Der Penzberger Autor Stefan König vor dem Gipfelkreuz der Zugspitze.
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Der Penzberger Autor Stefan König vor dem Gipfelkreuz der Zugspitze.

200 Jahre nach der Erstbesteigung

Gipfelwege, Technik und Indianer - Stefan König und sein neues Buch über die Zugspitze

  • vonWolfgang Schörner
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Vor 200 Jahren wurde die Zugspitze erstmals bestiegen. Der Penzberger Autor Stefan König ist schon über ein halbes Dutzend Mal hinaufgelaufen. Er hat nun, passend zum Jubiläum der Erstbesteigung, ein Buch über Deutschlands höchsten Berg geschrieben. Ein Buch über Gipfelwege, Turnschuhtourismus, Technik – und einen Hüttenwirt namens Willy Michl.

Penzberg – Es ist so eine Sache mit der Erstbesteigung vor 200 Jahren. Es gibt Zweifel. Am 27. August 1820 brach der 26-jährige Vermessungsingenieur Joseph Naus mit seinem Gehilfen und dem Partenkirchener Georg Deuschl zum Zugspitzgipfel auf. Ein gefährliches Abenteuer. Sie mussten sich einen Weg suchen, den damals noch großen Gletscher überwinden und – ohne die heutige Ausrüstung – zum 2964 Meter hohen Gipfel hinaufklettern. Naus hat darüber Tagebuch geführt. Der Penzberger Schriftsteller Stefan König (61) beschreibt dieses Abenteuer in seinem neuen Buch. Er erzählt aber auch von Zweifeln. Es gibt nämlich eine handgezeichnete Karte aus der Zeit um 1770, mit einer hauchzart gestrichelten Linie zum Gipfel. Die Karte liegt heute im Alpinen Museum in München. Ist sie das Ergebnis einer erfolgreichen Besteigung? Keiner weiß es.

Der Penzberger Stefan König ist selbst begeisterter Bergsteiger und Kletterer

Diese „Abenteuer der frühen Tage“ sind ein Teil des Buches, das Stefan König über die Zugspitze geschrieben hat. Der gebürtige Münchner, der seit acht Jahren in Penzberg lebt, ist selbst begeisterter Bergsteiger und Kletterer, der als junger Mann abenteuerliche Wände bestieg. Er hat für die Zeitschrift „Bergwelt“ gearbeitet und für seine Erzählungen „Sternstunden des Alpinismus“ den Literaturpreis des Deutschen Alpenvereins erhalten. In seinen über 30 Sachbüchern und Romanen, darunter viele Krimis, geht es häufig um Berge. Das reich bebilderte Buch „Zugspitze. Berg der Kontraste“ hat er für den AS-Verlag geschrieben, der schon 20 Bergmonografien herausgebracht hat.

Zugspitze: Berg der Technik - und des Kulturschocks

Auf die Zugspitze ist Stefan König schon vor dem Buchprojekt ein halbes Dutzend mal auf verschiedenen Wegen gelaufen. In den vergangenen zwei Jahren war er noch zehn weitere Mal oben, zum Teil auch per Bahn. Was fasziniert ihn an der Zugspitze, die nicht gerade ein Berg der Einsamkeit ist? Es sei nicht nur ein Bergsteigerberg mit Routen und Klettersteigen, sondern auch ein Berg der Technik, sagt Stefan König. Und klar: „Es ist immer ein Kulturschock, wenn man auf den Gipfel kommt und 100 Leute einen anschauen.“ Leute in Turnschuhen, die mit der Seilbahn hochgefahren sind. König will das aber nicht verurteilen. Wenn heute an einem unberührten Berg Seilbahnen gebaut werden, „wäre ich kein Fan“. Aber bei der Zugspitze ist das vor 100 Jahren geschehen. So ist es nun halt. Und Menschen, die nicht bergsteigen können oder wollen, die aber bei der Bahnfahrt die atemberaubende Aussicht genießen wollen, die akzeptiert und respektiert König.

Zugspitze: Umweltforschung und Seilbahn-Wettrennen

Der Technik widmet er in seinem Buch viel Raum: Da sind die Wetterstation und der erste Wetterwart, der monatelang in der Einsamkeit ausharrte, das Schneefernerhaus, einst ein Hotel und heute eine bedeutende Umweltforschungsstation, von der Tunnel tief in den Berg hineingehen. Und da sind die Zahnradbahn und die drei Seilbahnen, die zum Gipfel führen. Vor 100 Jahren, erzählt König, lieferten sich Tiroler und Bayern ein Wettrennen, wer diese technische Meisterleistung unter harten Arbeitsbedingungen zuerst schafft. Es waren 1926 die Tiroler – aber nicht bis ganz hinauf. Vier Jahre später zogen die Bayern mit der Zahnradbahn nach. Aber erst 1962/63 gab es eine Seilbahn zum Gipfel, von bayerischer Seite aus.

Zugspitze: Treffen mit Willy Michl in Kriegsbemalung

Es sind aber auch die Anekdoten, die das Buch reizvoll machen, die Geschichten vom markanten Gipfelkreuz, das auf eine Initiative des Hohenpeißenberger Pfarrers zurückgeht, vom höheren Westgipfel, der der Wehrmacht zum Opfer fiel (der Ostgipfel hat 2962 Meter), von Tom Höck, der in 50 Stunden den ganzen Grat des Gebirgszugs bewältigte – und von Willy Michl. Der Blues-Barde, der einst den Indianer in sich entdeckte und sich „Sound of Thunder“ nennt, war Wirt der Knorrhütte. König begegnete ihm dort 1992. Unvergesslich, sagt er. Ein Hüttenwirt mit Federn im Haar, Tomahawk am Gürtel, Kriegsbemalung und Bergstiefeln.

Das Buch ist ab sofort erhältlich

Das Buch „Zugspitze. Berg der Kontraste“ (285 Seiten) ist im AS-Verlag erschienen (ISBN 978-3-03913-015-3). Es ist ab sofort erhältlich, unter anderem in der Buchhandlung Rolles in Penzberg.

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