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Den Ernstfall erklärt: Kai Splanemann ist Systemadministrator und Disponent in der BRK-Leitstelle Oberland. Er zeigt BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk (Mitte), wie die Notrufannahme- und weiterleitung funktioniert. Helmut Ochs, Leitstellenleiter Oberland, beobachtet seinen Mitarbeiter aus dem Hintergrund.

Hilfsorganisationen sind gerüstet  

Vor dem G7-Gipfel: 5000 Überstunden für den Ernstfall

Weilheim - 1800 Helfer, ganz neue Software und Tausende von Überstunden: Die zentrale Leitstelle in Weilheim ist für den G7-Gipfel gerüstet. Trotz aller Routine steigt die Aufregung bei den Rettungskräften.

Helmut Ochs ist ein alter Hase beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK). Der 61-Jährige ist seit über 40 Jahren dabei. Es gibt keine Notfall-, keine Stresssituation, der er noch nicht ausgesetzt war. Doch der bevorstehende G7-Gipfel Anfang Juni macht ihn ungewohnt nervös. „Der Countdown läuft, ich bin schon angespannt.“

Noch 75 Tage sind es, bis sich die Mächtigen der Welt auf Schloss Elmau im Landkreis Garmisch-Partenkirchen treffen. Außerdem kommen Tausende von Journalisten, Demonstranten, Polizisten und Rettungskräfte. In Ochs’ Leitstelle laufen dann die Fäden für die medizinische Notfallversorgung der Teilnehmer zusammen. Eine große Verantwortung.

Das BRK übernimmt federführend für 1800 Helfer der Hilfsorganisationen Arbeiter-Samariter-Bund, Johanniter-Unfall-Hilfe und Malteser Hilfsdienst die Organisation der medizinischen Notfallversorgung beim G7-Gipfel. „Wir haben das Personal mit Leuten aus ganz Bayern aufgestockt und sie geschult“, sagt BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk. Kosten: 2,2 Millionen Euro.

Allein in der Weilheimer Leitstelle, in der die Notfälle für die drei Landkreise Weilheim-Schongau, Bad Tölz-Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen koordiniert werden, sind in nur einem Jahr 2000 zusätzliche Arbeitsstunden angefallen. Bis zum Gipfeltreffen kommen weitere 3000 dazu. „Ein 14-Stunden-Tag ist zur Zeit normal“, sagt Ochs. In den vergangenen Wochen und Monaten ging es in erster Linie darum, sich mit den technischen Neuerungen vertraut zu machen. „Wir haben eine neue Software und den Digitalfunk eingeführt“, sagt Ochs.

Seit dem 9. Februar wird damit gearbeitet. „Und es funktioniert einwandfrei.“ Gerade der Digitalfunk sei ein großer Fortschritt. „Sollte ein Retter selbst in Not geraten, genügt ein Knopfdruck und wir werden automatisch alarmiert und wissen über die GPS-Ortung, wo der Notruf abgesetzt wurde.“

Vor G7-Gipfel 2015 wird Technik ständig getestet

Vor einem Großereignis wie dem G7-Gipfel kann die Technik gar nicht oft genug getestet werden. Stärk macht direkt einen Versuch. Er zückt sein Handy, wählt die 112. Und schon klingelt bei Leitstellendisponent Kai Splanemann das Telefon. „Rettungsleitstelle Oberland.“ So wird er sich auch Anfang Juni melden, wenn ein Notruf eingeht. Zum Beispiel wenn es bei einer Demonstration Verletzte gibt. Stärk schildert spontan ein mögliches Szenario: Friedliche G7-Gegner wurden von gewaltbereiten Krawallmachern massiv attackiert. Es herrscht Panik, die Polizei ist bereits alarmiert. Aber die Verletzten brauchen dringend medizinische Versorgung. Eine Situation, in der Splanemann gelassen bleiben muss. Er tippt in Windeseile Adresse und ein paar Schlagwörter in den Computer. Sofort wird der Notruf an einen Rettungswagen weitergeleitet. Splanemann hat damit erstmal alles getan, was er tun kann. Nun kann er über GPS auf einem seiner fünf großen Bildschirme ganz genau verfolgen, wo sich die Rettungswagen gerade befinden und wie weit sie noch von der Unglücksstelle entfernt sind.

Leonhard Stärk hofft allerdings, dass es während des Gipfels zu keinen Großeinsätzen kommen wird. Obwohl ihn die Bilder von den Ausschreitungen in Frankfurt etwas nervös gemacht haben – das gibt er offen zu. „Wir ziehen wegen des G7-Gipfels nicht in den Krieg, aber Frankfurt hat gezeigt, wozu Chaoten im Stande sind.“ Die Sicherheit seiner Einsatzkräfte muss immer gewährleistet sein. „In diesem Falle vertrauen wir dann ganz der Polizei.“

Die Nervosität wird bleiben. Die Rettungskräfte werden bis zum Gipfel immer wieder alle möglichen Szenarien im Kopf durchspielen. Ein bisschen Aufregung gehört nun mal dazu. Aber Stärk betont auch: Das BRK hat seine Hausaufgaben gemacht. „Die notfallmedizinische Versorgung während des G7-Gipfels ist garantiert.“

Alle Infos zum G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau finden Sie auf unserer G7 Themenseite. Die wichtigsten Fragen und Antworten haben wir bereits zusammengefasst. In unserem News-Blog zum G7-Gipfel erfahren Sie die aktuellsten Nachrichten rund um das Großereignis auf Schloss Elmau.

Michaela Sperer

Johannes Schelle

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