Da war noch alles in Ordnung: Die beiden Störche auf ihrem Horst an der Ammerseestraße in Pähl.
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Da war noch alles in Ordnung: Die beiden Störche auf ihrem Horst an der Ammerseestraße in Pähl.

Anwohner beschuldigen Bauhof

Storchennest kippt: Drei Jungtiere stürzen in den Tod - Vorwürfe machen Bürgermeister fassungslos

  • Katrin Kleinschmidt
    VonKatrin Kleinschmidt
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Ein Storchennest ist in Pähl gekippt, drei Jungtiere stürzten in den Tod. Anwohner berichten, der Bauhof sei Schuld am Geschehen. Den Bürgermeister machen solche Vorwürfe fassungslos – er schießt scharf zurück.

Pähl – Es ist für viele Menschen eine Freude, Störche zu beobachten. Und noch größer ist die Begeisterung, die Jungen eines Paares aufwachsen zu sehen. Kein Wunder also, dass ein Horst an der Ammerseestraße in Pähl viel bewundert und bestaunt wurde. Und dass die Aufregung groß war, als er Mitte Mai verschwunden war. Im Ort machen seitdem Gerüchte die Runde, Bürgermeister Werner Grünbauer hätte den gemeindlichen Bauhof zum Entfernen von Ästen und des Horsts aufgefordert – obwohl sich Brut darin befand.

Storchennest in Pähl: Anwohner behauptet, Bauhof habe wichtige Stützäste herausgeschnitten

So schildert es ein Pähler, der sich an die Heimatzeitung wandte. Ihm wurde von Nachbarn erzählt, dass der Bauhof wichtige Stützäste herausgeschnitten hatte, weshalb das Nest in sich zusammengefallen sei. Später sei es von den Mitarbeitern komplett entfernt worden. Der Pähler hatte den Vorfall selbst nicht beobachtet, fragte deshalb bei der Heimatzeitung nach, was an den Gerüchten dran sei.

Grünbauer machen die Vorwürfe, mit denen er konfrontiert wird, richtig wütend. Laut ihm ist das Nest wegen „massiver Wetterereignisse“ gekippt, dabei seien die drei Jungstörche heruntergefallen. Einer davon wurde tot im darunter fließenden Bach gefunden, der Verbleib der anderen beiden ist unklar. „Das ist ewig schade, da blutet mir selbst das Herz“, sagt Grünbauer. „Mir hatte das Nest doch auch gefallen.“

Jungstörche stürzen in den Tod: Bürgermeister wütend über Vorwürfe - „massive Wetterereignisse“ hätten Nest gekippt

Allerdings hatten sich die beiden Störche mit dem rund 15 Meter hohen, von Misteln befallenen Baum keinen guten Platz zum Nisten gesucht. Die Gemeinde hat den Baum schon seit Jahren im Blick. Äste drohten abzustürzen. Er habe befürchtet, dass auch der Horst herunterfällt, schildert Grünbauer. „Wir haben uns Gedanken gemacht, was wir tun können, und wollten das Nest auf eine andere Krone umsiedeln.“

Dafür habe er in der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt eine Genehmigung eingeholt. Als die Erlaubnis vorlag, wollten Bauhofmitarbeiter mit dem Umsetzen des Horsts beginnen. „Sie wurden dabei von Anwohnern beschimpft“, beschreibt Grünbauer, der zur selben Zeit im Urlaub weilte. Die Vorwürfe seien so massiv gewesen, dass die Mitarbeiter des Bauhofs den Rathauschef anriefen und die Situation schilderten. Die Umsiedlung wurde wegen des Protests abgebrochen.

Störche in Pähl: Betroffene Bürger „haben den Tod zu verantworten“

Kurz darauf hing das Nest schief im Baum – laut Grünbauer ohne Zutun des Bauhofs. Der Kompromiss mit den Anwohnern „hat im Endeffekt drei Störchen das Leben gekostet“, sagt Grünbauer. Die betroffenen Bürger „haben den Tod zu verantworten“.

Dass ihm zugetraut wird, er würde Äste an einem Baum mit Horst und Jungstörchen wegschneiden lassen, macht den Pähler Rathauschef fassungslos. „Kein Mensch schneidet Bäume willkürlich weg“, sagt er. „Wenn wir das machen, dann ist das die letzte Maßnahme, die tut uns auch leid. Da sind wir doppelt und dreifach bedächtig.“

Nachdem der Horst schief stand und abzustürzen drohte, wurde er vom Bauhof schließlich samt einiger Äste entfernt. Denn der Baum wächst schief, hängt Richtung Straße. „Das ist doppelt gefährlich.“ Die beiden Störche blieben Pähl trotz allem treu. „Sie bauen jetzt woanders“, sagt Grünbauer. „Gott sei Dank.“

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