+
Sechs Bürgermeisterkandidaten ließen sich am Dienstag in der Stadthalle von Moderator Lui Knoll (Mi.) auf den Zahn fühlen: (v.l.) Markus Loth, Horst Martin, Saika Gebauer-Merx, Angelika Flock, Romana Asam und Manuel Neulinger. 

Podiumsdiskussion des Gewerbeverbands

Der erste Schlagabtausch der Bürgermeisterkandidaten: Wo sind eigentlich Weilheims Defizite?

  • schließen

Er verlief eher brav, der erste Schlagabtausch der Weilheimer Bürgermeisterkandidaten. Und doch wurden bei der Podiumsdiskussion des Gewerbeverbandes am Dienstagabend in der Stadthalle auch Unterschiede deutlich. Und das nicht nur in Sachen „Umfahrung“.

Weilheim – Tatsächlich, die Beschwörungsformel vom „lebens- und liebenswerten Weilheim“, das es zu erhalten gelte (und zwar, bitteschön, ohne „stehen zu bleiben“), fiel schon im allerersten Satz. Und drei Stunden später hatte man das Gefühl, dass wirklich jeder der sechs Bewerber fürs Bürgermeisteramt diesen Ausdruck an diesem Abend bemüht hatte. Es seien „keine großen Defizite in Weilheim feststellbar“, resümierte am Ende auch Hans-Georg Geist, Vorsitzender des heimischen Gewerbeverbandes, der zu diesem Podium unter dem Motto „Bitte Karten auf den Tisch!“ eingeladen hatte. Den „heißen Atem des Wahlkampfs“ habe er jedenfalls noch nicht verspürt. Nun, es sind ja noch 100 Tage Zeit bis zur Kommunalwahl am 15. März.

Lesen Sie auch: Das sind die Weilheimer Bürgermeisterkandidaten

Dann können die Weilheimer zwischen durchaus unterschiedlichen Persönlichkeiten wählen. Bürgermeister Markus Loth (51, BfW), seit 2002 im Amt, warf in der Vorstellungsrunde in die Waagschale, seine „erfolgreiche Arbeit mit aller Kraft und Schwung fortführen“ zu wollen. Bislang fünf Herausforderer würden jedoch gern an seine Stelle rücken. Etwa Romana Asam (61, FW), die sich als „Mensch der Taten und nicht vieler Worte“ charakterisierte. Angelika Flock (60, CSU) will „Weilheim in eine sichere Zukunft führen – unter Wahrung einer christlichen Werteorientierung“. Saika Gebauer-Merx (49, FDP) versprach „Visionen, die in Weilheim nicht Mainstream sind“. Horst Martin (60, SPD), bisher 2. Bürgermeister, hätte gern das Amt des Rathaus-Chefs, „weil die Rahmenbedingungen jetzt und sofort ein Umdenken erfordern und ich Kraft und Visionen dafür habe“. Und Manuel Neulinger (41, Grüne) will die bisher vermisste Nachhaltigkeit in die Stadtpolitik bringen. Dass er als einziger der sechs Kandidaten noch nicht im Stadtrat sitzt, sieht er als Vorteil: So könne er, „unbelastet von allen bisherigen Scharmützeln“, für frischen Wind sorgen.

Fünf Themenschwerpunkte waren gesetzt

Fünf Themenschwerpunkte hatte der Veranstalter für diese Diskussion gesetzt, die knapp 250 Besucher verfolgten: Gewerbe, Verkehr, Wohnraum, Lebensqualität und „Perspektiven für das Oberzentrum Weilheim“. Dieses biete „Kleinstadtcharme gepaart mit Metropolkönnen“, so wurde Flock fast lyrisch, und ihm stünde eine Hochschule so gut an wie die Wiederöffnung der Geburtsstation im Krankenhaus, wie sich alle einig waren. Dass die Kreisstadt für Letztere nicht die Mindestzahl an Geburten aufweise, veranlasste BR-Korrespondent Lui Knoll, der den Abend bestens vorbereitet und zugleich locker moderierte, zu dem schönen Appell: „Weilheimer, schaut’s weniger Fernsehen! Denn der Bedarf schafft auch eine Nachfrage.“

Lesen Sie auch: Der Au-Weiher braucht dringend Hilfe

Einig waren sich die Kandidaten auch, dass Weilheim angesichts „Achalaich“ und frei werdender Flächen etwa im Trifthof auf absehbare Zeit keine neuen Gewerbegebiete brauche (wie es auch nicht neue Wohnbauareale „außen“ geben solle, sondern Verdichtung im Innenraum). Asam will, dass Betriebe künftig eher in die Höhe bauen. Gebauer-Merx forderte niedrigere Gewerbesteuersätze, um mehr Gewerbe nach Weilheim zu locken – während Martin skeptisch ist, „ob mehr Gewerbe immer mehr Gewerbesteuer bedeutet“. „Gewerbe braucht Anbindung“, so schlug Flock den Bogen zum Thema „Verkehr“.

„Erweiterung der Fußgängerzone würde Gewerbe schaden“

Eine Erweiterung der Fußgängerzone würde laut Flock, Asam und Loth dem Gewerbe schaden. Martin aber kündigte an, das Thema „nach einer Schamfrist vielleicht wieder zu bringen“. Wäre eine Innenstadt für Kunden nur mit Parkplätzen attraktiv, „dann dürfte in der Kaufingerstraße in München überhaupt keiner einkaufen“, fügte Neulinger an.

In puncto „Lebensqualität“ forderte Lui Knoll die Kandidaten auf, mal zu träumen: „Wenn Sie ein paar Wünsche frei hätten...“ – dann bekäme Weilheim gleich drei, vier neue Kindergärten, ein neues Hallenbad, Bolzplätze, eine Jugendstil-Markthalle, wieder einen Theatersommer... Aber dann war für diesen Abend erst mal die Zeit um.

Ein weiteres Podium

mit Weilheims Bürgermeisterkandidaten gibt es am Dienstag, 28. Januar, 19 Uhr, in der Stadthalle – veranstaltet von der Heimatzeitung.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Podiumsdiskussion in Wielenbach: Drei Kandidaten, 300 Besucher
„Es ist eine einmalige Veranstaltung“, so Andreas Rutzmoser zur Podiumsdiskussion mit den drei Bürgermeisterkandidaten in Wielenbach. Über 300 Besucher waren am Dienstag …
Podiumsdiskussion in Wielenbach: Drei Kandidaten, 300 Besucher
Abschluss an der Berufsschule Schongau: „Da draußen wartet man auf Sie“
123 gut ausgebildete Fachkräfte haben im Winter an der Staatlichen Berufsschule Schongau ihren Abschluss gemacht. Fünf von ihnen mit der Traumnote 1,0. 35 Schüler wurden …
Abschluss an der Berufsschule Schongau: „Da draußen wartet man auf Sie“
Ökologisch in den Traumurlaub - eine Idee aus Habach
Der Habacher Klaus Ehrl hat mit einem Geschäftspartner ein neues Urlaubsportal gegründet. Die Idee: Pauschalurlaubern ein klimafreundlicheres und individuelles Reisen …
Ökologisch in den Traumurlaub - eine Idee aus Habach
„Weilheimer Schule“ in Togo eingeweiht
Die „Weilheimer DERPART-Schule“ in Kagnigbara/Togo ist eröffnet – und das ganze Dorf voller Dank, wie Initiatorin Uta Orawetz von der Einweihung am 10. Februar …
„Weilheimer Schule“ in Togo eingeweiht

Kommentare