„Tannenwald 2.0“: Diesen schmissig-modernen Titel trägt das bundesweite Forschungsprojekt mit 60 Versuchsfeldern in ganz Deutschland. Zwei davon befinden sich in der Region – in Eberfing und in Fuchstal. Robert Panholzer zeigt, wie ein Tannensetzling für das Projekt angepflanzt wird. Wichtig ist dabei, die Wurzel gerade einzugraben.
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„Tannenwald 2.0“: Diesen schmissig-modernen Titel trägt das bundesweite Forschungsprojekt mit 60 Versuchsfeldern in ganz Deutschland. Zwei davon befinden sich in der Region – in Eberfing und in Fuchstal. Robert Panholzer zeigt, wie ein Tannensetzling für das Projekt angepflanzt wird. Wichtig ist dabei, die Wurzel gerade einzugraben.

Die Wald-Zukunft ist 20 Zentimeter hoch

Warum unsere Enkel einen ganz anderen Wald sehen werden als wir heute

  • Sebastian Tauchnitz
    vonSebastian Tauchnitz
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Der Klimawandel macht auch den heimischen Wäldern zu schaffen. Der große Verlierer ist dabei die Fichte. Sowohl ausgedehnte Trockenperioden als auch der Borkenkäfer machen ihr zu schaffen. Ein geeigneter Nachfolger wird gerade gesucht.

Weilheim/Eberfing – Das Wetter an diesem Montagvormittag als „ungemütlich“ zu bezeichnen, wäre vielleicht etwas beschönigend. Ein eisiger Wind pfeift durch das Waldstück bei Eberfing, wenn es nicht regnet, rieseln Schneeflocken zu Boden. „Bestes Baumpflanzwetter, kein Frost, der Boden ist gut durchfeuchtet“, freut sich Meinhard Süß, 2. Vorsitzender der Landesgruppe Bayern der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW). Und gutes Pflanzwetter können er, der Weilheimer Stadtförster Christian Schuller, und Robert Panholzer, der seit über 30 Jahren als Ein-Mann-Betrieb für die Stadt Weilheim bei der Waldpflege im Einsatz ist, gut gebrauchen.

Denn im Rahmen eines bundesweiten Forschungsprojektes wollen sie in den nächsten Tagen knapp 500 Bäume auf einem eingezäunten Areal des Weilheimer Stadtforstes bei Eberfing pflanzen. Es geht nicht mehr und nicht weniger als um die Zukunft unseres Waldes.

Panholzer erinnert sich noch genau, wie das Problem begann. Anfang der 90er tobte das Sturmtief „Wiebke“ über die Region. „Und der hat alles aufgerissen“, so Panholzer. Jede Menge Bruchholz im Wald. Der Borkenkäfer ließ nicht lange auf sich warten. Das Einfalltor war geöffnet, jeder weitere Sturm knabberte weiter am Baumbestand. Dazu kamen immer längere Trockenperioden.

Das setzt vor allem der Fichte zu, die heute noch knapp die Hälfte des Baumbestands im 500 Hektar großen Weilheimer Stadtwald ausmacht, wie Stadtförster Schuller berichtet. Im Zuge des Klimawandels wird es immer ungemütlicher für die Fichte. Ersatz muss her. Doch so leicht ist das nicht, führt Meinhard Süß von der ANW aus. Klar könnte man die robustere Douglasie aus Kanada oder noch mehr Buchen anpflanzen. „Aber der Markt braucht nach wie vor weißes Nadelholz.“ Die Douglasie hat aber rotes Holz, die Buche auch. Der einzige Nadelbaum, der wie die Fichte weißes Holz hat, ist die Tanne.

Und die Tanne ist der Joker im Spiel um die Zukunft des Waldes. Richtig angepflanzt, trotzen ihre tiefen Pfahlwurzeln dem Sturm. Längere Trockenperioden sind kein Problem für die Tanne, dem Buchdrucker-Borkenkäfer, der immer wieder verheerende Schäden anrichtet, schmeckt Tannenholz nicht.

Deswegen setzen die Anwesenden große Hoffnungen in die Tanne. Ob beim Waldumbau für die Zukunft allerdings die einheimische Tanne zum Einsatz kommen soll, ist noch nicht ganz klar. Denn im Rahmen des gerade gestarteten Forschungsprojekts wird untersucht, wer besser mit dem Klimawandel zurechtkommt: die deutsche Tanne aus der Region oder ihre rumänische Kollegin. Das heutige Klima in Rumänien, erklärt Süß, gleicht dem, das für Oberbayern erwartet wird. Ein kontinentales Klima mit heißen, trockenen Sommern und eiskalten Wintern. Um zu schauen, welche Art besser gedeiht, werden nun auf dem abgezäunten Areal 480 Tannensetzlinge eingesetzt – jeweils 240 rumänische und 240 deutsche. Dann wird gewartet und beobachtet. Waldumbau ist nichts für Ungeduldige – bis die heute gepflanzten Bäume wirklich ausgewachsen sind, wird es 80 bis 100 Jahre dauern. Wenn nicht vorher die Rehe kommen und die zarten Tannentriebe wegsnacken, Denn diese sind für das Rehwild eine Delikatesse, so Süß. Das Versuchsfeld wurde deshalb eingezäunt. Doch wenn man will, dass die natürliche Tannenverjüngung im Wald einsetzt, also aus den Samen der Bäume ohne menschliches Zutun neue Tannen wachsen, dann werden die Jäger nach wie vor ihre Abschusspläne einhalten müssen, so Süß.

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