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Europameisterschaft: Penzberger Wolfgang Sacher radelt auf Platz fünf

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Von: Max Müller

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Paracycling-Europameisterschaft Wolfgang Sacher
Am Ende reichte es noch nicht für das Treppchen: Wolfgang Sacher schaffte es mit seinem Leihrad bei der Paracycling-Europameisterschaft auf den fünften Platz. © Werner Müller-Schell

Penzberg – Der Penzberger Wolfgang Sacher radelte bei den Paracycling-Europameisterschaften auf Platz fünf. Dem 55-Jährigen fehlten nicht mal dreißig Sekunden für einen Platz auf dem Treppchen.

Gerade einmal 24 Sekunden auf eine Distanz von 23 Kilometern – viel ist das im Radsport nicht. Dennoch macht das Spiel mit den Sekunden auch hier den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage aus. Für Wolfgang Sacher waren es genau jene 24 Sekunden, die ihm am Ende zum großen Coup fehlten: Bei den Europameisterschaften (Zeitfahren) im oberösterreichischen Lochen am See zeigte der ehemalige Goldmedaillengewinner der Paralympics von 2008, dass er auch mit 55 Jahren noch immer mit der internationalen Spitze mithalten kann.

Mit einer Fahrzeit von 32:43 Minuten belegte der Penzberger Rang fünf im Konzert der besten Behindertenradsportler Europas – und verpasste dabei den Bronze-Rang nur denkbar knapp. „Natürlich hatte ich ein bisschen gehofft, dass es sogar für eine Medaille reichen könnte. Aber wenn ich ehrlich bin, wäre das zu viel des Guten gewesen. Auf dieser Strecke und bei der starken Konkurrenz bin ich mit dem fünften Platz mehr als nur zufrieden“, zog Sacher dennoch ein positives Fazit über seine EM-Fahrt. Trotz zahlreicher Anstiege hatte er die 23 Kilometer lange Strecke mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 40 Kilometern pro Stunde bewältigt.

Viel Potential nach oben

Wie beachtenswert Sachers Leistung bei den Paracycling-Europameisterschaften war, zeigt der Vergleich mit den Medaillengewinnern: Sieger Ronan Grines aus Irland ist gerade einmal 33 Jahre alt, auch der Zweitplatzierte Louis Clincke (Belgien) und der Dritte Mickael Carlier (Frankreich) sind mit 35 bzw. 37 Jahren deutlich jünger als der Penzberger.

Hinzu kam, dass die bergige und zugleich verwinkelte Zeitfahrstrecke in Lochen am See nicht gerade Sachers Fähigkeiten entgegenkam: Als Sportler mit nur einem Arm kann Sacher im Sattel nicht aufstehen und muss daher alle Herausforderungen im Sitzen bewältigen. „In den Kurven und bergauf verliere ich dann immer Zeit. In den Abfahrten waren wir über 70 Kilometer pro Stunde schnell – mit einem Arm muss man dann erst einmal auf eine Spitzkehre sicher anbremsen“, erklärt er.

Es kommt daher nicht von ungefähr, dass selbst Bundestrainer Alexander Bauer Sacher nach dem Rennen zu seiner Leistung gratulierte – auch, weil Sacher nach seiner fast zehnjährigen Auszeit vom Radsport nun erneut um die Aufnahme in die deutsche Nationalmannschaft kämpft. „Es war ganz wichtig, in die Reichweite des Podests und damit der Medaillen zu fahren. Derzeit trainiere ich ohne professionellen Trainer, zudem bestreite ich die Rennen mit dem Leihrad eines Bekannten – es gibt also noch viel Potenzial nach oben.

Auch aus dieser Perspektive sind die 24 Sekunden auf Bronze gar nicht viel. Und der Bundestrainer hat das natürlich registriert“, freut sich Sacher, der bei der EM zum ersten Mal seit den Paralympics 2012 offiziell ein Rennen für die deutsche Nationalmannschaft bestritt. Mit dem fünften Platz dürfte er sich für weitere Einsätze empfohlen haben.

Mit Elan zur Deutschen Meisterschaft

Ein weiterer Schritt hierzu fand bereits vergangenes Wochenende in Köln statt mit der deutschen Meisterschaft . Am Samstag, 4. Juni, wurde das Zeitfahren über 22 Kilometer und am Sonntag, 5. Juni, das Straßenrennen über 49 Kilometer ausgeradelt. „Beide Rennen werden auf einem relativ flachen Kurs ausgetragen. Die Strecke wird also einfacher sein als bei der EM in Österreich – das sollte mir entgegenkommen“, meint er und fährt fort: „Bei den deutschen Meisterschaften wird sich sicherlich auch entscheiden, wem der Bundestrainer für zukünftige Einsätze in der Nationalmannschaft eine Tür aufmacht“, sagt Sacher. Sein Ziel für die nationalen Titelkämpfe ist in jedem Fall klar: Dieses Mal will er das Spiel um die Sekunden für sich entscheiden – und am Ende auf dem Podium landen. Werner Müller-Schell

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