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Abgelehnt: Auf der Wiese hinterm Bauhof an der Osterseenstraße soll keine Asylbewerberunterkunft gebaut werden.

An der Osterseenstraße in Seeshaupt

Gemeinderat lehnt Asylbewerberheim ab

Seeshaupt - Der Gemeinderat lehnt ein Asylbewerberheim an der Osterseenstraße ab. Es hätte rund 100 Flüchtlingen Platz geboten.

Eine Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber an der Osterseenstraße in Seeshaupt auf dem Areal vor dem Bauhof wird – zumindest vorerst – nicht gebaut. Auf der Sitzung am Dienstag lehnte der Seeshaupter Gemeinderat den Antrag der „Xanthos GmbH“ mit großer Mehrheit ab; lediglich Bürgermeister Michael Bernwieser, Stefan Müller und Barbara Kopf stimmten dafür.

Im Oktober 2015 hatte das Gremium den Weg für eine Asylunterkunft für 75 Flüchtlinge freigemacht, Laufzeit fünf Jahre und eine Verlängerungsoption um weitere fünf Jahre. Bei einer Gesprächsrunde vor zwei Wochen mit Landratsamt und Grundstückseigentümer stellte sich heraus, dass das Bauvorhaben nur unter der Prämisse „knapp 100 Asylbewerber und für zehn Jahre“ realisiert werden könnte. Darauf wollten sich Seeshaupts Gemeinderäte nicht einlassen. Selbst für Befürworter Bernwieser sind die zehn Jahre, auf die die Regierung pocht, „eine dicke Kröte“, denn die Unterbringungsmöglichkeiten in den umliegenden Gemeinden seien durchwegs auf drei Jahre angelegt.

Aber Bernwieser treibt die Angst um, dass die Regierung das Einvernehmen der Gemeinde ersetzt und dann trotzdem gebaut werden darf – ohne Mitspracherecht der Gemeinde. Damit nicht genug: Eine weitaus größere Asylunterkunft hätte auf dem 4800 Quadratmeter großen Grundstück an der Weilheimer Straße bei der „Jet“-Tankstelle Platz, das dem Freistaat gehört. Der prüft laut Bernwieser zurzeit vier Standorte auf staatseigenem Grund im Landkreis, davon liegen zwei in Seeshaupt, die eingezäunte Wiese neben der Tankstelle und die 5600 Quadratmeter große Brachfläche an der St. Heinricher Straße, für die vor vier Jahren ein Bebauungsplan aufgestellt wurde, was bei den Nachbarn großen Wirbel ausgelöst hat (wir berichteten).

Die Regierung von Oberbayern hat allerdings den Verzicht auf die Unterkunft am Bauhof zugesichert, wenn die Gemeinde alternative Lösungen anbietet. Bernwieser glaubt aber nicht recht daran, dass Seeshaupt der Forderung schnell genug nachkommen kann. Viele Gemeinderäte sind da zuversichtlicher: Quer durch die Fraktionen war man sich einig, dass die Gemeinde die Unterkünfte selbst bauen und sie – sollten die Flüchtlingszahlen zurückgehen – in Sozialwohnungen umwandeln soll. Eine Maßnahme, „die die Bürger mittragen“, wie es Vizebürgermeister Fritz Stuffer ausdrückte. Dafür muss allerdings noch ein geeignetes Grundstück gesucht werden.

In Seeshaupt leben seit über zwei Jahren knapp 30 Flüchtlinge. Die evangelische Landeskirche hat seit Dezember 2013 ihr Ferienhaus mit sechs Apartments an den Landkreis vermietet.

Renate von Fraunberg

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