Am Weilheimer Amtsgericht wurde der kuriose Fall verhandelt. Symbolfoto: dpa

Fahrerloses Fahren mit Folgen

Weilheim - 52-Jähriger stand wegen Unfallflucht vor Gericht, obwohl er zum Unfallzeitpunkt nicht am Unfallort war

Kann man Unfallbeteiligter sein, wenn man zum Unfallzeitpunkt gar nicht am Unfallort ist? Mit dieser Frage beschäftigte sich Richterin Katrin Krempl in einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Weilheim, als ein 52-jähriger Weilheimer wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort angeklagt war. Dieser Fall war keine gewöhnliche Fahrerflucht, wie sie sich beinahe täglich auf den Straßen der Kreisstadt beim Ein- oder Ausparken ereignet. Dieser Fall lag anders: Laut Strafbefehl hatte der Weilheimer im Oktober sein Wohnmobil in einem Gewerbegebiet in Weilheim abgestellt, dann ging er weg. Das Wohnmobil rollte aber gegen ein anderes Auto, obwohl der Angeklagte versicherte, die Handbremse angezogen zu haben. Als der Weilheimer wieder zu seinem Fahrzeug kam, bemerkte er den Schlamassel, hängte nach eigener Aussage einen Zettel mit seinen Personalien an das andere Auto, stellte sein Wohnmobil ein paar Meter entfernt ab und machte sich auf die Suche nach dem Autobesitzer. Die Krux bei der Sache: Dass an dem beschädigten Auto ein Zettel gehangen ist, konnte keiner der Zeugen bestätigen. Dass das Wohnmobil gegen das Auto gestoßen war, hatten aber Zeugen in dem angrenzenden Bürogebäude beobachtet. „Genau hinter dem Auto ist ein großes Wohnmobil gestanden, das das Auto touchiert hat“, sagte eine Zeugin vor Gericht aus. Schließlich wurde die Polizei verständigt, die weder einen Fahrer noch eine Benachrichtigung vorfand. Es sei aber zu erkennen gewesen, dass es das zur Seite gestellte Wohnmobil war, das das andere Auto beschädigt hatte. Der Weilheimer bekam einen Strafbefehl wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort, in dem eine Geldstrafe in Höhe von 2500 Euro und ein Fahrverbot verhängt worden waren. Dagegen legte er Einspruch ein und die Sache kam vor Gericht. Er habe den Zettel an das Auto gehängt, brachte der Mann vor. Später habe er diesen am Boden liegen sehen. Die Polizei habe er nicht gerufen, weil er dies bei einem früheren Unfall versucht habe und ihm dann gesagt worden sei, wegen Blechschäden müsse keine Polizei kommen. Der Verteidiger brachte vor, dass sein Mandant aus seiner Sicht gar kein Unfallbeteiligter sein könne, weil er zur Unfallzeit nicht am Unfallort gewesen sei. Richterin Krempl sah das anders: Da die Fahrzeuge so lange ineinander verkeilt gewesen seien, bis der Angeklagte sein Wohnmobil umgestellt hatte, wirke der Unfall fort. Sie verhängte eine Geldstrafe von 1750 Euro, aber kein Fahrverbot.

Kathrin Hauser

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