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Straßenradrennen im Oberland: Fabio Jakobsen wird Europameister

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Radrennen straße murnau european championships munich europameisterschaft 2022
Im Herzen von Murnau: Über 140 Sportler gingen beim Straßenradrennen im Rahmen der European Championships an den Start. © Antonia Reindl

Region – Die Herren bewältigten beim Straßenradrennen der European Championships rund 210 Kilometer und 1050 Höhenmeter durch oberbayerische Idyll-Landschaften.

Dichtes Gedränge, kaum ein Durchkommen. Menschenreihen wie Mauern. Die Sonne zeigte sich unermüdlich. Sie leuchtete, wärmte, brannte runter auf die Trikots und Helme der rund 140 Athleten. Wer am vergangenen Sonntagvormittag durch den Murnauer Markt flanieren oder überhaupt durchkommen wollte, der brauchte Geduld und Geschick beim Umschlängeln von Hindernissen. Eine halbe Stunde vor dem Start – überall Menschen. Absperrungen säumten das Kopfsteinpflaster, dahinter drängten sich hunderte Zuschauer dicht aneinander, nicht allzu viel Platz war da zwischen den metallenen Gittern und den Hauswänden – und schon gar nicht in den vordersten Reihen, am Rand der Rennstrecke.

Fahnen und Klatschpappen

In den Händen rumorten Klatschpappen oder flatterten Papierfähnchen, bedruckt mit dem Murnauer Maskottchen Murni, ein grüner Drache – für diesen Anlass radelnd dargestellt, versteht sich. Die größte Spannung dürfte sich auf Höhe des Café Krönner gesammelt haben. Dort klebte die weiße Startlinie auf den Kopfsteinen. Auf dem holprigen Pflaster sollten die Räder die ersten Meter von insgesamt fast 210 Kilometer zurücklegen. Durch ein Mikro wurden die letzten Minuten bis zum Start durchgegeben. Nur noch 45 Sekunden. Ein paar Mal die Klatschpappe auf den Handteller geschlagen, schon folgt der Countdown. Zehn, neun, acht…

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Ein vielfältiges Rahmenprogramm zum Radrennstart: In Murnau war auch abseits des Sport-Events viel geboten. Am Vortag gab es etwa ein Benefizrennen unter dem Titel „Radln mit Hand und Fuß“ zugunsten des Vereins Kunterbunt. An den Start ging dabei unter anderem die Schauspielerin Conny Glogger – hier an der Entenangel-Station. © Antonia Reindl

Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) stand da am Rand des Starterfelds, unmittelbar hinter der weißen Linie. Eine Fahne in der Hand, das Startsignal oblag dem Rathauschef. Hinter ihm Gfreidi, das Maskottchen der European Championships. Ein Eichhörnchen mit Trachtenhut und in Sportklamotten – und freilich mit Klatschpappe in der Pfote. Beuting schwenkte die Fahne und die Sportler drangen wie ein Fischschwarm nach vorne, wenngleich zurückhaltend, ein neutralisierter Start. Sie drehten ihre Runde durch den Innenort, durchquerten noch einmal den Obermarkt, nun schneller, die Masse flockiger. Wer nicht aufpasste, konnte die Sportler glatt verpassen. Zuschauer ohne Spitzenposition brauchten einen langen Hals und stabile Zehenspitzen.

Durch das Oberland

Jubel und Applaus waren zu hören, viele Händen waren aber anderweitig beschäftigt, mit Fotografieren und Filmen. Viele nach oben gestreckte Arme. Möglichst viel vor die Linse bekommen. Die kurzen Momente erwischen. Manche nutzten Schaufensterbänke als Podeste. Ehe man sich versah, waren die Athleten fort, auf den Weg zum offiziellen Start bei Schwaiganger, von dort ging’s weiter nach Großweil, Kochel, Walchensee, Jachenau, Bad Tölz, Münsing, Starnberg. Finish in München.

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Bei einer zweitägigen Freizeitmesse im Kulturpark konnten alte Räder besichtigt werden, wie hier das Modell „Bianchi“ von 1974. © Antonia Reindl

Nun der Appell ans Publikum: ruhig von dannen ziehen, kein Gedränge. So schnell die Sportler verschwunden waren, so schnell schienen sich nun die Zuschauer zu entfernen. Keine halbe Stunde später wirkte der Markt wie leergefegt. Banner wurden von den Absperrungen genommen und in Kartons gepackt. Ein Lkw rollte an, um die blanken Zäune einzuladen. Auf dem Kopfsteinpflaster gingen wenige Menschen, lagen ein paar Relikte wie Fähnchen – Murnau am Boden.

Zahlen zum Rennen:

Gold: Fabio Jakobsen (Niederlande)

Silber: Arnaud Demare (Frankreich)

Bronze: Tim Merlier (Belgien)

Bester Deutscher: Phil Bauhaus (Platz 18)

Ein Teil der Zuschauer bewegte sich über die Postgasse zum Kulturpark, wo eine Freizeitmesse rund um die Themen Tourismus, Rad und E-Mobilität wartete. Und in der Musikmuschel: Eine große Leinwand – fürs Open Air-Kino am Abend. Zuvor: Public Viewing, die Live-Übertragung des Rennens, das immerhin über viereinhalb Stunden dauerte – und ersten Minuten gehörten allein der Marktgemeinde.

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