Bau eines Stadels sorgt für Unmut

Vollendete Tatsachen am Berghof

Peißenberg - Der Bau eines Stadels sorgt im Bauausschuss nachträglich für Unmut. Das Landratsamt signalisiert seine Zustimmung.

 Wenn es etwas gibt, was die Mitglieder des Peißenberger Bauausschusses überhaupt nicht mögen, dann ist es, über vollendete Tatsachen abstimmen zu müssen – sprich, über Bauprojekte, die bereits in der Landschaft stehen. In der jüngsten Gremiumssitzung flatterte den Mandatsträgern wieder so ein Fall auf den Tisch.

Dabei ging es um einen Bauantrag zur Errichtung eines 57 Quadratmeter großen Weideunterstands für Mutterkuhhaltung auf dem westlichen Grundstücksareal des ehemaligen Kinderheims am Berghof. Der Stadelbau ging bereits im August über die Bühne, „damit die Tiere rechtzeitig für den Winter einen Unterstand haben“, erklärte Rudi Mach im Ausschuss. Der Gemeinderat der Peißenberger Liste wohnt am Berghof in unmittelbarer Nachbarschaft zur Antragsstellerin, Christa Probst, und ist mit dem Fall vertraut: „Das ist kein massiver Bau, sondern ein Holzstadel“, betonte Mach. „Frau Probst will ihn vom Ausschuss nachträglich absegnen lassen, damit alles seine Ordnung hat.“

Doch für das Gremium – Nicht-Ausschussmitglied Mach verfolgte die Sitzung als Gast – war die Angelegenheit eben nicht in Ordnung. Es verweigerte dem Bauprojekt zunächst das – nachträgliche – gemeindliche Einvernehmen und vertagte den Tagesordnungspunkt auf Antrag von Jutta Geldsetzer. Der Sachverhalt soll nun in der Marktratssitzung am kommenden Donnerstag geklärt werden. „Ich will nicht etwas absegnen, was bereits steht. Das geht nicht“, echauffierte sich die SPD-Rätin. „Man sollte der Antragsstellerin sagen, dass das anders gemacht werden muss“, schlug Fraktionskollege Peter Jungwirth in die gleiche Kerbe.

Dennoch: Der Bauausschuss respektive der Marktrat sitzt bezüglich der Entscheidungskompetenz – wie so oft in Bausachen – am kürzeren Hebel. Das gemeindliche Einvernehmen ist im Grunde nicht mehr als eine Formalie. Über den Bauantrag zum landwirtschaftlich privilegierten Stadelbau im Außenbereich befindet nämlich letztlich allein das Landratsamt – und die Kreisbehörde hat im konkreten Fall bereits positive Signale gesendet: „Eigentlich bräuchte ich als Landwirtin gar keinen Bauantrag“, erklärt Christa Probst auf Nachfrage der Heimatzeitung. „Man hat zu mir von Seiten des Landratsamts aber gesagt, ,Machen Sie halt einen Bauantrag, die Genehmigung erhalten Sie ja sowieso‘.“ Probst hat zuvor bereits beim zuständigen Landwirtschaftsamt nachgefragt und nach eigenem Bekunden grünes Licht für den Bau erhalten. „Ohne den Unterstand müsste ich meine Tiere wieder abschaffen. Wenn ich einen fahrbaren Stadel angeschafft hätte, dann hätte ich sogar Zuschüsse bekommen.“ Probst, die Inhaberin der Organisationsberatungsfirma „cp“ ist, züchtet die vom Aussterben bedrohte Rinderrasse der „Murnau-Werdenfelser“. Die Herde umfasst sechs Mutterkühe und einen Ochsen: „Ich habe gedacht, ich tue mit der Zucht etwas Gutes“, beteuert Probst. Den Bauausschuss habe sie „keinesfalls brüskieren“ wollen: „Ich wollte nichts Schlechtes – im Gegenteil.“

Ohne Diskussionen abgesegnet wurden vom Bauausschuss übrigens Probsts Anträge zum Bau von Seminarräumen im Nebentrakt und zum Anbau eines Balkons am Hauptgebäude ihres Berghofanwesens. „Ich gehe jetzt davon aus, dass das nicht auch schon alles gebaut ist“, scherzte Marktbaumeister David Oppermann vor der Abstimmung.

Bernhard Jepsen

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