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Abschied nach 78 Jahren: Die letzten Inhaber Ursula und Gerhard Krötz mit Albertine Eisenschmid sagen „Servus und Danke“.

Getränkemarkt in Oberhausen geschlossen

Jeder wusste, wo der Schlüssel liegt

Still ist es geworden an der Dorfstraße 17 in Oberhausen. Kein Ratsch mehr, kein Einkauf mehr im Getränkemarkt „Eisenschmid“. Zum Jahresende sperrte Gerhard Krötz seinen Laden zu.

Oberhausen – Mit einem lachenden und weinenden Auge blickt er mit Ehefrau Ursula und Schwiegermutter Albertine Eisenschmid zurück: „Fürs Dorf tut es uns leid, und für uns war es eine sehr schöne Zeit. Doch manches kann man nicht aufhalten.“ Schweren Herzens habe man zugesperrt, versichert auch Ursula Krötz: „Wir konnten mit den großen Getränkemärkten auf Dauer nicht mithalten, weder mit den Öffnungszeiten noch mit den Preisen. Wir haben auf Service und Kundennähe gesetzt. Aber leider kamen immer weniger Kunden zu uns. So ist es halt im Leben, alles hat seine Zeit.“

Service und Kundennähe spiegelten sich in so manchen Besonderheiten wider. Und da gab es zahlreiche, so wusste eigentlich jeder, wo der Schlüssel für den Getränkemarkt liegt. Ob Privatleute oder Vereine: 24 Stunden, sieben Tag in der Woche konnten Kunden Nachschub für ihr Fest holen. „Auf den Trägern lag ein Blatt Papier, auf dem der Nachschub notiert wurde. Am Tag darauf wurde abgerechnet“, sagt Ursula Krötz. „Und da hat keiner zu wenig aufgeschrieben.“

1938 eröffneten Hans und Anna Eisenschmid eine Krämerei, und 1949 kam die Limonadenfabrik mit „Alpenperle weiß und „orange“ dazu. 1961, nach Schließung der Krämerei, konzentrierte sich der Betrieb, inzwischen mit Sohn Fritz und Schwiegertochter Albertine, auf Limonadenherstellung und Verkauf. 1970 wurde die Fabrik geschlossen und mit dem Zukauf von Getränken der Aufbau von Außerhaus- und Heimverkauf intensiviert.

Nach einem Verkehrsunfall 1972 verstarb Fritz Eisenschmid mit 35 Jahren und Albertine, die Seele des Getränkemarktes, mit den drei Kindern Gitta, Ursula und dem fast zweijährigen Sohn Fritzi war von einem Tag auf den anderen Unternehmerin. In dieser Zeit erhielt sie viel Unterstützung im Dorf, von der Brauerei und den Nachbarn. „Unser Bürgermeister Michael Reindl, der Degele Hansi, der alte Will und viele andere haben mir sehr geholfen.“ Nun sah man die „Albertine“, wie sie bis heute von allen liebevoll genannt wird, mit ihrem Pritschenwagen die Getränke selbst ausfahren, oft half ihr auch Werner Fichtl. Sie erinnert sich: „Kam ich an, hörte ich schon von weitem: ,Die Albertine kommt!’ Trotz aller Mühen und Arbeit, das war schon auch eine sehr schöne Zeit.“ Zeitgleich baute die Chefin ihr Weingeschäft aus: „Der Toni Schiefele baute mir Weinregale, die hat man im ganzen Oberland nicht gefunden, so schön waren die.“ Das Geschäft florierte, doch eine Augenerkrankung machte es ihr unmöglich weiterzuarbeiten. Gerhard Krötz fuhr weiter die Getränke aus, auch das rechnete sich bald nicht mehr.

Und aus dem Außerhausverkauf wurde ein Getränkemarkt. So übernahmen im Jahr 2000 Tochter Ursula und ihr Mann Gerhard Krötz den Markt, von da an wurde auch das Pfand eingeführt. „Seit Jahren wurden in Märkten Trägerpfand berechnet, bei uns galt noch das Wort, doch wegen der Abrechnung mussten wir auch hier nachziehen.“

Lustig ging’s oft zu und Gerhard Krötz hat so manche Geschichte zu erzählen: „Da kam es schon vor, dass jemand schnell Getränke holen wollte und wir dann ein Bier getrunken und spontan zum Starkbierfest eingeladen haben.“ Sah man Albertine Eisenschmid anfangs noch mit dem Geldbeutel und einem kleinen Block, wurde in den 1970er Jahren eine Rechenmaschine eingeführt. „Ja. und dann kam die Kasse bei der man nur noch die Nummer für den Träger eingeben musste. „Da waren wir schon ganz modern“, so Eisenschmid. Doch manches hat sich bis zum Schluss nie geändert: Der Schlüssel, der rechts an der Tür für die Kunden gelegt wurde; und die Klingel, denn auch wenn das Geschäft geöffnet hatte, man musste erst klingeln, dann kam jemand aus dem Wohnhaus.

Am 31. Dezember war Schluss. Viele Kunden verabschiedeten sich persönlich beim Dreier-Team und wie meinte ein Oberhauser: „So lange ich denken kann, hab’ ich bei euch eingekauft. Wo soll ich denn jetzt hingehen?“

Anneliese Reichert-Schwaiger

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