Vom Sturm gebeugt: Der Bienenstand von Imker Georg Nagl hat das Unwetter Ende Juli nicht überstanden.
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Vom Sturm gebeugt: Der Bienenstand von Imker Georg Nagl hat das Unwetter Ende Juli nicht überstanden.

Kaum noch Blühpflanzen auf Wiesen und in Gärten

Nach schweren Unwettern in Oberbayern: Imker schlagen Alarm - Bienen in Gefahr

  • Kathrin Brack
    VonKathrin Brack
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Die Folgen des schweren Sturms Ende Juli stellen die Imker in den betroffenen Gemeinden und ihre Bienen vor Probleme. Durch die Unwetter wird ihnen etwa die Nahrungsgrundlage entzogen.

Tauting – Der Bienenstand ist in Schieflage geraten. Seit dem Sturm Ende Juli neigt sich der Bienenfreiständer, der normalerweise 20 Bienenkästen von Georg Nagls Bio-Imkerei beherbergt, gefährlich nach rechts. Seine Bienen hat der Imker aus Tauting weggebracht, „in die Sommerferien“, scherzt er. Dabei ist Nagl eigentlich nicht zum Scherzen zumute. Nachdem die Superzelle mit voller Wucht über den Landkreis hinweggefegt ist, war auch von den Blühpflanzen in den Gärten und auf den Wiesen nicht mehr viel übrig.

Superzelle wütet im Landkreis Weilheim-Schongau: Bienen geht die Nahrung aus

Nagl ist Imker im Nebenerwerb. Nach der Pensionierung bei der Telekom hat der 64-Jährige eine Ausbildung zum Fachwirt für Imkerei gemacht. Er imkert seit seiner Kindheit. Seit 14 Jahren verkauft er große Teile des Honigs an regionale Kunden. Seine Bienen muss er dafür allerdings wegbringen aus dem Oberland. „Hier heraußen ernten wir kaum Honig“, sagt er. Darum fährt er viele Bienenstöcke nach München. „Da blüht in Parks und Kleingärten mehr als auf unseren Wiesen.“

Milde Winter, die die Bienen zu früh aus der Winterruhe locken. Zu wenig Blühpflanzen auf den Wiesen. Und Wetterereignisse, die die verbleibenden Blüten und Pollen zerstören. „Die Wettersituation ist schwierig. Die letzten vier Jahre waren ganz schlecht.“ Nagl berichtet von Imkern, die große Verluste erleiden, weil ihre Bienen verhungern. Und die klagen, dass sie keinen oder kaum Honig ernten konnten.

„Das Bienenjahr 2021 war kein besonders gutes Honigjahr“, sagt auch Christoph Mayr. Der Vorsitzende des Imkerkreisverbands macht vor allem das kalte Frühjahr für die Ausfälle verantwortlich. „Die lang anhaltende Kälte hat nicht nur das Pflanzenwachstum gehemmt, sondern auch die Entwicklung der Bienenvölker.“ Derzeit hätten die Bienen jedoch „eine schöne Volksgröße“ erreicht. Für viele Imker komme das aber zu spät, sagt Nagl. „Es hilft dem Imker nichts, wenn er erst im August starke Völker hat. Haupterntezeit ist im Mai und Juni.

Nicht nur Wetterverhältnisse machen Bienen zu schaffen - „Lage aller Insekten ist dramatisch“

2022 Völker haben die im Verband organisierten 268 Imker im Altlandkreis Weilheim in ihrer Obhut, wobei Mayr hervorhebt, dass sich die Zahl der Imkerinnen in den letzten Jahren verdreifacht habe und bei 64 liegt. Im Altlandkreis Schongau kümmern sich 209 Imker um 1379 Völker. Dazu kommen die Imker, die nicht im Verband organisiert sind.

Nicht nur die Wetterverhältnisse machen den Bienen zu schaffen, sagt Georg Nagl. Er macht intensive Landwirtschaft als einen Grund dafür aus, warum es die Bienen in der Region immer schwerer haben. „Es geht mir nicht nur um die Bienen. Die Lage aller Insekten ist dramatisch.“ Besonders das häufige Mähen und Ausbringen von Gülle gefährde sie. „Viele Bauern mähen beim größten Insektenflug untertags, statt dass sie morgens oder abends fahren. Die Insekten haben überhaupt keine Chance, da rauszukommen.“

Christoph Mayr bestätigt, dass sich auch der Verband mit dem Thema auseinandersetzt. „Wir haben das schon vor Jahren diskutiert und ein Projekt in Auftrag gegeben“, sagt er. Über mehrere Jahre seien die Mähverluste beobachtet worden. „Ein signifikanter Verlust an Honigbienen durch die Mahden konnte jedoch nicht nachgewiesen werden.“ Für viele Landwirte sei es trotzdem bereits gängige Praxis, dass sie die Grünflächen nicht in der Hauptflugzeit mähen.

Bienen in Gefahr: Imker überzeugt - „Landwirtschaft muss zurückgefahren werden“

Bio-Imker Georg Nagl will die Landwirte nicht gängeln. Aber er ist überzeugt, „dass die Landwirtschaft zurückgefahren werden muss. Das geht nur, wenn die Bauern genug für ihre Arbeit bekommen. Die müssen davon leben können“, sagt der 64-Jährige. Es sei jedoch auffällig, dass gerade Oberbayern bundesweit seit Jahren die schlechtesten Honigerträge hat.

Nagl ist viel unterwegs in Sachen Bienen, spricht mit Landwirten und der Kirche, der große landwirtschaftliche Flächen gehören. Früher, sagt er, waren die Bauern eine Macht. Heute seien sie getrieben vom Preisdruck, dem Bauernverband und er Industrie. „Wenn die Bauern einfach wirtschaften können, hilft das auch den Insekten.“ Dann können ihnen auch Stürme nicht so viel anhaben.

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