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Mann nach Mord an seiner Ehefrau vor Gericht: „Ich wollte sicher gehen, dass sie tot ist“

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Von: Angela Walser

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Das Landgericht München.
Der Prozessauftakt fand im Landgericht München II statt. © Sven Hoppe/dpa

Im Februar 2021 erwürgte ein Rentner in Eberfing seine Frau (66). Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht München II gestand der 67-Jährige. Und schilderte die schwierige Ehe.

Eberfing/München – Es war eine Familientragödie. So beschrieb Verteidigerin Christina Keil am Freitagvormittag die Geschehnisse des Vorjahres. Mühsam hatte das Schwurgericht nach dem Grund für die schreckliche Tat geforscht. Nicht dass der Angeklagte sie bestritten hätte, doch bei der Frage nach dem Grund „eierte“ er fürchterlich herum.

Bei seiner ersten Vernehmung nach der Tat hatte er der Polizei noch gesagt: „Ich will das nicht mehr ertragen, ich kann das nicht ertragen. Ich bringe sie jetzt um.“ Und dass er ihr nach dem Würgen einen blauen Müllersack über den Kopf stülpte und selbigen zuband, hatte er damals mit den Worten begründet: „Ich wollte sicher gehen, dass sie tot ist.“

Mord in Eberfing: Bis zur Rente führten sie eine Wochenendehe

Ein Jahr ist seitdem vergangen. Der aus Dresden stammende Sozial- und Lagerarbeiter hatte seitdem viel Zeit, in der U-Haft die Tat zu reflektieren. Vor Gericht zeichnete er die Zeit vor dem 5. Februar 2021 weicher, als sie wohl tatsächlich gewesen war. Die Eheleute hatten dauernd gestritten. Das Paar war eigentlich ständig auf Wohnungssuche. Manchmal blieben sie nur einen Tag in einer neuen Bleibe. Nirgendwo gefiel es ihnen. Überall war es ihnen zu laut. Nur in ihrem frei stehenden Ferienhaus in den Marken in Italien fühlten sie sich wohl.

Doch wegen der besseren medizinischen Versorgung lebten die Eheleute seit vielen Jahren auch in Bayern. Seine Frau, eine Lehrerin, war zuletzt an der Geigenbauschule in Mittenwald und an der Wirtschaftsschule in Garmisch-Partenkirchen tätig gewesen. Beide führten eine Wochenendehe. Seit der Rente lebten sie wieder zusammen. „Wir konnten uns gut ergänzen“, beschrieb der 67-Jährige die Ehe abseits der Streitigkeiten. Sie war die Aufbrausende, er der Ruhige.

67-Jähriger tötet erst seine Frau, dann will er sich das Leben nehmen

Dass er herzkrank war und vier Stents benötigte, hatte er bis zu einer Routine-Untersuchung nicht bemerkt. Bis zu besagter Nacht. Wieder einmal hatten die beiden unter viel Zoff einen Mietvertrag vorzeitig aufgelöst. Eine neue Bleibe war noch nicht gefunden. Ihn plagten Sorgen und Frust, erneut einen Umzug stemmen zu müssen.

In dieser Nacht machte er gefühlt kein Auge zu. „Ich spürte einen schweren Herzschlag, hatte erstmals Probleme“, erinnerte er sich. Tinnitus und Durchblutungsstörungen machten sich bemerkbar. „Alles kam nochmals in mir hoch“, sagte er. Am nächsten Morgen wollte er mit ihr über die Streitigkeiten und seine gesundheitlichen Probleme sprechen. Doch die 67-Jährige fuhr ihn mit keifendem Ton an, er solle sie in Ruhe lassen.

Ihre schrille Stimme ließ ihn durchdrehen. Er packte neben ihrem Bett knieend ihren Hals und drückte zu, bis es knackte. Erst da kam er nach eigenen Angaben wieder zu Sinnen. Dann legte er sich in eine Wanne und schnitt sich die Pulsadern auf – erfolglos. Er zog sich einen Kissenbezug über den Kopf – erfolglos. Dann rammte er sich mehrmals ein Messer in den Bauch und verletzte sich schwer. Als er erkannte, sich nicht selbst töten zu können, wählte er die 110 und war froh, als die Polizei eintraf.

Der Prozess dauert an.

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