aus dem gericht

Freiwilliger Kampf gegen die Sucht

Peißenberg - Ein 21-Jähriger beschädigte alkoholisiert ein Auto.  Weil er sich danach positiv verhielt, beließ es der Richter bei einem Arrest.

 „Die Alkoholkrankheit ist vererbbar“, stellte der Verteidiger gleich zu Beginn der Verhandlung klar. Und er umriss den bisher traurigen Lebenslauf seines Mandanten, bei dem Alkohol immer eine große Rolle spielte. „Ich setze alles dran, dass das nicht mehr vorkommt und ich mein Leben ändere“, sagte der zur Tatzeit 20-jährige Peißenberger dann auch vor Gericht. Wegen eines relativ kleinen Delikts saß er auf der Anklagebank des Weilheimer Amtsgerichts. In betrunkenem Zustand hatte er aus grundloser Wut und Aggression eine Delle in das Fahrzeug eines unbeteiligten Peißenbergers getreten.

Dem jungen Mann wird so langsam klar, dass er nur dann Probleme bekommt, wenn er Alkohol zu sich nimmt. Erblich vorbelastet scheint der gelernte Lackierer zu sein. Sein leiblicher Vater war Alkoholiker und trennte sich schon vor der Geburt seines Sohnes von der Mutter. Und auch sie hat ein großes Problem mit dem Trinken. „Ich schäme mich manchmal dafür“, gab der junge Mann vor Gericht zu.

Vier Einträge im Bundeszentralregister hat er schon verbucht – und immer war Alkohol im Spiel. Mehrmalige Sachbeschädigungen und eine gefährliche Körperverletzung zeugen von aufgestauter Aggression und minderem Selbstwertgefühl.

Und genau daran arbeitet der junge Peißenberger seit einigen Monaten unaufgefordert. Freiwillig hat er sich nach seiner Tat im Juli 2015 im Forensisch Toxikologischen Centrum (FTC) in München angemeldet. Dort hat er schon ein dreimonatiges Alkoholkontrollprogramm absolviert, das er – auch wiederum freiwillig – um weitere drei Monate verlängern ließ. Außerdem hat er sich schon im Vorfeld bei einer psychosozialen Beratungsstelle gemeldet und zwei Gespräche geführt. Auf eigene Kosten hat er sich noch zusätzlich bei der „Brücke Oberland“ zu einem Anti-Aggressions-Coaching angemeldet. Das familiäre Alkoholproblem geht er zusammen mit seiner Mutter an, die nun auch in Behandlung ist. „Er hat sich auch von seinem Freundeskreis distanziert“, gab der Verteidiger noch an. Das bestätigte der junge Mann glaubhaft.

Den Schaden an dem Auto hat er aus eigener Tasche bezahlt. Zu Hilfe kam ihm da die Bereitschaft des Geschädigten, die sogenannte billige Variante der Reparatur zu wählen. „Der Kostenvoranschlag der Werkstatt belief sich auf rund 3700 Euro“, gab der Fahrzeughalter an. Er ließ sich von dem jungen Peißenberger aber nur 1680 Euro für die Reparatur seines Fahrzeugs geben.

„Ihre ganzen Aktionen im Vorfeld sprechen sehr für Sie“, sagte Richter Michael Eberle zum Angeklagten. Die Frage stellte sich jedoch für den Richter, ob er nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht urteilen sollte. Die anwesende Jugendgerichtshelferin wies in ihrem Protokoll auf die durch das familiäre Alkoholproblem hervorgerufene mögliche Reifeverzögerung des jungen Mannes hin. Dies sah auch der Richter so und verurteilte den jungen Mann nach Jugendstrafrecht.

Dieser muss nun einen dreitägigen Arrest absitzen. Außerdem verbot der Richter dem 21-Jährigen jeglichen Alkohol in den nächsten sechs Monaten. Er bestand noch auf fünf Gespräche bei der psychosozialen Beratungsstelle und auf den Nachweis der weiteren Testergebnisse beim FTC in München. „Sie haben ein sehr positives Nachtatverhalten gezeigt“, lobte der Richter den jungen Mann zum Schluss.

Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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