Die Resslers und ihre Pferde sind beim Leonhardiritt dabei: Andreas Ressler (2.v.r.) mit seinen Kindern (v.l.) Andrea (13), Verena (10) und Benedikt (15). 

Am Freitag ziehen die Rösser durch Forst

Ein Dorf im Leonhardi-Fieber

Forst - Am Freitag ziehen wieder die Rösser durch Forst, dann ist das ganze Dorf im Leonhardi-Fieber. Mit dabei ist natürlich auch  Andreas Ressler.

Der Leonhardi-Tag ist ein Ehrentag, mit dem für Andreas Ressler jedes Jahr Arbeit und auch ein wenig Stress verbunden ist. Denn wenn der 43-jährige Forster am Freitag um 4.30 Uhr mit seiner Frau aufsteht und in den Stall geht, um die Kaltblüter vorzubereiten, liegen bereits einige Wochen Arbeit hinter ihm. Die Organisation für das Patroziniumsfest beginnt für Ressler, der seit 1996 Vorstand des Leonhardivereins ist, schon ab Mitte Oktober. Und am Vortag von Leonhardi werden die Rösser gewaschen, damit sie am nächsten Tag trocken sind und herausgeputzt werden können. Und trotzdem gehört der Festtag zur Familie Ressler wie der Schutzpatron Leonhard zu den Pferden. Schon Resslers Vater und Großvater pflegten die Tradition um diesen Tag.

Ressler beschreibt den seit 1460 bestehenden Forster Leonhardiritt als christliches Brauchtum und keinesfalls als ein „Zurschaustellen“. Deshalb gib es auch keine Festzeichen zu kaufen. Der Mitgliedsbeitrag für die über 200 Vereinsmitglieder beträgt gerade einmal drei Euro im Jahr. Das Patrozinium ist für Ressler ein Hochtag, seit er denken kann. „Wir machen das aus dem Glauben heraus, und das sollte auch so bleiben“, sagt Ressler überzeugt. Überhaupt sei es in Forst gängig, dass Schulkinder – wenn der Leonharditag auf einen Schultag fällt – an diesem Tag frei bekommen. Und klar ist auch, dass die drei Kinder der Resslers eingebunden sind: Der Sohn spielt Musik, die Mädchen ministrieren.

Heuer werden es wohl an die 100 Reiter sein, vermutet Ressler, „vielleicht auch mehr, wegen der Ferien“. Außerdem sind der Musikerwagen, ein Wagen mit dem Modell der Forster Kirche und eine Ehrenkutsche, gefahren von Ehrenmitglied Klement Kölbl dabei. Eine Besonderheit an der Pferdeweihe ist auch das Gebet, das der Pfarrer spricht: Von Abt Tassilo Boelzl 1717 verfasst, wird es jedes Jahr gesprochen. Bisher ist der Ritt nur ein einziges Mal, 1805, ausgefallen. Damals waren in der Zeit der Säkularisation Wallfahrtsritte verboten. Die Forster Bauern bezahlten in den Folgejahren sogar Strafgebühren, um den Ritt zu erhalten.

Neu am diesjährigen Ritt ist die Bewirtung durch die Landjugend: Da es den „Bayerischen Hiasl“ nicht mehr gibt, nehmen die Jugendlichen die Bewirtung gegenüber vom Wirtshaus in die Hand. Bleibt für den Forster Andreas Ressler nur noch zu hoffen, dass es schönes Wetter wird. Einmal, erzählt Ressler lächelnd, es muss wohl in den 1940er oder 1950er Jahren gewesen sein, war es an einem Leonharditag sehr neblig. So kam es, dass der Mesmer den Pfarrer bei der Weihe verlor und ihn für kurze Zeit nicht wiederfand.

Der Blick durch das Fenster aus dem Hause Ressler in Hagenlehen sieht momentan nach strahlendem Sonnenschein aus. Vor der Haustüre stapeln sich bereits die Kästen mit Getränken. Das sei Tradition, seit sie geheiratet hätten, lacht Ressler: Nach dem Leonharditanz geht es hier weiter. Ein Ehrentag will gebührend gefeiert werden.

Julia Mähler

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