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Ortstermin mit Kirche: In Obereglfing ging es um die Sanierung der Friedhofsmauer. 

Darf gegraben werden oder nicht?

Friedhofsmauer beschäftigte die Richter

Seit Jahren wird um die Sanierung der Obereglfinger Friedhofsmauer rumgeeiert. Verwaltungsrichter sprachen nun ein Machtwort.

Obereglfing – Es ist morgens, kurz vor 9 Uhr, mitten in Obereglfing: Die Frühlingssonne kämpft sich durch die Wolken, Vögel zwitschern, irgendwo kräht ein Hahn. Auf dem Bauernhof neben der Kirche stellt eine Frau Narzissen in die Fenster. Ab und zu fährt ein Auto vorbei. Doch die Dorfidylle trügt. Derzeit ist in gewisser Weise sogar die letzte Ruhe in Obereglfing in Gefahr: Die Friedhofsmauer an der Hauptstraße ist so marode, dass sie auf die Straße kippt, wenn sie nicht saniert wird. Und ein Teil des Friedhofsgeländes gleich mit ihr.

Das Grundstück, auf dem die Kirche steht, die vom Friedhof eingefasst ist, gehört der katholischen Filialkirchenstiftung St. Martin. Diese hat schon lange erkannt, dass die Mauer saniert werden muss und bereits vor sechs Jahren die Sanierung in Angriff nehmen wollen. Doch nicht nur Gottes Mühlen malen langsam, die weltlichen offenbar auch. Bis im Jahr 2014 ging es zwischen Landratsamt und Bistum Augsburg hin und her, im Oktober stellte das Bistum den offiziellen Antrag, die Mauer instandsetzen zu dürfen, und legte ein entsprechendes Konzept vor. Für den neueren Teil der Friedhofsmauer sah die Untere Denkmalschutzbehörde am Landratsamt von Anfang an kein Problem. Dieser darf weggerissen und neu gebaut werden. Denkmalschutzrechtliche Bedenken hat die Behörde aber beim älteren Teil der Mauer. Sie hält es für möglich, dass sich im Boden Artefakte verbergen, die durch die Grabungsarbeiten beeinträchtigt werden könnten. Sie hat zwar eine Sanierung erlaubt, aber nur, wenn Auflagen erfüllt werden wie die, dass Grabungen von einer archäologischen Fachkraft begleitet werden müssen.

Dagegen hatte sich das Bistum Augsburg verwehrt: Die Auflagen hätten teilweise keine Rechtsgrundlage und würden zu unübersehbaren Kosten führen. Es erhob Klage beim Verwaltungsgericht in München.

Deswegen fuhr nun um Punkt 9 Uhr ein Kleinbus mit Münchener Kennzeichen an der Kirche in Eglfing vor. Drinnen saßen die Verwaltungsrichter der elften Kammer um ihren Vorsitzenden Johann Oswald, um die Friedhofsmauer in Augenschein zu nehmen. Neben den Richtern waren Friedrich von der Mülbe als Vertreter des Landratsamtes sowie Mitarbeiter des Bistums nach Eglfing gekommen.

Nachdem sich die Richter die Friedhofsmauer gründlich angeschaut und sich kurz beraten hatten, folgte die mündliche Verhandlung. „Wir haben erhebliche Zweifel, ob ein Bodendenkmal vorliegt“, stellte Oswald klar. Nach dem Denkmalschutzgesetz kommen dafür nämlich nur Funde infrage, die sich im Boden befinden und in der Regel aus vor- oder frühgeschichtlicher Zeit stammen. „Die Grenze liegt um das zehnte, elfte Jahrhundert“, sagte der Richter. Dass Fundstücke aus der Zeit davor im Boden bei der Eglfinger Kirche verborgen sind, sei von der Denkmalschutzbehörde aber nicht dargelegt worden, so Oswald. Somit würde das Bistum keine Erlaubnis zum Graben benötigen. Es darf dennoch nicht mit den Arbeiten an der Mauer beginnen. Weil die Friedhofsmauer höher als zwei Meter ist, benötigt das Bistum für jede Veränderung eine Baugenehmigung. Diese müsse erst eingeholt werden, stellte Oswald klar.

Nach längerer Diskussion einigten sich die Vertreter der Kirche und von der Mülbe darauf, dass das Landratsamt das Denkmalamt bittet, die im Boden vermuteten Denkmäler zu konkretisieren. Gleichzeitig bemüht sich die Kirchenstiftung schnell um eine Baugenehmigung. Beide Parteien beantragten, das gerichtliche Verfahren zunächst auszusetzen. Wenn die Baugenehmigung vorliegt und sich das Denkmalamt noch nicht geäußert hat, kann das Bistum somit mit der Sanierung der Friedhofsmauer beginnen. Wenn allerdings dabei ein Bodendenkmal auftaucht, müssen die Arbeiten sofort gestoppt werden.

Kathrin Hauser

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