hat sich jetzt der Rhythmus verändert.

Und jetzt haben Sie 24-Stunden-Dienst.

Es ist sehr zeit- und arbeitsintensiv. Aber 24 Stunden sind übertrieben. Auf jeden Fall ist es eine Umstellung. Aber es macht mir sehr viel Spaß.

Sie sind weniger präsent als ihre Vorgängerin und halten, wenn man sich die Stadtratssitzung ansieht, keine langen Reden. Absicht oder Unsicherheit?

Das ist Absicht. Als Chef der Verwaltung habe ich meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das sind Experten mit großem Fachwissen in ihrem Bereich. Wir sprechen uns im Vorfeld ab, wie wir als Verwaltung zu einem bestimmten Thema stehen, das dem Stadtrat zur Entscheidung vorgelegt wird. Natürlich bringe ich da meine Meinung ein. Aber im Stadtrat müssen die Abteilungsleiter, die das Projekt bearbeitet haben, das Ergebnis pr��sentieren. Das ist auch eine Frage von Wertschätzung.

Sie haben sehr viele Baustellen geerbt, zum Teil im übertragenen Sinn. Zum Beispiel Edeka-Areal, Hallenbad, die geplante Kindertagesstätte an der Nonnenwaldstraße, Layritzhalle, neue Wohnviertel an der Birkenstraße und am Daserweg. Wo liegen Ihre Prioritäten?

Die aktuelle Prioritätenliste (sie wurde vor Jahren von Stadtrat und Stadtverwaltung aufgestellt; Anm.d.Red.) ist sehr lang. Für mich ist sie viel zu umfangreich und daher auch als Handlungsleitlinie nur bedingt brauchbar. Ich denke, wir müssen erst einmal die begonnenen Projekte abarbeiten, um die Stadtverwaltung nicht zu überlasten. Auch aus den Fraktionen kommen viele Anträge, auch sehr gute. Aber für die Verwaltung bedeutet es viel Aufwand, alles abzuklären. Meine Priorität ist es also: erst die vorhandenen Projekte abarbeiten.

Welche?

Diejenigen, die Sie genannt haben. Dazu die ganzen Baustellen in der Innenstadt. Auch den neuen Flächennutzungsplan müssen wir angehen.

Das ist ja schon einmal eine riesige Menge.

Richtig. Das sind hauptsächlich Projekte, die schon auf dem Weg sind. Zum Beispiel Edeka. Ich bin glücklich, dass wir hier sehr schnell mit allen Beteiligten eine gute und konsensfähige Lösung gefunden haben.

Eine Lösung, die viele neue Wohnungen beinhaltet, womöglich rund 400.

Wenn drei neue Wohngebiete mit hunderten Wohnungen entstehen, heißt das, dass auch die Einwohnerzahl von Penzberg entsprechend ansteigen wird. Eine wichtige Aufgabe ist es deshalb, dass auch die Infrastruktur entsprechend mitwächst. An der Nonnenwaldstraße haben wir schon eine neue Kindertagesstätte auf den Weg gebracht. Wir werden uns aber auch Gedanken über eine Erweiterung der Grund- und Mittelschulen machen müssen, für die die Stadt zuständig ist. Verkehr, Arbeitsplätze, Freizeitangebote, Wohnen im Alter sowie der Einklang von Ökologie und Ökonomie sind weitere wichtige Themen in dem Zusammenhang

Gab es in den ersten 100 Tagen Momente, die Sie besonders bewegt haben?

Das war die konstituierende Stadtratssitzung. Wenn man mit der Amtskette vereidigt wird. Das ist schon ein emotionaler Moment.

Gehen Menschen mit Ihnen jetzt anders um?

Das nicht. Aber man steht öfter im Fokus, man wird häufiger gegrüßt, Bürger kommen auf einen zu...

...aber nicht unangenehm?

Nein. Da hat es in meinem vorherigen Beruf andere Situationen gegeben. So gesehen, ist es jetzt angenehmer.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schropp tritt aus AfD-Kreistagsfraktion aus - Imgart mit harscher Kritik
Schropp tritt aus AfD-Kreistagsfraktion aus - Imgart mit harscher Kritik
Bald Gebetsruf in bayerischer Kleinstadt? Imam äußert großen Wunsch - das sagen seine christlichen Kollegen
Bald Gebetsruf in bayerischer Kleinstadt? Imam äußert großen Wunsch - das sagen seine christlichen Kollegen
TSV Peißenberg fährt auf kurze Sicht
TSV Peißenberg fährt auf kurze Sicht
Weilheim: Saniertes Hallenbad vor Wiedereröffnung
Weilheim: Saniertes Hallenbad vor Wiedereröffnung

Kommentare