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Eine fantastische Homogenität bewies „Concerto Melante“ in Iffeldorf. 

iffeldorfer Meisterkonzerte

Emotion, Dramatik, funkelndes Spiel

Iffeldorf - Das Ensemble „Concerto Melante“ entführte in die Welt des italienischen Barock. Es war ein Abend voller Dramatik und Emotion.

Es gibt kein schöneres Kompliment für Konzertveranstalter als den Wunsch eines renommierten Ensembles, nach erfolgreichen Auftritten wieder kommen zu dürfen. Reimar Orlovsky, Gründer und Sprecher des Berliner „Concerto Melante“, hob in seiner kurzen Begrüßungsansprache ausdrücklich hervor, wie gerne man vor dem Iffeldorfer Publikum musiziere. Auch der Bayerische Rundfunk war am Samstag zu Gast, um das Konzert der acht Damen und Herren aufzuzeichnen, die mittlerweile zur absoluten Spitzenklasse der Spezialisten für Barockmusik zählen.

Das Motto „La dolce vita“, unter das die Künstler ihren dritten Auftritt im voll besetzten Gemeindezentrum gestellt hatten, könnte auf den ersten Blick falsche Assoziationen wecken. Doch nicht das Klischee vom Urlaubs-Italien der Gegenwart war gemeint, sondern eine Entführung in die Welt des italienischen Barock. Legendär die Feste und Lustbarkeiten in den Zentren Rom, Neapel und Venedig, wo nicht nur Maler und Architekten, sondern auch jene Komponisten wirkten, deren Musik auf dem Programm des Abends stand. Hier entstand auf dem strengen Fundament des „basso continuo“ jener Musikstil des Concerto und der Sonata, in dem. das ganze Lebensgefühl einer gesellschaftlichen Schicht musikalische Gestalt bekam. Die Anziehungskraft dieser von Katholizismus und Gegenreformation geprägten Musik war so stark, dass ihre Formen und Mittel auch bald Eingang in die eher bilderfeindliche Welt des protestantischen Nordens von Deutschland fanden.

Dem „Concerto Melante“ gelang es meisterlich, nicht nur diesen Musikstil, sondern die individuellen Nuancen der italienischen Meister hörbar zu machen. Die Geiger Reimar Orlovsky, Philipp Bohnen, Johannes Pramsohler und Marie Radauer-Plank rückten die hohe Violinkunst des italienischen Barock mit differenzierter Ausdruckskraft und stupender, spielerisch geradezu heiter erscheinender Virtuosität ins rechte Licht. Der Wechsel an den Pulten bewies, dass jeder den Part des anderen spielen kann, was eine fantastische Homogenität ergibt.

Ebenso präzise und traumwandlerisch sicher gelang das auf übertriebene Terrassendynamik verzichtende Wechselspiel von Solo und Tutti. Hier waren Bernadett Kis (Viola) und Kristin von der Gottz (Violoncello) ebenbürtige Partnerinnen der Violinen.

Léon Berben am Cembalo und der an seiner klangvollen Violone sich selbstbewusst meldende Ulrich Wolff bildeten das unbeirrbare Generalbass-Fundament. So kamen das robuste Auftrumpfen und die geheimnisvolle Abgründigkeit Vivaldis ebenso zur Geltung wie das Eintauchen in die eher duftige, verspielte Welt eines unbekannten, aber sehr geistvollen Komponisten der Epoche.

Attraktion des Abends war die Bekanntschaft mit drei von zwölf vor kurzem entdeckten Sonaten des venezianischen Violinisten und Komponisten Domenico Gallo (1730-1768). Sein Entdecker Reinhard Goebel charakterisiert sie als „dynamisch, facettenreich, voller virtuoser Brillanz, wunderschöner Klangfarben und reizvoller lyrischer Passagen, die an Strahlkraft und Intensität ihresgleichen suchen“.

Alle diese Eigenschaften legten die Musiker mit leidenschaftlicher Emotion und Dramatik sowie funkelndem und sprühendem Spiel meisterhaft frei. Das von ihnen aufgelegte Label mit allen zwölf Sonaten ist daher ein wahres Schatzkästlein. Eine kleine Panne konnte die lockere, familiäre Atmosphäre des Konzertabends nicht trüben.

Nächster Termin

der Iffeldorfer Meisterkonzerte ist am Samstag, 23. April, ab 19 Uhr: Es spielen Felix Klieser (Horn) und Christof Keymer (Klavier). Karten gibt es unter der Telefonnummer 08856/3695.

Heribert Muser

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