1. Startseite
  2. Lokales
  3. Weilheim
  4. DasGelbeBlatt

Habach: Firma will Gülle zu Dünger aufarbeiten und Millionen investieren

Erstellt:

Von: Andreas Baar

Kommentare

habach-c-resource-gewerbegebiet
Pläne für Habach: So sollen die holzverkleideten Produktionshallen samt Logistikgebäude aussehen. © Grafik Jocher

Habach – In Habach will eine Firma 75 Millionen Euro investieren: Sie plant eine Produktion für Humus-Kohlenstoff-Dünger für die Landwirtschaft.

Das Habacher Gewerbegebiet „Mühltal“ brummt. Die gute Verkehrsanbindung mit der B472 und der nahen Autobahn A95 locken. Nun ist eine Erweiterung angedacht. Die westlich gelegene Kiesgrube soll per Bebauungsplan in eine Gewerbefläche umgewandelt werden – um Platz zu schaffen für ein besonderes Projekt. Ansiedeln möchte sich die Firma C-Resource. Das Unternehmen aus Issum am Niederrhein will in Habach mit einem speziellen Verfahren aus Gülle Dünger herstellen.
Bauherr und Investor wäre die eigens gegründete Betriebsgesellschaft C-Resource Jaudenmühle in Habach. Diese würde eine circa 28.800 Quadratmeter großes Privatgelände pachten, wie Projektentwickler Stephan Jocher aus Penzberg am Donnerstag (30. Juni) im Gemeinderat erläuterte. Gebaut werden sollen drei Produktionshallen mit rund 15.000 Quadratmetern sowie ein Verwaltungs-, Labor- und Werkstattgebäude mit etwa 1000 Quadratmetern.

habach-c-resource-gewerbegebiet
Setzen auf ein innovative Produktionsverfahren: Alois Philipp (l.) von der Betreibergesellschaft und Planer Stephan Jocher. © Andreas Baar

Gülle bei Landwirten filtern

Die Idee: Gülle, die bei Landwirten anfällt, wird direkt am Hof durch ein Filtersystem in Wasser und Feststoffe/Nährstoffe getrennt. Das Wasser bleibt beim Bauern, der Filtercontainer wird in Habach aufbereitet und die Nährstoffe zu Dünger verarbeitet. „Das ist keine neue Technik, sie funktioniert“, so C-Resource-Vertreter Alois Philipp. Man vergrößere lediglich die Dimension der Anlage, ergänzte er.

habach-c-resource-gewerbegebiet
Wo jetzt noch eine Kiesgrube nördlich der B472-Anschlusstelle in das Habacher Gewerbgebiet ist (graue Fläche Bildmitte) soll die Produktionsstätte hinkommen. © Grafik Jocher

60.000 Tonnen Dünger jährlich

Wie Philipp auf Nachfrage sagte, liegt das Investitionsvolumen bei rund 75 Millionen Euro. Allein 50 bis 55 Millionen Euro sind für die zentrale Anlage in Habach angesetzt, der Rest würde sich auf die Einrichtungen bei den Landwirten verteilen. Bis zu 35 Arbeitsplätze seien vorgesehen. Die Produktionsstätte könnte bis Ende 2023 fertiggestellt sein, die ersten Produkte 2024 auf den Markt kommen. Die Bauherren kalkulieren mit 60.000 Tonnen Dünger jährlich und einem Jahresumsatz von 21 Millionen Euro. Zudem können die Überproduktion von Strom und Wärme der Gemeinde zur Verfügung gestellt werden, warb Philipp.

Bebauungsplan ist nötig

Das Unternehmen braucht die Kommune und den Gemeinderat für ihr Vorhaben. Denn für den Standort muss ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Und im Lokalparlament gab es bei der Präsentation durchaus kritische Stimmen. „Die Begeisterung hält sich in Grenzen“, hatte zuvor Habachs Bürgermeister Michael Strobl gegenüber der Rundschau gesagt. Skeptisch betrachtet werden vor allem die Dimensionen und Höhen der geplanten Hallen und des Geländes. Das Bauvolumen liegt derzeit bei geplanten 170.000 Kubikmetern.

Dritter Anlauf für Standort

Die Pläne für Habach sind nicht neu, war von Alois Philipp von C-Resource Jaudenmühle zu hören. Das Thema beschäftigt den Gemeinderat seit rund anderthalb Jahren. Anfragen nach einem Standort in der Jaudenmühle beziehungsweise im Gewerbegebiet selbst wurden von der Regierung von Oberbayern beziehungsweise dem Gemeinderat abgelehnt. Jetzt soll es über die Kiesgrube realisiert werden, die privat gepachtet werden soll – per Bebauungsplan in eine Gewerbefläche umgewandelt.

Steuereinnahmen und Arbeitsplätze

Anteilseigner Philipp warb mit einem Projekt, „dass aus der Region und für die Region ist“. Die Landwirte hätten weniger Aufwand mit der Gülle, die Gemeinde Gewerbesteuereinnahmen und Arbeitsplätze würden auch entstehen. Werbung tut auch Not, wie angesichts der Stimmungslage im Gremium herauszuhören war. Angesichts der Tatsache, dass seit fast zwei Jahren an dem Projekt gearbeitet wird, zeigte sich mancher Gemeinderat skeptisch. Josef Spensberger möchte sich just jetzt nicht unter Druck setzen lassen, schließlich hätten die Initiatoren Zeit „vertrödelt“. Zweiter Bürgermeister Georg Hoiß jun. sah deshalb einen Vertrauensverlust. Vorwürfe, gegen die sich Mitinvestor Philipp wehrte – schließlich seien die eingereichten Standortvorschläge abgelehnt worden und man habe umplanen müssen.

habach-c-resource-gewerbegebiet
So könnte der Standort zwischen Gewerbegebiet und Habach aussehen – gesehen von der Straße nach Antdorf aus. © Grafik Jocher
habach-c-resource-gewerbegebiet
Hinter der Anhöhe befindet sich derzeit eine Kiesgrube. Später soll dort auch die Entlastungsstraße verlaufen. © Andreas Baar

Kritik an Hallenhöhe

Kritisch wird auch die Optik der Hallen gesehen. Es falle negativ auf, sagte Bürgermeister Strobl, „dass die Höhe überhaupt nicht passt“. Strobl: „Das ist sehr massiv.“ Laut Jocher sind zehn Meter Höhe vorgesehen. „Die Dimension ist nicht sonderlich klein“, räumte der Projektentwickler ein. Allerdings sollen es keine „banalen Stahlhallen werden“, auch könne man das Gelände niedriger gestalten. Nicht gleich die Tür zuschlagen will dagegen Michael Leiß jun.: Jetzt „ist ein richtiges Konzept da“, sagte er. „Wir können uns Gedanken machen.“

Nun Gespräche mit Behörden

Einen Beschluss gab es nicht. Es brauche einen „gewissen Reifeprozess“ im Gemeinderat, machte Rathauschef Strobl deutlich. Als nächsten Schritt will Planer Jocher Termine mit Bezirksregierung und Landratsamt ausmachen – um auszuloten, ob das Vorhaben überhaupt Chancen auf grünes Licht hat. Mit dem Ergebnis soll es wieder in den Gemeinderat gehen. Das Gremium muss über die Aufstellung eines Bebauungsplans entscheiden.

Auch interessant

Kommentare