Madonna und Johnny Depp lieben sie

Doc Martens: Die Kultschuhe aus Seeshaupt

Seeshaupt - "Doc Martens"-Schuhe sind, wie viele ihrer Träger weltbekannt. Doch die Wenigsten wissen, dass der Schuh vor 100 Jahren in Seeshaupt im Kreis Weilheim-Schongau erfunden wurde.

Ein Schuh ist ein Schuh, aber manchmal ist er auch mehr. Jahrelang waren die „Doc Martens“ ein Symbol der Rebellion, getragen von allen, die der Gesellschaft einen ledernen, gummibesohlten Tritt versetzen wollten. Dass dieses Symbol im Süden des Starnberger Sees, in Seeshaupt (Kreis Weilheim-Schongau) erfunden wurde, mag einigermaßen abenteuerlich klingen – ist aber wahr. Ihr Erfinder, ein gewisser Dr. Klaus Maertens, wurde heute vor 100 Jahren geboren.

Die „Docs“ sind seit Jahrzehnten die meistverkauften Nicht-Turnschuhe der Welt. Ihren sagenhaften Aufstieg und die damit verbundenen Tantiemen hat Klaus Maertens allerdings nur noch teilweise erlebt. Er starb 1988.

Doc Martens: Der Schuh für Kriegsversehrte

Den in Braunschweig geborenen Mediziner hatte es nach dem Krieg nach Seeshaupt verschlagen, so wie ein halbes Dutzend anderer Ärzte auch. Hier eine Praxis aufzumachen, schien ihm deshalb zwecklos. Stattdessen verlegte er sich auf die Schusterei – auf die Herstellung von orthopädischen Schuhen.

Selbst mit einem Knieleiden geplagt, konnte sich Maertens vorstellen, welche Tortur die damals gängigen harten Lederschuhe für ältere Menschen und die vielen Kriegsversehrten bedeuteten. Er hatte eine bahnbrechende Idee, die Luftpolstersohle. Die Legende besagt, dass der Bastler das Material für seine Erfindung in einem aufgelassenen Armeelager fand: Aus Schläuchen von Lkw-Reifen schnitt er eine doppelte Gummisohle, klebte dazwischen Schaumgummi aus den Schulterpolstern der Uniformen und nähte das Leder einer Offiziershose als Obermaterial dran – fertig waren die ersten „Dr. Maertens Luftpolsterschuhe“.

Als Gesundheitsschuhe wurden sie schnell bekannt und begehrt. Maertens baute zunächst in Seeshaupt eine kleine Produktion auf, einige Jahre später ließ er zusammen mit seinem Geschäftspartner und Studienfreund Herbert Funck die Schuhe in einer Münchner Fabrik herstellen.

Vom Gesundheitsschuh zum Rebellen-Symbol

Ermutigt von der deutschlandweiten Nachfrage, wollte Maertens seine Erfindung auch in England vermarkten. Ein gewisser Bill Griggs erwarb die Lizenz für die „Air-Way“-Sohle und produzierte in seiner kleinen Schuhfabrik in Wollaston Arbeits- und Sicherheitsschuhe mit der patentierten Luftpolstersohle. Daher kommt das eher klobige Aussehen der „Doc Martens“, die schnell unter Polizisten, Fabrikarbeitern und Postboten beliebt wurden.

Wirklicher Kult wurden die Schuhe erst später, Mitte der 1970er-Jahre. Damals trat Elton John in einem Musikvideo von „The Who“ auf, an seinen Füßen trug er überdimensionierte „Dr. Martens“.

Ob das rebellisch war, darüber lässt sich streiten. Jedenfalls zieren die Schuhe noch immer die Füße berühmter Leute. Schauspieler Johnny Depp oder Madonna besitzen welche. Man darf aber davon ausgehen, dass sie noch nie von Seeshaupt gehört haben.

Renate von Fraunberg

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Satzung wird zum Geduldspiel
Die Penzberger Gebührensatzung für Sondernutzungen von öffentlichem Raum wird eine längere Geschichte. Der Stadtrat hat den Beschluss erneut vertagt. Denn es gibt Kritik …
Satzung wird zum Geduldspiel
„Jede Geburt ist ein Unikat“
Der „Tag der offenen Tür“ in der Frauenklinik Weilheim war gut besucht. Dabei erhielten die Besucher interessante Einblicke.
„Jede Geburt ist ein Unikat“
Bewährte Kräfte und junge Stimmen
Die Konzertreihe „Musik im Pfaffenwinkel“ setzt in diesem Jahr auf Klassiker. Zum Saisonstart gedenkt sie  des verstorbenen Schirmherrn  Roman Herzog.
Bewährte Kräfte und junge Stimmen
Absage für Wohnungen am Trifthof
Der Weilheimer Bauausschuss stimmte  einem großen Gewerbeneubau im Trifthof zu.  Betriebswohnungen lehnte er aber ab.
Absage für Wohnungen am Trifthof

Kommentare