Im Streit Messer gezückt

„Gelbe Karte“ für jungen Somalier

Weilheim - Drei Asylbewerber waren wegen Körperverletzung angeklagt, einer hatte im Streit ein Messer gezückt. Sie kamen glimpflich davon.

Der Streit, hatte sich in den frühen Morgenstunden des 4. Juli 2015 in einer Asylbewerberunterkunft in Weilheim hochgeschaukelt. Das beherzte Eingreifen eines 25-jährigen Nigerianers, der zufällig zu Besuch in der Unterkunft war, verhinderte Schlimmeres: Er packte den 17-jährigen Somalier von hinten und entriss ihm das Küchenmesser, mit dem er gerade ins Zimmer schlafender Mitbewohner stürmen wollte. „Er wollte jemanden verletzten“, sagte der Nigerianer in seiner Zeugenaussage vor Gericht. Er sagte auf Englisch aus, eine Dolmetscherin übersetzte.

Die Auseinandersetzung begann laut Anklageschrift damit, dass ein 20-jährige Somalier, der zusammen mit einem gleichaltrigen Landsmann in einem Zimmer in der Unterkunft lebt, am frühen Morgen gegen 5.30 Uhr ins Zimmer kam, in dem sein Mitbewohner schlief und das Licht anmachte.

Davon wachte der Schlafende auf. „Ich bin sauer geworden und habe ihn geschlagen“, ließ der Angeklagte über seinen Dolmetscher sagen. Der andere schlug zurück. Die beiden schlägerten eine Weile. Der eine erlitt dabei eine aufgeplatzte Unterlippe und Schürfwunden. Der andere zog sich ebenfalls Schürfwunden zu sowie eine Verletzung unterhalb des linken Auges, die ziemlich stark blutete.

In diese Schlägerei schaltete sich der dritte Angeklagte ein, der in jener Nacht zu Besuch in der Unterkunft war: „Ich wollte schlichten, habe es aber nicht geschafft“, sagte der 17-Jährige aus, der ebenfalls aus Somalia stammt. Er spricht so gut Deutsch, dass er keinen Dolmetscher mehr brauchte. „Ich habe die Nigerianer zu Hilfe geholt.“

Die haben geschlafen, als der 17-Jährige in ihr Zimmer stürmte und um Hilfe bat. „Wir sind rübergegangen und haben sie getrennt“, sagte einer der Nigerianer aus. Als der Streit geschlichtet war, hätten sie dem Mitbewohner, der durch das Licht aus dem Schlaf gerissen worden war, angeboten, doch mit in ihrem Zimmer zu schlafen, damit alles friedlich bleibe. Der Somalier habe das Angebot angenommen und sei mit in das Zimmer der Nigerianer gekommen.

Das hat aber den 17-jährigen Somalier so geärgert, dass er sich das Küchenmesser schnappte, das in der Küche lag und mit erhobener Klinge in Richtung des Nigerianer-Zimmers marschierte. „Ich habe das Messer genommen und wollte ihnen Angst machen“, sagte der junge Mann vor Gericht. Doch zum Glück kam er nicht weit: Der 25-Jährige Nigerianer hatte ihn beobachtet und nahm ihm das Messer ab. Anschließend riefen die jungen Männer die Polizei.

Die drei Angeklagten räumten ihre Taten in der Gerichtsverhandlung voll ein, was ihnen Jugendrichter Michael Eberle bei seinem Urteil zugute hielt: Die beiden Schläger wurden wegen Körperverletzung zu jeweils 60 Tagessätzen in Höhe von 10 Euro verurteilt, der 17-Jährige bekam eine Verwarnung erteilt und muss 32 Stunden soziale Dienste leisten. „Das ist die gelbe Karte“, sagte Eberle in seinem Urteilsspruch.

Kathrin Hauser

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

In Antdorf: Wasser wird teurer, Abwasser billiger
Jetzt ist es amtlich: Die Gemeinde Antdorf ändert zum 1. Januar 2018 die Preise beim Wasser und Abwasser.
In Antdorf: Wasser wird teurer, Abwasser billiger
Generalprobe fürs Weihnachtsgeschäft
Wenn die Vereinshütte an der Schmiedstraße ihre Pforten öffnet, der „Hüttenzauber“ zum Innenstadt-Treffpunkt wird und der Andreasmarkt samt verkaufsoffenem Sonntag …
Generalprobe fürs Weihnachtsgeschäft
Kommt ein Bürgerentscheid für die Hallenbad-Neubaupläne?
Soll die Bevölkerung in Penzberg über die Neubaupläne für ein Hallenbad mit Rutsche und Sauna abstimmen. Diesen Antrag stellt die „Freie Fraktion“ - als Reaktion auf das …
Kommt ein Bürgerentscheid für die Hallenbad-Neubaupläne?
Unfall in Huglfing: Mehrere Leichtverletzte
Nach einer Kollision mit mehreren Fahrzeugen war die B 472 in Huglfing längere Zeit gesperrt. 
Unfall in Huglfing: Mehrere Leichtverletzte

Kommentare