50 Jahre lang hat Franz Auer Artikel des „Weilheimer Tagblatts“ gesammelt. Sie stehen rechts auf dem Tisch. Im Hintergrund ist ein Teil von Auers Foto-Archiv zu sehen. Foto: RR

Erinnerungen in 68 Bänden

Peißenberg - Zeitungsartikel, Fotos und sogar die eigenen Tagebücher: Franz Auer hat das alles archiviert. Ein Besuch bei ihm.

Wenn Franz Auer im kleinen Raum im ersten Stock seines Wohnhauses steht, dann strahlt er übers ganze Gesicht. Hier oben, in seinem ganz persönlichen Archiv, könnte er Stunden verbringen. Und jeder andere, der sich für Peißenberg und seine Umgebung interessiert, auch. Das Zimmer ist voll mit Fotos und selbst erstellten Zeitungsbänden. Über Jahrzehnte wuchs und wuchs die Sammlung. Nun ist sie abgeschlossen. „50 Jahre. Ende“ steht auf einem Album mit rotem Umschlag. Das Leben schreibt zwar weiter neue Geschichten, aber für Auer ist „jetzt Schluss“ mit Sammeln, sagt er und lächelt. Die Zeitung ist längst auf Computer und Smartphone erreichbar, alles in der digitalen Welt gespeichert. Da braucht’s kein eigenes Archiv mehr, findet Auer. „Zumal ich inzwischen über 80 Jahre alt bin.“ Um genau zu sein: 83.

Auer sammelte mehr als sein halbes Leben lang Zeitungsartikel. In den 1960er Jahren begann er damit, „alles, was sich in Peißenberg und drumherum tat, festzuhalten“. Anfangs interessierte Auer vor allem der Bergbau, er selbst hatte in der Elektrowerkstatt des Peißenberger Bergwerks gearbeitet. Später wurde seine Sammlung vielfältiger. Und so kamen insgesamt 68 Bände zusammen. Er überlegt, sie dem Marktarchiv zu übergeben.

Derzeit liegen die Bände aber noch auf einem Tisch in Auers erstem Stock. Er greift sich das letzte Buch, schlägt es auf. Die aus seiner Sicht interessantesten Stellen hat er markiert, manche Artikel sauber handschriftlich kommentiert. Auf den Seiten finden sich Berichte über Peißenberg - von der Lokalpolitik, den „Eishacklern“ und den Vereinen. Dazwischen hat Auer auch einen Artikel über den Tod von Helmut Schmidt oder einen Bericht zu Leonhard Geiger, der bei „Bauer sucht Frau“ seine große Liebe suchte, eingeklebt. Zusätzlich führte er noch Bände zu einzelnen Themen - zum Bergbau, der Umgehungsstraße und St. Barbara zum Beispiel. „Jeden Tag habe ich die Artikel rausgeschnitten und eingepappt“, sagt er und grinst. „Das war ein Spaß.“

Aber irgendwann „muss man mit allem aufhören“, sagt er ganz ohne Groll. So war es auch mit einer weiteren Leidenschaft, dem Bergsteigen. Früher ist Auer gern auf die Gipfel gekraxelt - allein 70 mal stand er in über 3000 Metern Höhe. „Klettersteige bin ich gegangen, Klettern war ich weniger.“

Und oft dabei war die Fotoausrüstung. Seit den 1950er Jahren hielt Auer fest, was ihm vor die Linse kam. Auch davon findet sich viel in seinem Zimmer im ersten Stock. Wie viele Fotos er wohl hat? Da ist Auer ratlos. „Ich habe ja schon viele weggeschmissen.“ Die, die er noch hat - sicher Tausende - zeigt er aber auch gern her. Auer ist bekannt für seine Bilderschauen. „Demnächst habe ich meine 1186.“, sagt er stolz. Zwar bekam Auer zum 80. Geburtstag eine digitale Kamera geschenkt, so richtig reizt ihn die Technik aber nicht. Er hat ohnehin keinen Computer - und will auch keinen. „Das ist was für junge Leute“, sagt er und winkt ab.

Auer lächelt und schaut durch den Raum. Wer glaubt, mit tausenden Fotos und zahlreichen Zeitungsbänden ist von dem kleinen Zimmer schon alles erzählt, der täuscht sich. An einer Wand sind Fotos der Familie, davor stehen Erinnerungsstücke. „Für den besten Opa“ steht auf einem. Und der ist ein glücklicher noch dazu. Auer schwärmt von seiner Familie, die er mit Ehefrau Elisabeth hat. „So schön das Bergsteigen war, das Schönste ist die Zeit mit unseren drei Töchtern und vier Enkeln.“

Und dann geht Auer zum hinteren Eck des Raums und lüftet einen Vorhang. Er grinst. „Das ist hier das eigentlich Interessante“: Sein persönlichstes Archiv - 16 Bände Tagebuch. Was da wohl drin steht? Bleibt geheim!

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