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Der „Alte Bahnhof“ um 1940: 1866 wurde er an der Haltestelle Unterpeißenberg errichtet. 

vor 150 jahren

Erster Halt: Unterpeißenberg

Am 1. Februar  1866 wurde die Bahnstrecke zwischen Peißenberg und Weilheim eröffnet. Der erste Halt war Unterpeißenberg.

Es war der 1. Februar 1866 – also vor genau – 150 Jahren, als die Bahnstrecke zwischen Weilheim und Unterpeißenberg, heute „Peißenberg Nord“, eingeweiht wurde. Vier Jahre hatten die Bauarbeiten für die 6,19 Kilometer lange Strecke gedauert. Die Verbindung wurde 31 Jahre nach Eröffnung der ersten Bahnstrecke Deutschlands von Nürnberg nach Fürth und zwölf Jahre nach Inbetriebnahme der Strecke München – Starnberg freigegeben. Die Verkehrsentwicklung hatte zu dieser Zeit politische, wirtschaftliche und kulturelle Folgen – natürlich auch für Peißenberg.

1929 umbenannt in „Peißenberg Nord“

Die Haltestelle hieß erst ab 1929 „Peißenberg Nord“, zuvor eben „Unterpeißenberg“, wie auch der ganze Ort bis 1919. Einige Jahre nach der Eröffnung, im Jahre 1875, wurde die Bahnlinie verlängert und die „Station Sulz“ entstand, heute ist diese der eigentliche Bahnhof in der Ortsmitte. Das erste Bahnhofsgebäude, der sogenannte „Alte Bahnhof“, wurde 1865 etwas abseits der Gleisführung und des Ortes errichtet.

Und am 1. Februar 1866 war es dann soweit. Von vielen Bürgern und Honoratioren mit Segenswünschen angefeuert, fuhr die Lokomotive namens „Mittenwald“ von Unterpeißenberg über Weilheim nach Tutzing, von dort gab es Anschluss nach München. Für die gesamte Strecke brauchte der Zug drei Stunden, im Winterfahrplan 1873/74 war es schon eine halbe Stunde weniger.

Ab Mitte 1866 waren zwei Zugpaare täglich unterwegs. Man ließ sich das ganze Unternehmen viel kosten. Beispielsweise baute der Maurermeister Gollwitzer die Strecke Ammerbrücke – Unterpeißenberg für 86 000 Gulden, ist im „Heimatlexikon“ des Chronisten Max Biller zu lesen.

Vertrieb der Kohle

Kohletransporte gingen von Unterpeißenberg hauptsächlich in verschiedene Regionen Bayerns. Nun gab es zwar den Zug, jedoch musste die Kohle noch vom Bergwerk zur Station „Alter Bahnhof“ transportiert werden, das war ein gutes Stück Entfernung für die Pferdefuhrwerke, die auf ihrem Weg zum Verladegleis oft bis zur Achse im Morast versanken. So berichtete es die „Weilheimer Zeitung“ 1966 zum 100. Jahrestag der Strecke.

1868 erhielt das Bergwerk die Genehmigung, den Anschluss direkt bis zum späteren Tiefstollen zu verlängern. Diese knapp drei Kilometer zur neuen Station waren 1875 fertig, freigegeben zunächst für die Werkbahn des Bergwerks, doch ab 1880 auch für den Personenverkehr. Anfangs hieß der neue Halt „Station Sulz“, dann aber einfach „Peißenberg“.

König und Kaiser

Der „Alte Bahnhof“ in Unterpeißenberg war stark frequentiert. Und für hohen Besuch musste sogar ein „Königssalon“ angebaut werden, „da der Hofzug des Königs Ludwig II. nach Fertigstellung der Bahnlinie nunmehr bis Unterpeißenberg fahren konnte“, steht bei Biller. Der König kam häufig mit seinem Sonderzug hier an, hielt sich hin und wieder im Gasthof „Zur Post“ auf, bevor ihn seine Pferdekutsche weiter nach Schloss Neuschwanstein brachte. Das letzte Mal kam er am 12. Juni 1886 von dort. Man hatte ihn entmündigt und brachte ihn nun nach Berg bei Starnberg, wo er einen Tag später im See umkam. Auch Kaiser Wilhelm I. nutzte zumindest einmal die Strecke. Am 8. September 1871 fuhr er, ebenfalls per Sonderzug, bis Unterpeißenberg, stieg auf eine Kutsche um und ließ sich nach Hohenschwangau zu seiner Cousine, Königin Marie von Bayern, bringen. 1881/82 wurde der Königssalon laut Heimatlexikon bereits wieder abgebrochen.

Gäste für das Bad Sulz

Nachdem ab 1880 die Bahn auch der Personenbeförderung diente, erhielt das schon länger über die Region hinaus bekannte „Bad Sulz“ vermehrt Gäste für seine Heilkuren. Die Betreiber des Hotels „Bad Hohen-Sulz“ warben auf ihrem Prospekt nicht nur mit den Eisen- und Schwefelquellen, sondern darüber hinaus mit „5 Minuten von der Station Peißenberg“ und „Hoteldiener am Bahnhof – Fuhrwerk im Haus“. Laut Billers Recherchen kamen in der Sommersaison 1882 zwischen April und September 350 Personen.

Stilllegung der Strecke stand im Raum

Als das Bergwerk 1971, vor 45 Jahren, die Kohleförderung endgültig einstellte, mussten einige Weichen neu gestellt werden. So auch für die Bahn. Im Verlauf der 1970er Jahre rang man daher mit der Frage, ob die Strecke nach Peißenberg stillgelegt werden muss. Es gab viele Proteste seitens der Bürger, und auch der damalige Bürgermeister Matthias Führler setzte sich vehement für den Erhalt der Bahn ein. 1980 stand sie dann endgültig nicht mehr auf der Abschussliste.

Dr. Sabine Vetter

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