Wegen Hebammenmangels

Geburtshilfe in Weilheim schließt für drei Monate

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Hiobsbotschaft für werdende Eltern. Die Geburtshilfe am Weilheimer Krankenhaus schließt ab kommendem Sonntag, 1. Oktober. Der Grund: Vier von fünf Hebammen haben gekündigt.

Weilheim – Die Mitarbeiter des Weilheimer Krankenhauses erfahren am Donnerstag bei einer Betriebsversammlung offiziell, dass die Entbindungsstation ab 1. Oktober geschlossen wird. Die Schließung dauert, so Isa Berndt, Sprecherin der Krankenhaus GmbH Weilheim-Schongau, bis zum Jahresende. Alle Frauen, die demnächst in Weilheim entbinden wollten, wurden darüber unterrichtet, dass sie nach Schongau gehen können.

Die überraschende Schließung der Geburtshilfe, deren Erhalt Landrätin Andrea Jochner-Weiß seit Jahren als „eine große Herzenssache“ bezeichnet und deren Bestand sich der Landkreis jedes Jahr rund 600 000 Euro kosten lässt, hat laut Isa Berndt vor allem einen Grund: „Wir haben im Weilheimer Krankenhaus einen akuten Hebammenmangel“.

Laut Berndt gab es im Weilheimer Krankenhaus bislang fünf Hebammen, im Schongauer sind es acht. Alle arbeiten sie freiberuflich und werden pro Geburt bezahlt. Nachdem zwei der fünf Weilheimer Hebammen „aus persönlichen Gründen“ im Februar kündigten, sei es nicht gelungen, Ersatz zu finden. Auch dadurch nicht, dass gezielt Hebammen angesprochen wurden, die in Kliniken arbeiten, in denen die Geburtshilfe geschlossen wird. „Der Markt ist leer, Hebammen sind sehr gesucht“, so Isa Berndt.

Mit drei verbliebenen Hebammen habe sich in Weilheim aber nicht wie bisher ein 24-Stunden-Dienst an sieben Tagen die Woche stemmen lassen. Nachdem feststand, dass kein Ersatz für die zwei ausscheidenden Kolleginnen gefunden werden kann, hätten zwei der drei noch verbliebenen Hebammen überraschend ihre Arbeit ebenfalls aufgekündigt. Mitte August zu Ende September, so die Krankenhaus-Sprecherin.

Die Krankenhaus GmbH beschloss in Absprache mit den politischen Gremien, die Geburtshilfe ab Sonntag, 1. Oktober, zu schließen. Die Geburtshilfe in Schongau sei gewappnet, das achtköpfige Hebammen-Team könne die Geburten aus dem Raum Weilheim mit übernehmen, so Isa Berndt. 20 bis 30 Geburten könnten die Schongauer Hebammen im Monat zusätzlich begleiten. Mehr werden es wohl nicht, denn im Weilheimer Krankenhaus kamen bis zum 1. August dieses Jahres 186 Kinder zur Welt, im Schongauer 303.

Rufbereitschaft für Notfälle

Auch wenn die Geburtshilfe in Weilheim geschlossen ist, können Frauen dort im Notfall ihr Kind auf die Welt bringen. Dazu wird eine Rufbereitschaft eingerichtet, in die sowohl die eine verbleibende Hebamme als auch das Ärzte-Team um Chefärztin Dr. Solveig Groß eingebunden ist. Nicht betroffen von der Schließung ist die gynäkologische Abteilung.

Um neue Hebammen zu finden, inserierte die Krankenhaus GmbH in den letzten Tagen in Südthüringen, im Erzgebirge und auch in Mecklenburg-Vorpommern. Sie lockt mit Hilfe bei der Wohnungssuche, übertariflicher Bezahlung und Übernahme von Umzugskosten. Auch Festanstellungen seien möglich. Denn ab 1. Januar 2018 sollen Frauen wieder im Weilheimer Krankenhaus gebären können.

Rubriklistenbild: © dpa

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