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So sieht der Entwurf für das neue LEAP-Gebäude im Roche-Werk in Penzberg aus.

Forschung wird gebündelt

Roche in Penzberg: Für Neubau im Nonnenwald müssen Parkplätze weichen

  • Andreas Baar
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Penzberg - Der Healthcare-Konzern Roche baut seinen Penzberger Standort aus: Ein neues Forschungsgebäude wird gebaut. Allerdings fallen dafür Parkplätze weg.

Es war ein großes Paket, dass am 4. Mai 2020 von Vertretern des Roche-Konzerns, beim Besuch von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Penzberger Werk genannt wurde: Roche investiere insgesamt rund 420 Millionen Euro in Penzberg, hieß es damals. Darunter 170 Millionen Euro für den Ausbau biochemischer Produktionsanlagen und 250 Millionen Euro über vier Jahre für die Errichtung eines neuen Forschungs- und Entwicklungshubs für diagnostische Tests. Teil davon ist ein neues Diagnostik-Forschungsgebäude: Das Laboratory Excellence Accelerator Penzberg (LEAP) soll auf einem Areal des jetzt noch vorhandenen Großparkplatzes entstehen. Noch gibt es öffentlich allerdings keine konkrete Bauzeichnung. Man sei, was Größe und Optik des neuen Gebäudes angeht, in der Planungsphase, heißt es von Roche-Sprecherin Simone Hausladen. Nach derzeitigem Stand sollen Arbeitsplätze für etwa 830 Mitarbeiter, davon etwa zwei Drittel im Labor, entstehen.

Standort Penzberg von oben: Roche ist mit 6800 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber im Oberland.

Der Konzern will mit dem Bau im Nonnenwald seine Infrastruktur verbessern. Momentan ist die Diagnostik-Forschung über den gesamten Standort in mehreren Gebäuden verteilt. Zudem gibt es eine Arbeitsgruppe in München, die dann zurückkommen soll. Das neue Gebäude bietet laut Hausladen die Möglichkeit, etwa 60 Prozent aller Forscher in der Diagnostik in einem Gebäude zusammenzufassen. Es werde „damit der Grundstein gelegt“, um alle Mitarbeiter der Diagnostik-Forschung im Süden des Werksgeländes in wenigen Gebäuden zu konzentrieren, so die Sprecherin. Großer Vorteil: Mit den Umzügen werden neue Räume und Flächen im eh beengten Werksgelände frei.

Spatenstich noch heuer geplant

Was sich der Konzern seinen Neubau kosten lässt, ist noch nicht spruchreif. Man sei in „der Varianten-Entscheidung“ und könne deshalb keine konkreten Investitionssummen nennen, heißt es auf Rundschau-Nachfrage. Auch ein Datum für den Baubeginn kann das Unternehmen nicht nennen. „Wir hoffen jedoch, dass der Spatenstich, sofern die Witterung es zulässt, noch im vierten Quartal 2021 stattfinden kann. Die Fertigstellung ist aktuell für 2024 geplant“, so die Sprecherin auf Anfrage. Neben dem LEAP-Neubau investiert der Konzern kräftig in ein bestehendes Produktionsgebäude: 65 Millionen Euro werden in die Forschung und Entwicklung von Therapien, die am Genom ansetzen, investiert. Zudem wird für 55 Millionen Euro am Standort die Produktionskapazität für diagnostische Enzyme ausgebaut.

Bauausschuss segnet Baugrube ab

Der Bauausschuss stimmte einem ersten Bauantrag schon mal zu: Einstimmig wurde die Teilbaugenehmigung für eine Baugrube erteilt. Im Bauausschuss gab es keine großen Nachfragen. Auch keinen Widerspruch. Einstimmig und ohne Diskussion wurde der „Bauantrag zur Teilgenehmigung (Baugrube)“ auf einem Flurstück im Nonnenwald durchgewunken. Anders als bei der angestrebten Erweiterung des Roche-Bebauungsplans im Norden des Werksgeländes ging es diesmal unkompliziert zu. Dass sich Roche erst die Baugrube genehmigen lässt, ist bei solch großen Vorhaben durchaus ein normales Vorgehen, erklärte Stadtbaumeister Justus Klement den Ausschussmitgliedern. Sobald die Entscheidungen über Gebäudetyp und Größe gefallen sind, müssen erstmal intern die Schritte für die Genehmigungsplanung erarbeitet werden, heißt es auf Rundschau-Nachfrage beim Konzern. „Um diese Zeit nicht für den eigentlichen Bau ungenutzt verstreichen zu lassen, wurde bereits jetzt der Antrag für die Baugrube eingereicht, damit möglichst noch im Herbst die Baustelle eingerichtet und mit dem Aushub begonnen werden kann“, so Sprecherin Hausladen.

Claus Haberda: Der Roche-Geschäftsführer kündigt Millionen-Investition in Penzberg an.

Für die öffentliche Ausschusssitzung gab es lediglich eine Entwurfsgrafik. Das fünfstöckige Gebäude stehe „im Geist des dort vorhandenen Unternehmens“, erklärte der Stadtbaumeister. Klement sprach von einem rechtskräftigem Baufeld, dass als Standort vorgesehen ist. Ausgleichsflächen und Feuerwehr-Umfahrten würden erst Thema, wenn der eigentliche Bauantrag vorliegt, so der Bauamtschef. Zufrieden zeigte sich Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) von den Roche-Plänen. Es gehe um die Zusammenlegung von verschiedenen Arbeitsbereichen in einem Gebäude, sagte er. Laut Korpan sollen rund 130 neue Arbeitsplätze geschaffen werden, letztendlich bis zu 830 Menschen in dem Neubau arbeiten können.

Starke erste Halbzeit

Der Schweizer Roche-Konzern verzeichnete nach eigener Aussage einen guten Start in das Geschäftsjahr. Man blickt auf „ein erfolgreiches erstes Halbjahr 2021 mit starkem Wachstum“ , heißt es aus Basel. Der Gesamtumsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um acht Prozent auf 30,7 Milliarden Franken (rund 29 Milliarden Euro). Unterm Strich blieb ein Konzerngewinn von 8,2 Milliarden Franken übrig, was drei Prozent weniger als im Halbjahr 2020 ist.
Die Pharmasparte verzeichnet 2021 im selben Zeitraum zwar einen Rückgang der Verkäufe um drei Prozent. Doch sei das Ergebnis im ersten Quartal noch durch einen Rückgang von neun Prozent gekennzeichnet gewesen, dagegen habe man den Umsatz im zweiten Quartal dank neuer Medikamente um vier Prozent gesteigert. Die Division Diagnostics habe im ersten Halbjahr mit 51 Prozent ein „außergewöhnlich starkes Wachstum“ gezeigt. Die Sparte wurde durch COVID-19-Produkte und Testmitteln in der Routinediagnostik befeuert.
Allerdings: „Die Pandemie bestimmt aktuell immer noch unser Handeln an den Standorten Mannheim und Penzberg“, macht der ehemalige Penzberger Werkleiter Claus Haberda, mittlerweile Geschäftsführer und Leiter Finanzen der Roche Diagnostics, deutlich. „Jedoch ist es für uns unerlässlich, den Blick jederzeit auch in die Zukunft zu richten“, erklärt Haberda. Man freue sich deshalb, dass Roche in Mannheim und vor allem in Penzberg „wichtige strategische Investitionen realisieren will“, so der Finanzchef. „Das ist ein sehr großer Vertrauensbeweis des Konzerns in den Standort Deutschland.“
Allein im Nonnenwald wird Roche laut Haberda 65 Millionen Euro in die Forschung und Entwicklung von Genom-Therapien investieren. Daraus könnten sich viele Chancen unter anderem bei seltenen Krankheiten oder Augenheilkunde eröffnen. Zudem steige die Nachfrage nach Diagnostika weltweit, deshalb wolle man in Penzberg die Produktionskapazität für diagnostische Enzyme ausbauen. Der Konzern investiert dafür 55 Millionen Euro. Die Mitarbeiterzahl wird sich nach Konzernangaben durch die beiden Projekte jedoch zunächst nicht erhöhen. Zum 31. Dezember 2020 wurden in Penzberg 6800 Beschäftigte, darunter 278 Azubis gezählt.

Für den Neubau (rot umrandet) fallen rund 400 Parkplätze weg.

Durch das LEAP-Gebäude fallen allerdings auf dem werkseigenen Großparkplatz circa 400 Stellplätze weg. Ein Verlust, der im Sinne des Unternehmens ist. Denn bei Roche setzt man seit einiger Zeit darauf, den Pendlerverkehr zu reduzieren. Ersatz für diese 400 Parkplätze soll nicht geschaffen werden. „Im Sinne unserer nachhaltigen Mobilitätsstrategie am Standort Penzberg wird der Bau eines weiteren Parkhauses jedoch nicht nötig sein“, teilt Konzernsprecherin Simone Hausladen der Rundschau mit. Man setze vielmehr auf ein nachhaltiges Mobilitätsmanagement: Den Mitarbeitern würden „zahlreiche Alternativen“ geboten, um auf alternative Verkehrsmittel umzusteigen. Ganz im Sinne der eigenen „3V-Strategie“, wie es intern genannt wird: „vermeiden, verlagern, verbessern”.

Eigene Mobilitätsstrategie

So gibt es im Werk mit seinen rund 6800 Beschäftigten beispielsweise das Angebot, sich über Fahrradleasing ein Rad zu vergünstigten Konditionen zu beziehen (laut Konzern wurden seit April 2018 JobRad-Verträge für circa 1200 Zweiräder abgeschlossen) oder über interne Fahrgemeinschaften in die Arbeit zu pendeln. Außerdem können Beschäftigte ein Jobticket für den Stadtbusverkehr Penzberg oder das Umweltabo-Weilheim sowie RVO- und DB-Jahrestickets erwerben – inklusive eines Arbeitgeberzuschusses. Seit der Einführung im Mai 2018 wurden circa 1000 Jobtickets verkauft. Speziell für Mitarbeiter aus München gibt es einen Shuttlebus. Seit Juni 2016 wurden über 131.000 Nutzer gezählt. Außerdem fahren mittlerweile sieben MVV- beziehungsweise RVO-Linien sowie vier Stadtbuslinien das Penzberger Werk an.

Fahrgemeinschaften mit Firmen

Bei Roche ist man durchaus stolz auf die Angebote: Das betriebliche Mobilitätsmanagement bildet „einen wichtigen Pfeiler“ in der erfolgreichen Standortentwicklung, so die Sprecherin. In der Führungsetage denkt man schon an die Zeit nach der Pandemie: Geplant sei der Ausbau weiterer Shuttle-Linien in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen. Zudem wolle man sich noch stärker mit anderen Unternehmen aus der Region vernetzen, um Erfahrungen auszutauschen oder „gemeinsame Fahrgemeinschafstools zu nutzen“, wie es heißt.

Quelle: DasGelbeBlatt

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