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In Penzberg und Umgebung wurden am Sonntag Maibäume aufgestellt

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Von: Andreas Baar

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Maibaum penzberg aufstellen stadthalle
Muskelkraft gefragt: Vor der Penzberger Stadthalle wird der 34 Meter lange Maibaum aufgestellt. © Andreas Baar

Region – Der vergangene Sonntag stand ganz im Zeichen der Maibäume. Auch in Penzberg und Umgebung wurde das Brauchtum – nach Corona-Pause – endlich wieder gefeiert.

Wie sehr die Menschen nach der Tradition lechzten war zum Beispiel in Penzberg zu sehen: Rund 1000 Zuschauer wurden von den Verantwortlichen auf dem Platz vor der Stadthalle gezählt, als es an das Aufstellen des 34 Meter langen Maibaums ging. Unter der Aufsicht von Maibaummeister Hardi Lenk („Das haben wir gut hingebracht“) wurde der weiß-blau gestrichene und mit Girlanden geschmückte Baum in rund 2,5 Stunden in die Senkrechte gebracht – selbstverständlich in Handarbeit. Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) würdigte den Maibaum als Symbol „für Zusammenhalt“.

Auch in den umliegenden Dörfern wurden die Maibäume aufgestellt. In Sindelsdorf blickt man stolz auf ein 43 Meter-Exemplar. Während andernorts das gute Stück Tag und Nacht vor Dieben bewacht wurde, war es in Antdorf, Habach und Iffeldorf ganz traditionell erst in der Nacht geschlagen worden. Auf die Technik musste in Schlehdorf-Unterau zurückgegriffen werden: Weil in angespannten Pandemie-Zeiten dort nicht genug Helfer waren, rückte ein Kran zum Aufstellen an. In Bad Heilbrunn-Ramsau endete eine 70-jährige Brauchtums-Pause. Und gleich zwei Maibäume zieren nun die Gemeinde Kochel – im Hauptort und in Ried. Hinzu kommen Bäume in Großweil und Schlehdorf. ab

34 Meter in Penzberg

Nach knapp 2,5 Stunden war es am vergangenen Sonntag geschafft: Der neue Penzberger Maibaum Stand vor der Stadthalle. Beklatscht von um die 1000 Zuschauern, die rund um den Michael-Pfalzgraf-Platz das Brauchtum bei Schmankerln und Musik genossen.

Diesmal hatten die Penzberger gut aufgepasst. Nicht, dass wie 2017 der Maibaum (damals von den Antdorfern) des Nachts geraubt wird. Der 34 Meter lange Stamm, gestiftet von der Familie Zach aus Schwaig, wurde deshalb unter strengen Sicherheitsvorkehrungen im Bauhof gelagert. Extra zugestellt mit Fahrzeugen, bewacht vom Nachwuchs der Jungritter. Alles mit Erfolg. Am Sonntag konnte das gute Stück aus der Halle gerollt und im Festzug über die Bahnhofstraße zur Stadthalle geleitet werden. Begleitet von der Stadt- und Bergknappenkapelle und vielen Vereinen. Zuvor hatte sich der Bauhof schon um 6 Uhr in der Früh um die Verkehrstechnik gekümmert.

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Zeichen für Zusammenhalt: An den hölzernen Schwalben wird beim Aufstellen tatkräftig angepackt. © Andreas Baar

Vor der Stadthalle lag die Verantwortung bei Maibaummeister Hardi Lenk. Der Zimmerer ist eine echter Experte. Es sei sein 40. Baum, schmunzelt er. Von Nervosität also keine Spur. Was wichtig ist beim Aufstellen? „Das nix passiert“, lautet die lapidare Antwort. Schon um 12 Uhr hat sich das Areal gut gefüllt. Bei Schmankerln und Getränken wird der Dinge geharrt. Glücklich, dass es endlich wieder das Brauchtum gibt: Das ist in vielen Gesichtern zu sehen. Auch beim Bürgermeister. „Heute ist es endlich soweit“, sagt Stefan Korpan (CSU) in seiner Ansprache. Der Maibaum sei „ein selbstbewusstes Zeichen“ für die Verbundenheit mit der Stadt Penzberg, würdigt Korpan das Engagement, vor allem der Jungritter. Der Maibaum ist Tradition“, bekräftigt das Stadtoberhaupt – und sei ein Symbol für Zusammenhalt.

Vor dem Aufstellen erhält der 34-Meter-Stamm, weiß-blau gestrichen und von den Jungritter-Frauen geschmückt, den Segen. „Der Maibaum ist ein Zeichen, wo viele Menschen sich versammeln“, sagt der katholische Pfarrer Bernhard Holz. Der Baum sei eine Mitte, so der Geistliche. „Die Mitte macht vieles gleich und bewahrt die Unterschiede.“ Das verwurzelte Bodenständige hebt die evangelische Pfarrerin Sandra Gassert hervor. „Im Maibaum kannst Du Himmel und Ewigkeit fest verbunden sehen.“

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Von der Waagerechten in die Senkrechte. © Andreas Baar

Dann wird es ernst. „Jetza“, ruft Hardi Lenk seinen Mitstreitern zu. Um 14.27 Uhr brandet Applaus auf, als sich der fast aufrechte Stamm in die blaue Metallschiene schiebt. Die ersten Schrauben werden angezogen. Um 14.48 Uhr ist es soweit: Penzberg neuer Maibaum steht. Beifall erklingt, die Stadtkapelle unter Simon Zehentbauer spielt auf. Noch die Bayernfahne ordentlich hochziehen und es kann gefeiert werden. Maibaummeister Lenk ist zufrieden: „Das haben wir gut hingebracht.“ Was auch der Bürgermeister so sieht. „Das ist das, was uns abgegangen ist die letzten Jahre“, sagt Korpan. Pures Glück eben. ab

Fast 39 Meter in Benediktbeuern

Der Benediktbeurer Maibaum ist 38,70 Meter hoch und wurde von der Waldgaststätte zum Schreiner gestiftet. Er steht in der Ortsmitte, direkt neben dem Gasthof zur Post und hat ein Volumen von 5,1 Kubikmetern. ps

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Tatkräftiger Einsatz in Benediktbeuern. © Patrick Staar

Insgesamt 86,5 Meter an Maibaum in Kochel

Neben dem Bahnhofsgelände steht der Kochler Maibaum, den die Maiburschen aufgestellt haben. Er ist 41 Meter hoch und hat ein Volumen von fünf Kubikmetern. 100 Freiwillige halfen dabei, im Ortsteil Ried den 45,50 Meter hohen Maibaum aufzustellen. Gestiftet hat den Baum, der es auf ein Volumen von sechs Kubikmetern bringt, Matthias Reiser. ps

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Maßarbeit in Kochel. © Patrick Staar

70 Helfer in Bichl

Ein riesiges Ereignis war in Bichl das Aufstellen des Maibaums. Dabei halfen 70 Freiwillige, rund 60 Frauen kümmerten sich um die Bewirtung im benachbarten Festzelt. Der Baum ist 40,40 Meter hoch und hat ein Volumen von 6,2 Kubikmetern. Stifter ist Hans Sonner. ps

Maibaum Bichl aufstellen
Logenplatz am Dorfplatz in Bichl. © Patrick Staar

35 Meter in Bad Heilbrunn

Nach immerhin 70 Jahren Pause steht nun wieder ein Maibaum im Bad Heilbrunner Ortsteil Ramsau. Das aufgestellte Exemplar ist 35 Meter hoch und bringt es auf ein Volumen von 3,1 Kubikmetern. 40 Maiburschen halfen am vergangenen Sonntag beim Aufstellen. Stifter ist Beppo Birzele, Inhaber des dortigen Gasthofs Ramsau. ps

Maibaum Bad Heilbrunn Ramsau aufstellen
Die Maiburschen packen im Bad Heilbrunner Ortsteil Ramsau an. © Patrick Staar

Habach: Maibaum vom Kneissl Ignaz

In Habach wurde der neue Maibaum im Morgengrauen um 5 Uhr geschlagen und dann zum Aufstellungsort am Rathaus transportiert. Nach dem Bearbeiten und Herrichten durch die Maibaumburschen begann die Aufstellung um 13 Uhr. Der Baum hat eine Länge von 42 Metern und wurde von Ignaz Kneissl (Jaudenmühle) gestiftet. as

Habach Maibaum aufstellen
42 Meter Tradition in Habach. © Andreas Sauer

39 Meter in Antdorf

39 Meter misst der diesjährige Maibaum in Antdorf, gestiftet von „Zanggl“ Martin Schweiger. Der Sprecher des Maibaum-Vereins, Andreas Fichtner, dankte dem Spender.

Die Kaltblutstuten Stella und Kira mit Alexander Rummelsberger aus Ohlstadt zogen das gewaltige Stück durch den Ort. Die Burschen und ihre Helfer hatten Arbeit, ihn den Baum um die engen Kurven zum Kirchplatz hoch zu hieven. Ab 0.01 Uhr in der Freinacht hatten 44 junge Männer im Wald gearbeitet und beim Eintreffen um 8 Uhr am Ortsrand war schon fast das ganze Dorf auf den Beinen. Ab 9 Uhr am Kirchplatz scheppsten fleißige Burschen den Stamm, die Mädel hatten die Girlande aus den Daxen gebunden. Nach der Segnung durch Pater Nicolaj begann das Aufstellen. Um 15.30 Uhr stand der Maibaum. Die Madel verkauften Würstl und selbstgebackene Kuchen zum Kaffee.

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Auch in Antdorf wurde gefeiert. © Friederike Wolfermann

Und am kommenden Sonntag, 8. Mai, geht es dann auf der Wiese vor dem Gasthof Petermichel zum Mailauf. fw

Fahne und Bayernhymne in Seeshaupt

Der 30 Meter hohe Maibaum in Seeshaupt war bereits eine Woche vor Ort. Dafür wurde der Baum am See eine Woche lang Tag und Nacht erfolgreich bewacht und konnte, trotz einiger Versuche, nicht gestohlen werden.

Gespendet wurde das gute Stück von Prinz Emmeram von und zu Liechtenstein. Der Schützenverein mit seiner diesjährigen Königin Iris Schessl an der Spitze zog so ohne Baum, aber mit der Fahne, hinter der Seeshaupter Musikkapelle vom alten Marktplatz bei der Seeresidenz zur Wiese neben dem Feuerwehrhaus. Dort hisste Gregor Schessl zur Bayernhymne die Fahne am Maibaum.

Maibaum aufstellen Seeshaupt
Die Fahne ist fast oben. © Friederike Wolfermann

Bürgermeister Fritz Egold hatte sich zu seiner ersten Maibaum-Rede eigens Reime einfallen lassen – und stellte fest, dass der Baum hoffentlich vier Jahre genauso steht wie seine aktuelle Amtsperiode als Rathauschef noch andauert. Zwölf Paare fanden sich zum Mailauf ein. Für das leiblich Wohl der Besucher war gesorgt, der Grill glühte und am Kuchenbuffet standen viele selbstgebackene Torten und Kuchen zur Auswahl. fw

43 Meter in Sindelsdorf

Ein rank gewachsener Stamm lag da vor dem Gasthof zu Post. Der Kranz samt blau-weißer Bändchen umsäumte die Spitze, auf der ein Hahn saß. Wer den Stamm – 43 Meter, von Hand geschlagen – abschritt, dessen Blick wurde unweigerlich auf eine dunkle metallene Fassung gelenkt. In keine Grube sollte der Sindelsdorfer Maibaum hineingehoben werden, man blieb ebenerdig. Jedoch musste der Baum präzise genau in ebendiese Fassung gebracht werden. Und dafür brauchte es reichlich Kraft – und ein gutes Auge am Ende des Stammes. Gestiftet wurde der Maibaum von Hans-Georg und Gabi Off aus Füllersried, gefällt worden war das gute Stück am Kiniberg. Ehe es für den Stamm zurück aus der Waagrechten in die Vertikale ging, segnete Pfarrer Nikolaj Dorner noch den Stamm. An der Kirchenmauer leuchteten derweil die neuen Zunftschilder.

Sindelsdorf maibaum aufstellen
Voller Einsatz in Sindelsdorf. © Antonia Reindl

Der Beginn des Aufstellens, das der Trachtenverein organisiert hatte, für das aber alle Sindelsdorfer Männer die Ärmel hochkrempeln durften, war noch in Weihrauch gehüllt. Der würzige, balsamische Nebel lichtete sich aber rasch. Für den Stamm ging es mit viel Manneskraft und auf mehreren Schwalben gestützt in die Senkrechte. ra

Iffeldorfer Ortstdurchfahrt gesperrt

So mancher Besucher der Osterseen wunderte sich über die gesperrte Ortsdurchfahrt von Iffeldorf und musste einen Umweg in Kauf nehmen. Aber ein Maibaum aufgestellt wird nur alle paar Jahre – und das 34 Meter lange Exemplar aus dem Wald vom „Ponholzer“, der Familie Wörrle, musste ja transportiert, hergerichtet und schließlich aufgestellt werden.

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Da muss er stehen, der Maibaum. © Friederike Wolfermann

Seit Mitternacht hatten die Burschen zuerst im Wald gearbeitet, den Baum dann mit den Rössern der Berchtholds aus Seeshaupt in den Ort gebracht, wo schon erstaunlich viele Iffeldorfer die Aktiven zumindest stimmlich unterstützten. Als der gescheppste, gewaschene und geschmückte Baum schließlich am St. Vitus-Platz stand, gab es kräftigen Beifall und die Burschen konnten nach getaner Arbeit zum gemütlichen Teil des Fests übergehen. Eine reiche Auswahl an Getränken, Gegrilltem und selbstgebackenem Kuchen sorgte dafür, dass auch der Magen nicht zu kurz kam. fw

40,5 Meter in Großweil

Wie in Sindelsdorf, anders als bei den Nachbarn in Unterau wurde der Großweiler Maibaum am Sonntag händisch aufgerichtet. Damit der Stamm aber auch in die Grube rutschte, brauche es ein paar Griffe zu Schmiermittel – an mangelnder Kraft dürfte es jedoch nicht gelegen haben, denn zahlreiche Männer hievten mit Schwalben den 40,5 Meter langen Stamm nach oben, was ein paar Stunden bis in den Mittag hinein beanspruchte. Da waren die Hände oftmals nicht frei für eine Maß Bier, sodass der Boden zeitweise als Tresen herhalten durfte.

Rund eine Stunde nach offiziellem Beginn waren die Männer am Gasthof zur Loisach schon am Stemmen, ab und an mussten Korrekturen durchgeführt werden. Etwa, als sich der Stamm zunächst immer wieder drehte. Gestiftet wurde der Baum von einem Landwirt aus dem Dorf, wie Hannes Talke, Vorsitzender der Maibaumburschen und Madln Großweil, verriet.

Maibaum Großweil aufstellen
Muskelkraft war beim Aufstellen in Großweil gefragt. © Antonia Reindl

Traditionell geschmückt mit Kranz und Bändern, ein Hahn ganz oben, zeichnet den Großweiler Maibaum noch eine weitere Zierde aus: mehrere Kruzifixe sind in den Stamm hineingeschnitzt. Geschlagen wurde der Baum frisch am Abend zuvor und mit Trommlerzug und Musikkapelle ins Dorfzentrum gebracht. Am Sonntagabend wurde schließlich noch die Fahne aufgezogen, ehe man zum Abschluss in den Mai hineintanzte. ra

Schlehdorf: Stamm mit mehr als vier Kubikmetern

Sonntag kurz nach neun Uhr in Schlehdorf-Unterau. Der frisch geschälte Stamm leuchtete in der trüben Morgenstunde auf dem Platz am Brückenwirt. Gerade befestigte man den Kranz an der Spitze, kurz darauf wurden die blau-weißen Bändchen von Kindern und Jugendlichen in die grünen Nadeln gebunden. Holzspäne füllten noch die befestigte Grube, in welcher der Maibaum stecken sollte. Doch sogleich wurde die Grube leergeschaufelt. 39,80 Meter Länge und über vier Kubikmeter Volumen misst der Stamm, der erst am Tag zuvor aus dem Wald geholt worden war – wenig Zeit und Gelegenheit, gestohlen zu werden, lediglich eine Nacht war Wache angesagt.

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39,80 Meter lang: Der Maibaum in Unterau. © Antonia Reindl

Gestiftet worden sei der Baum vom örtlichen Kloster Schlehdorf, von den Klosterschwestern, sagte Rathauschef Stefan Jocher. Aufgestellt wurde der Stamm vom Verein „D’Jungen Unterauer“. Schwalben, die unterschiedlich langen Stangen, mit denen der Stamm nach und nach in die Senkrechte und in die Grube befördert wird, waren an diesem Morgen aber nicht zu sehen. „Wegen Corona“, meinte Jocher, habe man weniger Helfer, manche seien aus Vorsicht zuhause geblieben, andere aufgrund einer Infektion. Und so wurde der Maibaum nicht händisch und mit Muskelkraft, wie es im Klosterort eigentlich Brauch ist, sondern mit einem Kran in den Stand gebracht. Gegen 10.30 Uhr stand der Maibaum damit schon, musste dann aber noch fest verankert werden. ra

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