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Besuchermagnet ohne Gastronomie

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Von: Bernhard Jepsen

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Großer Andrang herrschte auch gestern wieder beim Publikumslauf bei Silvia Schäfer am Kiosk. © Ralf Ruder

Was im Sommer die „Rigi-Rutsch´n“ ist, das ist in den Herbst- und Wintermonaten das Eisstadion: Kein anderer Platz in Peißenberg wird in der kalten Jahreszeit so stark frequentiert wie die Eishalle. Doch die „Begegnungsstätte“ hat einen Makel. Es fehlt an einem gastronomischen Angebot.

Peißenberg – Die Zahl spricht für sich: Rund 7600 Menschen, so hat es TSV-Präsident Stefan Rießenberger hochgerechnet, passieren während der Eislaufsaison pro Monat die Eingangspforte des Peißenberger Eisstadions. Eingerechnet sind darin unter anderem die Zuschauer der „Eishackler“-Punktspiele in der Bayernliga, die Eiszeiten der sieben TSV-Nachwuchsmannschaften und die Spiele aller Hobby-Mannschaften.

Doch der Betrieb fokussiert sich nicht nur auf Eishockey. Das Kunsteisstadion, das vor rund 30 Jahren überdacht worden ist, wird ebenso für Publikumsläufe genutzt und den Stockschützen sowie der neu gegründeten TSV-Eiskunstlaufsparte zur Verfügung gestellt. Und unter der Woche ist die Eisfläche an den Vormittagen für die Schulen reserviert – und das nicht nur für die örtlichen Lehranstalten. Mehrere auswärtige Schulen wie das Gymnasium Weilheim oder die Grund- und Mittelschule Huglfing sind regelmäßig zu Gast in der Eishalle an der Pestalozzistraße.

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Auch von den Hobbymannschaften kommen viele nicht aus Peißenberg, sondern zum Beispiel aus Weilheim, Dießen, Wielenbach und Oberhausen. Wenn man so will, dann ist das Eisstadion also eine Infrastruktureinrichtung nicht nur für Peißenberg, sondern für den Landkreis.

Ernsthaft beim Kreistag wegen Zuschüssen angeklopft hat man aber noch nicht. Das wäre aussichtlos, heißt es von Seiten des TSV und der Rathausverwaltung. Ohne die gemeindlichen Subventionen, das ist kein Geheimnis, könnte das Eisstadion nicht betrieben werden. Knapp 100 000 Euro schießt der Markt jedes Jahr hinzu. Zuletzt wurde eine Finanzierungsbeteiligung von 200 000 Euro für den Bau von neuen Umkleidekabinen in Aussicht gestellt (wir berichteten).

Der Stadionbetrieb ist extrem aufwendig – nicht nur finanziell. Ein gutes Dutzend an Minijobbern und ehrenamtliche Helfer sorgen im Schichtwechsel dafür, dass die knapp 100 Betriebsstunden in der Woche abgedeckt werden können. An Werktagen dreht der Zamboni (Eisaufbereitungsmaschine) erst weit nach Mitternacht seine letzten Runden. Erst dann gehen in der Halle die Lichter aus – was in anderer Hinsicht wiederum ein Problem ist.

Die „Begegnungsstätte“ hat nämlich kein gastronomisches Angebot. „Es gibt keine Möglichkeit für die Geselligkeit“, bedauert Stefan Rießenberger. Im provisorischen „Fledermausstüberl“ sind die Kapazitäten begrenzt. Meist trinken die Hobby-Mannschaften noch schnell in der Kabine ihr Feierabendbierchen. Doch viel Zeit dazu bleibt nicht, weil die nächsten Eiszeitnutzer vor der Tür stehen oder die Halle irgendwann schließt. Auch bei größeren Jugendturnieren fehlen adäquate Aufenthaltsräume.

Die Nachwuchsspieler werden dann in der Mittelschulmensa verköstigt. „Aber 80 Prozent der Auswärtsmannschaften kommen mit großen Bussen, in denen viele Eltern mitfahren. Für die haben wir keine Angebote und nichts zum Essen“, erklärt Rießenberger: „Ich bin überzeugt davon, dass man aus dem Eisstadion noch viel mehr rausholen könnte.“

Ein Beispiel: Seitdem beim Publikumslauf ein Kiosk geöffnet hat, sind die Besucherzahlen um 40 Prozent gestiegen. Der TSV-Präsident plagen momentan aber vordergründig andere Sorgen. Es braucht Ersatz für die maroden Umkleidekabinen. Rießenberger will im Januar mit Gemeindevertretern und Baufachleuten nach Österreich zu einer Besichtigungstour starten. Es sollen Containerbauten begutachtet werden. Unumstritten ist die Leichtbauvariante innerhalb des TSV nicht, das weiß auch Rießenberger. Doch einen „Plan B“ gibt es ihm zufolge derzeit nicht.

Was also ist, wenn die Anschaffung von Containern doch über die Kostengrenze von rund 750 000 Euro hinausschießen wird? „Ich weiß es nicht“, sagt Rießenberger. Nicht nur in diesem Zusammenhang, sondern ganz generell stellt sich die Frage, ob das Eisstadion in zehn Jahren in seiner heutigen Betriebsstruktur noch existieren kann. „Wenn die Ehrenamtlichen nicht aussterben, dann ja“, meint Rießenberger: „Wenn man die freiwilligen Helfer jedoch bezahlen müsste, dann würde es nicht mehr gehen.“

Nach der Saison wird der TSV der Gemeinde einen Bericht über den technischen und baulichen Zustand der Eishalle vorlegen. „Auch wenn immer etwas Unvorhergesehenes kommen kann“, rechnet Rießenberger nicht mit größeren Mängeln. „Die Statik und die bauliche Substanz der Halle sind top.“

Bernhard Jepsen

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