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Transalp: Penzberger Sacher und Winkler schaffen extremes Radrennen

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Stolz und zufrieden in Arco angekommen: Wolfgang Sacher aus Penzberg (l.) und Erich Winkler – inklusive Gardasee-Panorama. © Wolfgang Müller-Schell

Penzberg - Der Penzberger Behindertenradsportler Wolfgang Sacher und Erich Winkler haben die Tour Transalp erfolgreich beendet. Sie landen auf Platz 31.

Der Passo del Ballino ist alles andere als ein Riese unter den Alpenpässen. Gerade einmal 775 Meter misst der kurze Anstieg im Norden des Gardasees, für die meisten Radsportler ist er deshalb nur eine Randnotiz auf ihren Touren wert. Für Wolfgang Sacher und seinen Teamkollegen Erich Winkler war der Passo del Ballino allerdings so etwas wie eine Erlösung: Nach sieben harten Tagen in den Alpen stellte der Berg nämlich die letzte Hürde dar, bevor sie am Samstag (25. Juni) das Ziel ihrer Alpenüberquerung im Renntempo erreichten.

Fast 32 Stunden geradelt

„Nach dem Passo del Ballino ging es nur noch bergab – und dann hatten wir es geschafft“, erzählt Sacher. Nach insgesamt 31 Stunden, 58 Minuten und zwei Sekunden Fahrzeit erreichten sie das Tagesfinish in Arco, am nördlichen Ufer des Lago di Garda. Auf Platz 31 in der Gesamtwertung – glücklich, aber zugleich geschafft von den Strapazen der vergangenen Woche. „Der Höhepunkt der sieben Etappen war für uns zweifelsohne der Zieleinlauf in Arco. Der Jubel der Zuschauer war überwältigend und wir waren sprachlos“, schmunzelt der Penzberger.

Stilfser Joch überquert

Insgesamt 620 Kilometer und stolze 15.800 Höhenmeter hatten Sacher und Winkler im Rahmen der Tour Transalp zurückgelegt. Dabei haben die beiden Paralympics-Medaillengewinner auf ihren Rennrädern unter anderem das 2757 Meter hohe Stilfser Joch überquert. Sie haben den bis zu 20 Prozent steilen Mortirolo-Pass gemeistert. Und sie haben trotz ihrer Handicaps – dem 55-jährigen Sacher fehlen seit einem Starkstromunfall im Jugendalter ein Arm und mehrere Zehen, der ein Jahr jüngere Winkler verlor bei einem Motorradunfall einen Arm und ein Bein – zahlreiche nicht-versehrte und teilweise deutlich jüngere Mannschaften hinter sich gelassen. „Eine Spazierfahrt war das allerdings nicht“, sagt Sacher. „Vor allem an den langen und steilen Pässen hatte Erich es mit einem Bein nicht leicht. Am Stilfser Joch am zweiten Tag waren wir deshalb kurz vor dem Aufgeben – auch, weil es zudem sehr heiß war.“

Bremsseil gerissen

Doch die sportlichen Herausforderungen waren nicht die einzigen Hürden, die Sacher und Winkler meistern mussten. Nach einer schnellen Passabfahrt auf der fünften Etappe riss bei Sacher das Seil der Vorderradbremse, sodass er die nachfolgende steile Abfahrt nicht mehr hinunterfahren konnte. Zuerst zu Fuß und später mit der Hilfe des Teamfahrzeugs einer niederländischen Mannschaft erreichte er die nächste Ortschaft, wo ihm ein Radmechaniker bei der Reparatur half.

Schwere Stürze gesehen

Es war nicht die einzige brenzlige Situation: Am vierten Tag ließen einstellige Temperaturen und strömender Regen die Abfahrten zu Zitterpartien werden. Am fünften Tag wurden sie Zeugen mehrerer schwerer Stürze. „Ich bin die Transalp ja schon mehrfach gefahren. Gerade auf den letzten Etappen sind viele Teilnehmer müde – und es passieren Fahrfehler. Dementsprechend froh waren wir, gesund durchgekommen zu sein“, erklärt Sacher.

Teamwork ein Grund für Erfolg

Dass sie es geschafft haben – ein Grund dafür war auch das gute Teamwork. Vom ersten Tag an halfen sich die beiden Behindertenradsportler gegenseitig, wobei Sacher als der schnellere Fahrer viele Helferdienste für Winkler verrichtete. So versorgte er seinen Partner nicht nur mit Wasser, Powergels und Energieriegel, sondern gab ihm in steilen Stücken am Berg auch ab und zu Schubhilfe. „Mehr Rücksicht hätte Wolfgang nicht nehmen können. Egal, ob am Berg oder in der Ebene – er war immer an meiner Seite und motivierte mich, wenn ich schwach wurde. Das war Teamspirit pur“, so Winkler im Ziel in Arco. Das gemeinsame Ziel haben sie erreicht: Zu zeigen, dass man trotz Behinderung Großes leisten kann. „Wenn wir es mit zu zweit mit insgesamt zwei Armen und drei Beinen über die Alpen schaffen – dann können das andere auch“, sagt Sacher.

Sacher: Jetzt Bayerische Meisterschaft

Während sich Winkler nach der Transalp auf die Weltmeisterschaft im Behindertenradsport Mitte August vorbereitet, wird sich Sacher in den kommenden Wochen auf die bayerischen Meisterschaften im Einzelzeitfahren konzentrieren. Diese findet am 31. Juli in Treuchtlingen statt. Werner Müller-Schell

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