48-Jähriger beteuert Unschuld

Kinderpornographie: Weilheimer wegen Besitzes von Fotos verurteilt

50 illegale Fotos hatte ein 48-jähriger Weilheimer auf seinem Computer. Er bestreitet, die kinderpornographischen Inhalte selbst darauf geladen zu haben.

Weilheim – Am zweiten Verhandlungstag war für Weilheims Amtsrichterin Katrin Krempl alles klar. Sie hielt den 48-jährigen Weilheimer für schuldig, kinderpornografische Schriften auf seinem Computer gehabt zu haben und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 4500 Euro. Wie genau diese 50 illegalen und rund 3000 legalen Fotos mit pornografischem Inhalt – am ersten Verhandlungstag war noch von 1000 Fotos die Rede – auf den PC gelangten, konnte nicht zweifelsfrei bewiesen werden.

Der Angeklagte selbst hatte Viren oder Trojaner in Verdacht. Er gab zu, sehr fahrlässig und unbedacht im Internet gesurft zu haben. Um beispielsweise über Facebook Spiele machen zu können, habe er sogar die Firewall seines Computers ausgeschaltet. So sei der PC vor einem möglichen Virenangriff nicht geschützt gewesen. Ein sogenannter BKA-Trojaner, der seinen Computer dann befallen haben soll, könnte, so die Vermutung des Angeklagten, die kinderpornografischen Bilder hochgeladen haben. Dieser Trojaner existiert tatsächlich. Der für Cyberkriminalität zuständige sachverständige Polizeibeamte bestätigte dies vor Gericht. Man erhält ein Schreiben, in dem als Absender das Bundeskriminalamt (BKA) angegeben ist, mit dem Hinweis, dass illegale Fotos auf dem PC gefunden worden seien. Unter der Voraussetzung, dass ein bestimmter Geldbetrag gezahlt werde, könne von einer Anzeige abgesehen werden.

Rund 20 verschiedene „BKA-Trojaner“ unterschiedlichen Inhalts sind bekannt. Der Polizeibeamte gab jedoch an, dass dieser Trojanertyp maximal acht Bilder hochladen könne. „Es geht hier dem Täter ja in erster Linie um Gelderpressung, nicht um die Verbreitung kinderpornografischer Fotos“, sagte er.

Bei der forensischen Untersuchung des Computers des Angeklagten habe auch nichts darauf hingewiesen, dass der PC einmal von einem solchen Virus befallen worden sei, sagte ein weiterer Sachverständiger aus. Auch eine Infizierung des Computers durch ein sogenanntes Botnet, eine Gruppe automatisierter Computerschadprogramme, deren Netzwerkanbindung ohne Einverständnis und Wissen des Eigentümers ausgenutzt wird, hielt der Sachverständige für sehr unwahrscheinlich. Er erklärte das anhand des bei der forensischen Untersuchung festgestellten Surfverhaltens des Angeklagten. So habe dieser an unterschiedlichen Tagen über einen langen Zeitraum hinweg regelmäßig die gleichen Suchbegriffe eingegeben, um gezielt nach kinderpornografischen Seiten zu suchen. Ein Täter des Botnetzes“ hätte sich immer genau zum gleichen Zeitpunkt in den Computer des Angeklagten einhacken müssen, um etwas wie das Hochladen von illegalen Bildern zu tätigen, so der Polizeibeamte. Eine Situation, die dem Spezialisten für Cyberkriminalität vollkommen unmöglich erschien.

Für die Richterin war klar, dass das illegale Bild, das auf dem Facebook-Account des Beschuldigten öffentlich erschien und letztendlich zur Anzeige führte, nicht willentlich vom Angeklagten selbst gepostet worden war. Wie es aber genau dahin kam, wurde nicht geklärt. Der Weilheimer bestritt vehement, aktiv nach solchen Fotos gesucht und sie auf seinen Computer geladen zu haben. „Ich bin kein Pädophiler“, sagte er . Sein Verteidiger hatte auf Freispruch plädiert. „Mein Mandant hat lediglich den Fehler begangen, fahrlässig im Internet gesurft zu haben. Es fehlt hier der Besitzwille“, sagte er. Ob der 48-Jährige in Berufung gehen will, blieb offen.

Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © PantherMedia

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