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Klemens Holzmann regierte Eglfing 24 Jahre lang als Bürgermeister.

Eglfings Langzeit-Bürgermeister

Holzmanns Tipp zum Abschied

  • Andreas Baar
    VonAndreas Baar
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In Eglfing ging eine politische Ära zu Ende: Klemens Holzmann hörte als Bürgermeister auf. Stolze 24 Jahre war er im Amt – und blickt zufrieden zurück.

Eglfing – Klemens Holzmann wollte es seinen Eglfingern persönlich sagen. Bei der Bürgerversammlung. Und so geschah es an diesem Aprilabend des vergangenen Jahres im engen Keller des Sportheims. Er werde sich bei der Kommunalwahl im März 2020 nicht mehr bewerben, erklärte der Bürgermeister. „Nach guter Überlegung und in Absprache mit meiner Frau“ habe er sich dazu entschlossen. Jetzt endete Holzmanns Amtszeit – diese währte stolze 24 Jahre.

1990 in den Gemeinderat

Der heute 68-Jährige zog 1990 für die neue Wählergemeinschaft in den Gemeinderat ein, 1996 kandidierte er erfolgreich um den höchsten Posten im Dorf. Altbürgermeister Johann Achmüller hatte ihn gefragt, ob er nicht antreten wolle. Holzmann wollte. „Ich war im Dorf sehr bekannt.“ Der einst aktive Fußballer, gelernter Heizungsbauer und späterer Landmaschinenvertreter, war Vorsitzender des ASV – 26 Jahre führte er den Sportverein. Holzmann setzte sich dann bei der Kommunalwahl gegen Johann Nagl von der Bürgerliste durch. Bei den folgenden Wahlen hatte der Amtsinhaber keine Mitbewerber. 2014 wurde Holzmann mit 89,23 Prozent zum vierten Mal bestätigt. Der Bürgermeister hatte sich zurückgekämpft: 2010 stürzte er schwer, lag im Koma und auf der Intensivstation.

Keine Wehmut

Wehmut, dass seine Amtszeit nun vorbei ist? Holzmann schüttelt den Kopf. „Innerlich bin ich sehr zufrieden. Ich kann es gut wegstecken.“ Wobei, er räumt ein, dass ihm etwas fehlen wird. Zumindest „in der ersten Zeit“. Holzmann sitzt beim Gespräch mit der Heimatzeitung noch in seinem Rathausbüro und blickt auf den Schreibtisch mit den Unterlagen und Akten. „Ich war immer da.“ Eigentlich ist der Bürgermeister in Eglfing ein ehrenamtlicher Job, aber Holzmann wohnt direkt neben dem Rathaus – praktischer geht es nicht.

„Mit Leib und Seele gemacht“

Bereut habe er seinen Entschluss für die erste Kandidatur nie. „Ich habe es mit Leib und Seele gemacht.“ Die Liste an erfolgreichen Projekten ist lang. „Immer gemeinsam“ mit dem Gemeinderat, darauf legt er Wert. Er hebt die gute Zusammenarbeit hervor. Stolz sei er auf die Dorferneuerung. Die brachte dem Dorf ein saniertes Rathaus, den Erlebnisspielplatz, die Renaturierung des Hungerbachs, Bürgersteige an der Ortsdurchfahrt in Untereglfing und eine herausgeputzte Dorfstraße in Obereglfing. Auch Einheimischenmodelle für junge Familien gab es. Dass sich die Gemeinde alles leisten konnte, erfüllt Holzmann mit Zufriedenheit. „Schulden haben wir nie gehabt in meiner Zeit.“

Dorfjubiläum ein Höhepunkt

Dann war da die 1200-Jahr-Feier von 2007. „Da haben alle Bürger so gut mitgemacht.“ Und die Städtepartnerschaft mit Allumiere: Im Jahr 2000 unterzeichnete der Bürgermeister mit seinem italienischen Amtskollegen im Sportheim feierlich die Urkunde. Das oberbayerische 1100-Einwohner-Dorf ging eine europäische Freundschaft ein, das ist schon etwas Besonderes.

Dorfwirtschaft blieb Traum

Doch es gibt Projekte, die hätte Holzmann „gern noch fertiggemacht“. Den Bauhof, das Baugebiet „Steigfeld“, die Aussegnungshalle, den kommunalen Wohnungsbau in Tauting – dies hat er mit seinen Räten auf den Weg gebracht. Einen Wunsch konnte der Langzeit-Bürgermeister trotz aller Bemühungen allerdings nicht umsetzen: „Eine Wirtschaft, das wäre was gewesen.“ Nicht nur ein Gasthaus, sondern ein Objekt mit Gemeindesaal, Gästezimmern und Geschäften.

Keine Dorfpolitik mehr

Holzmann, verheiratet und Vater zweier Söhne, freut sich auf den politischen Ruhestand. „Der neue Abschnitt wird interessant.“ Er will Zeit mit seinen fünf Enkelkindern verbringen und Ehefrau Gerlinde unterstützen. Die Dorfpolitik soll tabu sein. „Wenn ich gefragt werde, kann ich weiterhelfen. Ansonsten werde ich mich nicht einmischen.“ Mit seinem Nachfolger Martin Fortmaier (Wählergemeinschaft) hat sich Holzmann bereits ein paar mal getroffen – der Neue samt Gemeinderat „sollen aber ihre eigenen Projekte entwickeln“. Einen Tipp hat er dennoch parat: „Ein Bürgermeister muss präsent sein und immer das Ohr an der Bevölkerung haben.“ Ein Rathauschef, hat Holzmann gelernt, muss jedoch eine Linie vorgeben, Projekt in die Wege leiten „und mit dem Gemeinderat ausarbeiten“. Vor allem brauche ein Dorfoberhaupt immer eines: „Du musst ein dickes Fell haben.“

Ein Amt bleibt

Ein Amt wird Holzmann nicht aufgeben: den Vorsitz im Heimat- und Museumsverein. Den führt er seit dessen Gründung 1999 als Vorsitzender. „Das bleibe ich“, sagt der 68-Jährige. Die Geschichte Eglfings bewahren, auch das hat er sich in all den Jahren auf die Fahne geschrieben.

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