Die Kastanien mussten gefällt werden, denn im Inneren waren sie fast komplett durchgefault.
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Die Kastanien mussten gefällt werden, denn im Inneren waren sie fast komplett durchgefault.

Stämme waren nahezu komplett durchgefault

Baumfällungen waren „alternativlos“

  • Bernhard Jepsen
    vonBernhard Jepsen
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Da fehlt doch was: Im Innenhof des Gasthofs „Zur Post“ in Eberfing sieht es seit ein paar Tagen richtig kahl aus. Die fünf großen Kastanien- respektive Ahornbäume neben dem Parkplatz mussten gefällt werden. Die Abholzung war notwendig, die Stämme waren nahezu komplett durchgefault.

Eberfing – Sie waren vermutlich bis zu 80 Jahre alt – und sie waren, wie man so schön sagt, ortsbildprägend: Die fünf großen Laubbäume im Innenhof des Gasthofs „Zur Post“. Seit vergangenen Freitag gehören die Baumriesen der Vergangenheit an. Die fünf Stämme wurden von einer Ettinger Fachfirma mit Hilfe eines Krans abgeschnitten. Lediglich 2,5 Meter hohe Stümpfe wurden stehengelassen. Aus ihnen sollen eventuell Holzskulpturen geformt werden.

Die Gemeinde ging bezüglich der Abholzung äußerst sensibel vor. „Wir haben keinerlei Anliegen, einfach so die Bäume fällen zu lassen“, betont Georg Leis. Der Bürgermeister war bei der Fällungsaktion persönlich anwesend, um im Bedarfsfall den Bürgern die Notwendigkeit der Maßnahme zu erklären. Am Abend zuvor waren die Baumfällungen auch Thema im Gemeinderat. Gabriele Taubert durfte im Gremium vorsprechen. Für die Senioren waren die Bäume eine emotionale Angelegenheit: „Das sind Naturschätze. Ich finde es schlimm, wenn sich ein Dorf so etwas Schönem entledigt.“ Es würde Jahrzehnte dauern, bis neue Bäume nachgewachsen wären. Taubert wollte ihr Statement nicht als Anklage verstanden wissen, sie fragte in verbindlichem Ton nach Alternativlösungen: „Kann man die alten Baumriesen nicht retten?“, wollte sie von den Gemeinderäten wissen.

Die Kastanien mussten gefällt werden, denn im Inneren waren sie fast komplett durchgefault.

Die Antwort war eindeutig wie ernüchternd: „Wir würden es nicht machen, wenn es nicht nötig wäre“, konstatierte Leis. Mit einem Rückschnitt sei es aufgrund der Schädigungen nicht getan. Die Gemeinde müsse auf die Verkehrssicherungspflicht achten. Und die per Drohne erfolgten Baumuntersuchungen hätten leider ergeben, dass die Stämme von oben her verfault sind. Auch von Heike Grosser, der Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landschaftspflege, sei die „dringende Empfehlung“ zur Fällung gekommen.

Die Experten-Meinungen haben sich am Tag der Fällung schließlich voll bestätigt. Die Stämme waren innen komplett hohl, zum Teil floss beim Sägen sogar Wasser heraus. „Die Fällung war alternativlos“, bilanzierte Leis auf Nachfrage der Heimatzeitung. Grund für die massiven Baumschädigungen waren wohl verunglückte Baumpflegearbeiten – und zwar weit bevor die Gemeinde Eigentümer des Gasthofs „Zur Post“ wurde: „Die Kronen sind vor langer Zeit einmal heftig zurückgeschnitten worden. Das war wohl nicht perfekt“, so Leis. An den Stämmen bildeten sich Triebe und offene Stellen, in die Wasser eindringen konnte.

Im Gemeinderat wurde bereits über die Ersatzpflanzungen beraten. In Kooperation mit einer Baumschule soll geklärt werden, welche Baumarten an der Stelle ökologisch sinnvoll sind. Neben Buchen und Ahornbäumen könnten das möglicherweise auch Akazien sein. Der Platz, an dem im Sommer Biergartentische aufgestellt werden, soll jedenfalls wieder mit Laubbäumen gesäumt werden: „Es geht uns bei den Bäumen nicht ums Geld“, versichert Leis.

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