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„Einschüchterungs- und Erpressungsversuche aus dem Rat“

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Thomas Feistl bei seiner Wiederwahl als Bürgermeister im März 2020.
Thomas Feistl bei seiner Wiederwahl als Bürgermeister im März 2020. © HEIGL/ARCHIV

Oberhausens Bürgermeister Thomas Feistl legte am Donnerstagabend überraschend sein Amt nieder.

Oberhausen – Nach acht Jahren als erster Bürgermeister der Gemeinde Oberhausen wirft Thomas Feistl das Handtuch: In einem Schreiben an alle Ratsmitglieder hat er am Donnerstagabend um seine Entlassung zum nächstmöglichen Zeitpunkt gebeten.

Ein vertrauensvolles Miteinander sei nicht mehr möglich, stellt Feistl fest und spricht von „einer Tortur immer wiederkehrender Angriffe auf meine Person“. Die Art und Weise, mit ihm umgegangen werde, lähme ihn in seiner Arbeit als Bürgermeister und somit letztlich die Gemeinde.

Dabei gehe es nicht in erster Linie um den Umgang im Gemeinderat untereinander, der bisweilen weit unter die Gürtellinie reiche. „Vielmehr geht es um Angriffe, Vorwürfe und Anschuldigungen gegen mich persönlich, die in ihrer Häufigkeit und verletzenden Art und Weise mittlerweile eine rote Linie überschritten haben.“

Deshalb hält Feistl eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr möglich, betont er in seinem Rücktrittsgesuch: „Das Verhalten einiger Ratsmitglieder macht mich fassungslos!“

In seinem Schreiben räumt er eigene Fehler ein und betont, dass kontroverse Diskussionen und politische Auseinandersetzungen zu einer Demokratie gehörten. Doch müsse er sich mittlerweile zu oft um kommunalrechtliche Fragestellungen statt um seine eigentliche Aufgabe kümmern.

Das liege daran, dass es seit längerer Zeit „immer wieder haltlose Vorwürfe“ bezüglich seiner Amtsführung gebe. „Dies führt schließlich zu gegenseitigem Vertrauensverlust“, sagte Feistl gestern Abend bei einem Gespräch mit der Heimatzeitung.

Die Entscheidung zum Rücktritt sei ihm nicht leicht gefallen, „aber nach längerem Ringen ging es nicht mehr anders, auch aus Rücksicht auf meine Familie und gesundheitlichen Gründen – das Klima im Gemeinderat kann man nur als unterirdisch bezeichnen“.

Er wolle sich nicht ständig für jedes Detail rechtfertigen müssen: „Ich komme mir regelmäßig vor, als stünde ich als Angeklagter vor Gericht!“ „Einschüchterungs- und Erpressungsversuche aus dem Ratsgremium“ sowie Angriffe während seiner Corona-Erkrankung hätten das Fass nun endgültig zum Überlaufen gebracht. „Es erfüllt mich mit einer Mischung aus Traurigkeit und Wut!“

Künftig will sich Thomas Feistl seiner Aufgabe als Geschäftsführer bei der 17er Oberlandenergie widmen. Er ist seit mehr als 15 Jahren Mitglied des Oberhauser Ratsgremiums, davon knapp acht Jahre erster Bürgermeister. In seine Amtszeit fielen zahlreiche wichtige Projekte wie zum Beispiel der Bau des Kinderhauses, die Anschaffung eines Feuerwehrfahrzeugs, die Schaffung der Baugebiete Alpenblick II und Berger Au, Bau und Umsiedlung des Bauhofes in das Gewerbegebiet oder die Sanierung und Umnutzung des Rathauses.

Dem Antrag auf Entlassung aus dem Ehrenamt spätestens zum 31. Januar muss der Gemeinderat in seiner nächsten nichtöffentlichen Sitzung zustimmen. Danach wird das Landratsamt einen Termin zur Neuwahl eines Bürgermeisters festsetzen; wann das genau sein wird, stand am Donnerstag bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

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