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Bürgermeister Helmut Dinter

Interview mit Helmut Dinter

Dinter: „Wir wollten versuchen, andere Wege zu gehen“

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Wessobrunn – Das Jahr 2016 neigt sich dem Ende zu. Was hat sich in den vergangenen zwölf Monaten getan? Was war gut, was schlecht? Darüber spricht die Heimatzeitung mit den Bürgermeistern von Peißenberg, Hohenpeißenberg und Wessobrunn. Den Anfang macht Wessobrunns Helmut Dinter.

Herr Dinter, worüber haben Sie sich in diesem Jahr am meisten geärgert?

Das war die hohe Kreisumlage. An allererster Stelle. Das Zweite war, dass das Ingenieurbüro „Steinbacher“ aus Neusäß eine Klage gegen die Gemeinde geführt hat, die wir mit einem Vergleich erledigen konnten, der uns aber 125 000 Euro gekostet hat. Und das für null Leistung dieses Ingenieurbüros aus den umstrittenen Ingenieurverträgen.

Worum ging es bei der Klage?

Von meiner Vorgängerin wurden insgesamt neun Ingenieur-Verträge unterschrieben, für Leistungen, die die Gemeinde so nicht gebraucht hat. Das Abwasserkonzept Paterzell/Schlitten haben wir zum Beispiel anders realisiert. Während der Realisierungsphase kam das Ingenieurbüro mit den Verträgen an und sagte, dass es da was verwirklichen möchte. Die Gemeinderäte von damals haben gesagt, sie hätten nie beschlossen, dass die Verträge so abgeschlossen werden sollten – nur die Bürgermeisterin hat das als Zeugin vor Gericht anders dargestellt. Im Prozess vor Gericht wurde aufgrund der widersprechenden Zeugenaussagen von Gemeinderäten und Bürgermeisterin ein Vergleich vorgeschlagen. Nachdem wir eingeschätzt haben, dass der Vergleich zwar eine schlechte Lösung ist, aber von den schlechten immer noch die beste, haben wir zähneknirschend akzeptiert.

Sie haben sich auch sehr über die Pläne für den Berufsschulbau geärgert.

Das ist bei der Kreisumlage ja der Punkt. Die ist in dieser Höhe auch dem Projekt „Berufsschule“ geschuldet. Wir zahlen 56 Prozent Kreisumlage. Gegenüber einer Kreisumlage in Höhe von 50 Prozent, die normal wäre, heißt das für uns jedes Jahr, dass wir 100 000 Euro zusätzlich zahlen müssen. Bei 50 Prozent könnten wir in Wessobrunn die Grundsteuer um 20 Punkte absenken und zusätzlich jedes Jahr eines der gemeindeeigenen Gebäude sanieren.

Was war denn heuer besonders positiv?

Dass wir in vielen Ortsteilversammlungen und Veranstaltungen sehr viel Kontakt zu den Bürgern hatten und mit demokratischen Mitteln versucht haben, ortsplanerisch tätig zu werden und zu erfahren: Was wollt ihr denn? Da haben wir einen guten Prozess in Gang gebracht.

So viele Versammlungen wir heuer gab’s vermutlich noch nie.

Das war der Aufschlag. Wir wollten versuchen, andere Wege zu gehen. Wir sind die Interessensvertreter der Bürger und müssen uns um das Wohl der Menschen kümmern. Es war nicht so, dass die Bürger immer „Juhu“ gesagt haben. Sie konnten sagen, was ihnen wichtig ist, was ihre Wünsche, aber auch ihre Befürchtungen sind.

Gab es 2016 einen Tag, den Sie gern streichen würden?

Mehrere. Die Ende Mai, Anfang Juni, als wir die Hochwasserprobleme hatten. Wir sind zwar glimpflich davongekommen, aber auch bei uns standen einige Keller unter Wasser. Das war weder für die Betroffenen noch für uns einfach, weil wir schnell etwas in Sachen „Hochwasserschutz“ machen mussten. Und das ist finanziell dann auch noch zu Kreisumlage und Vergleich dazugekommen.

Die Gemeinde hat lange um einen Schulbus nach Peißenberg gerungen. Dass es nun eine neue Buslinie gibt, ist sicher ein Erfolg für die Gemeinde.

Das ist ein achtjähriger Streit gewesen mit dem Erfolg, dass wir eine Linie bekommen haben. Sicher ist es der Hartnäckigkeit geschuldet, weil wir nicht aufgegeben haben.

Das war eines von mehreren Themen, bei denen Sie regelmäßig mit dem Landratsamt Auseinandersetzungen hatten beziehungsweise haben. Ist man das nicht irgendwann leid?

Natürlich ist es schön, wenn alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Aber dafür sind wir als Gemeinderat nicht da. Wir sind da, um die Interessen unserer Bürger zu vertreten. Wenn ich das tun kann, ohne dass ein anderer einen Nachteil hat, dann muss man auch streiten. Dann ist mir auch scheißegal, wie das für andere rüberkommt. Der Schulbus ist da ein schönes Beispiel. Es tut doch niemandem weh, dass es den jetzt gibt.

Sehr lang zieht sich bereits die Suche nach Bauland hin.

In einigen kleinen Gebieten sind wir noch in der Planung. Schön ist, dass im Baugebiet Guggenberg nach über 20 Jahren endlich wieder Gemeindebürger Bauplätze kriegen konnten. Auch, wenn’s nur sechs sind. Aber das erste Haus steht immerhin schon.

In welchem Baugebiet rücken als nächstes die Bagger an?

In Wolfhof. Da haben wir vier Bauplätze neben den bestehenden Häusern genehmigt bekommen.

Einige Kritik gab’s an der Sanierung der Haider Weiher. Hat die Gemeinde da tatsächlich Teichmuscheln sterben lassen? Hat sie ein Biotop vernichtet?

Die Gemeinde hat keine Teichmuscheln bewusst sterben lassen. Wir haben die, die zu retten waren, gerettet. Die Familie Papenfuß hat unser Einsatz ihrer Lebens weitere gerettet. Dafür bin ich ihr dankbar. Ich habe es meinen Leuten aber untersagt, in den Schlamm zu steigen, weil es einfach zu gefährlich war.

Das war gefährlich?

Ja, unser Baggerfahrer ist hineingestiegen und bis zur Brust eingesunken. Er war zum Glück gesichert. Wir haben die Sanierung so gemacht, wie es uns die Behörden gesagt haben. Uns wurde vom Wasserwirtschaftsamt auch bestätigt, dass der Weiher am Umkippen war. Es waren zwar große Muscheln drin, aber so gut wie kein Nachwuchs. Die Fische, die Muscheln zur Fortpflanzung brauchen, hatten durch den Schlamm keinen Lebensraum mehr. Es war höchste Eisenbahn, etwas zu tun.

Um die Hallengebühren stabil halten zu können, gab’s die Überlegung, dass sich die Vereine an der Renovierung beteiligen. Ist schon etwas gemacht worden?

Ja, die haben die Fenster abgeschliffen und gestrichen. Das Hallendefizit ist zur Zeit bei 17 000 Euro im Jahr. Das hat sich halbiert.

Was war denn ein Höhepunkt 2016?

Mit einer war, dass die Dinge, die wir als Gemeinde machen, außerhalb positiv wahrgenommen werden. Meine Wenigkeit wurde als Referent zu Seminaren eingeladen, um da vorzustellen, was die Besonderheit an der Gemeinde ist. Wir lassen uns von dem Gemeinwohlökonomie-Gedanken leiten. Und wir werden von anderen gefragt, wie wir das machen, dass eine relativ kleine Gemeinde mit relativ wenig Kohle relativ viel bewegen kann. Da waren wir zum Beispiel zweimal beim Diözesanrat des Bistums München eingeladen und auch eine Landtagsfraktion hat sich gemeldet.

Wie schaut’s denn mit dem Rathausumbau aus?

Die historischen Gläser, die wir bei der Fenstersanierung einbauen müssen, sind im Moment nicht verfügbar. Das wird wohl dauern. Daran liegt es, dass wir nicht einziehen können. Der Rest wäre eigentlich bis auf ein paar Kleinigkeiten fertig. Also werden wir im Frühjahr voraussichtlich umziehen.

Was steht noch für 2017 an?

Viele Sachen, dir wir begonnen haben, weiterzumachen. Wir wollen voraussichtlich nichts Neues beginnen, sondern einfach Mal Dinge fertigbekommen, Luft rausnehmen, konsolidieren. Meine Mitarbeiter im Bauhof arbeiten auf Anschlag. Die muss ich ein bisschen schonen.

Dem Jahr 2015 hatten Sie vor einem Jahr die Schlagzeile „Viel angepackt, nicht alles geschafft“ gegeben. Wie lautet sie für 2016?

Da könnte man wieder die gleiche drüber schreiben.

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