"Energiewende muss Spaß machen"

Peißenberg - Fachleute warben im Gemeinderat Peißenberg für ein Energiekonzept. Bevor das die Bürger allerdings im Geldbeutel spüren, kommt es die Gemeinde erst einmal teuer.

Eberfing hat eines, Bernried hat eines und für Peißenberg soll vielleicht bald eines entwickelt werden: Die Rede ist von einem Energienutzungskonzept - mit dessen Hilfe soll die Versorgung an die voraussichtliche Entwicklung des Energiebedarfs angepasst werden. So können Gemeinden sehen, welche energetischen Sanierungen notwendig sind und wie alternative Energien eingesetzt werden können. Den Stein ins Rollen hatte in Peißenberg die Fraktion der Peißenberger Bürgervereinigung gebracht (wir berichteten). Sie stellte Anfang Juli im Marktrat einen Antrag, wonach Kosten und Nutzen eines Energienutzungsplans eruiert und dargestellt werden sollten.

Und so referierten in der jüngsten Gremiumssitzung Andreas Scharli und Stefan Drexlmeier von der Bürgerstiftung „Energiewende Oberland“ (EWO) ausführlich über das Thema. Die Kernaussage: Aufgrund der positiven Rahmenbedingungen könnte der Entwicklungsprozess für das Konzept in Peißenberg schneller über die Bühne gehen als in anderen Gemeinden. Grundsätzlich, so erläuterte Scharli, seien die Probleme hinsichtlich der Energiewende in allen Kommunen die gleichen: „Es stellt sich immer die Frage: Wie finanziere ich das Ganze, und wie schaffe ich es, möglichst viele Bürger dafür zu begeistern?“

Peißenberg verfüge jedoch über gute Startbedingungen. Zum Beispiel würde über die Gemeindewerke bereits ein umfangreiches und aussagekräftiges Datenmaterial zum Stromverbrauch in den privaten und öffentlichen Gebäuden vorliegen. Zudem gebe es am Ort eine Energiegenossenschaft („Die hat zwar noch Geburtswehen, aber das ist normal.“) und zwei Kaminkehrerfirmen, „die nicht nur die Kamine putzen, sondern auch als Energieberater tätig sind“. Ohnehin sei es wichtig, die heimischen Betriebe in die Überlegungen mit einzubeziehen: „Das ist der Schlüssel. Ohne Beteiligung des Handwerks wird es kein Konzept geben“, versicherte Scharli.

Nach Einschätzung der Experten würde es etwa ein Jahr dauern, für Peißenberg ein Energienutzungskonzept anzufertigen. Das Endprodukt wäre ein Strategieentwurf samt Maßnahmenkatalog. Bei der anschließenden Umsetzung sei dann aber Geduld gefragt: „Der Aufbau der Infrastruktur dauert. Man muss den Bürgern Zeit geben“, betonte Scharli: „Ich kann von niemandem verlangen, seine erst acht Jahre alte Heizung rauszureißen. Auch die Gebäudesanierung braucht viel Zeit.“ Laut Drexlmeier darf die Energiewende zudem „nicht dröge daherkommen“. Vielmehr müsse sie „Spaß machen“, und „die Leute müssen sie in ihrem Geldbeutel spüren“.

Die Erstellung eines Energienutzungskonzepts würde aber zunächst einmal die Gemeinde an ihrem Geldbeutel spüren - allerdings nicht im positiven Sinne. Scharli bezifferte den Kostenrahmen ohne Berücksichtigung von Fördermitteln auf etwa 20 000 bis 40 000 Euro. Die Entscheidung, ob für Peißenberg ein Energiekonzept entworfen wird, soll nach der Sommerpause in der September-Sitzung des Marktrats fallen.

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